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| 18:18 Uhr

Harnischdorf
Noch einmal Meer sehen

Frank-Uwe Langner macht sich auf den Weg nach Boltenhagen. Heiko Kaick und Gabriele Bannach und Mirk Scholler von den Maltesern bringen ihn, Pfleger Jeanette Ender und Karsten Burchardt und Ehefrau Ramona verbringen den Urlaub mit ihm (v.l.n.r.).
Frank-Uwe Langner macht sich auf den Weg nach Boltenhagen. Heiko Kaick und Gabriele Bannach und Mirk Scholler von den Maltesern bringen ihn, Pfleger Jeanette Ender und Karsten Burchardt und Ehefrau Ramona verbringen den Urlaub mit ihm (v.l.n.r.). FOTO: Michael Helbig
Harnischdorf. Frank-Uwe Langner ist sterbenskrank. Die Malteser aus Cottbus ermöglichen ihm einen letzten Urlaub – am Meer. Von Daniel Schauff

Sprechen kann Frank-Uwe Langner nicht mehr. Aber lächeln. Wenn Jeanette Ender über die Fahrt zum Meer spricht, lächelt er. „Er freut sich“, sagt Jeanette Ender. Sie kann Langners Mimik lesen, verbringt viel Zeit mit ihm. Jeanette Ender arbeitet für die Intensivpflege Spreewald. „Jedes Team hat nur einen Patienten“, erklärt sie. „Sonst könnten wir Herrn Langner auch nicht so gut verstehen.“

Jeanette Ender ist jetzt an der Ostsee. Frei hat sie nicht, kümmert sich auch am Meer um Langner. Dessen Wunsch war eine letzte Tour ans Meer. Wenn die Ärzte Recht behalten hätten, sagt seine Frau Ramona, würde Langner schon längst nicht mehr leben. Jetzt will er 60 werden, sagt sie. Die Fahrt nach Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) sei auch so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk – nicht nur für Frank-Uwe Langner.

Auch seine Frau habe den Wunsch gehabt, noch einmal mit ihrem Mann ans Wasser fahren zu können. Zwar seien sie oft in der Gegend unterwegs, spazierten, das Gleiche wie ein Ausflug zum Meer sei das aber nicht.

Finanziell, sagt sie, wäre ein Urlaub mit ihrem schwer kranken Mann nie möglich gewesen. Mit rund zwei Euro pro Kilometer müsse man rechnen, wenn man einen Krankentransport mietet, sagt Jeanette Ender. 400 Kilometer liegen zwischen Harnischdorf und Boltenhagen – 1600 Euro wären für die Familie nicht zu stemmen. Ohne Krankenwagen würde es nicht gehen. Langner wird 24 Stunden lang beatmet, kann nur noch sein Gesicht bewegen, ist auf professionelle Hilfe angewiesen. „Wir hatten richtig Glück“, sagt Ramona Langner. Der „Herzenswunsch-Krankenwagen“ des Malteser Hilfsordens übernimmt die Fahrt. Pünktlich steht er am Samstagmorgen vor der Tür der Langners in Harnischdorf, hat die lange Anfahrt von Dresden, dem einzigen Standort des Wagens der Malteser im Osten, bis in den kleinen Spree-Neiße-Ort schon hinter sich. „Das ganze Team fährt mit“, sagt Jeanette Ender.

Als sie das erste Mal über die Pläne der Ostseereise mit der RUNDSCHAU spricht, hat Langner die große Fahrt noch vor sich. Im Garten des kleinen Hauses sitzt ein Teil von Langners Betreuungsteam. Auch Langner selbst gesellt sich dazu, seine Frau, der noch junge Hund, der um den Rollstuhl des 59-Jährigen herumwuselt. Lungenkrebs – vor ein paar wenigen Jahren hatten die Ärzte bei Langner die Diagnose gestellt. Eigentlich, sagt seine Frau Ramona, sei er wegen eines Rückleidens ins Krankenhaus gekommen, sollte an der Wirbelsäule operiert werden. Gleich mehrere Aufenthalte in der Klinik folgten, Langners Zustand wurde schlechter, immer mehr Organe werden in Mitleidenschaft gezogen. Im Haupthaus konnte er nicht mehr leben, ein kleines Nebengelass mussten die Langners zum Wohn- und Schlafzimmer des Patienten umbauen. „Wir haben einmal gefragt, dann standen die Nachbarn mit uns bis eins hier und haben mit angepackt“, sagt Ramona Langner. Hilfe habe es damals auch vom Lausitzer Spendenverein „Wir helfen“ gegeben, fügt sie hinzu.

Langner ist Palliativpatient. Die Hoffnung auf Genesung gibt es nicht mehr, erklärt Jeanette Ender. Auch einen weiteren Krankenhausaufenthalt werde es nicht mehr geben. An der Ostsee wohnt Langner in einem Hotel für Behinderte, hat dort sogar ein Apartment bekommen. „Wir hoffen jetzt nur noch, dass sich das Wetter hält“, sagt Jeanette Ender ein paar Tage vor der Abreise. Die Prognosen waren da noch schlecht. Zumindest am Sonntag aber sind die Aussichten für die nächsten Tage in Boltenhagen mehr als sonnig.