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| 19:22 Uhr

Noch ein Jahr Ebbe für Spreecamp

Schlechte Aussichten für Badegäste am Bagenzer Strand: Niedrigwasser am Spremberger Stausee.
Schlechte Aussichten für Badegäste am Bagenzer Strand: Niedrigwasser am Spremberger Stausee. FOTO: Spreecamp
Neuhausen. Im vierten Sommer in Folge wird das Wasser des Spremberger Stausees für die Sanierung der Talsperre abgesenkt. Das Spreecamp, das von Touristen an den Stränden in Bagenz und Klein Döbbern lebt, muss kräftig rudern, damit ihm nicht wirtschaftlich das Wasser abgegraben wird. Nicole Nocon

Erst seit Kurzem weiß Torsten Blondzik, dass ausgerechnet ab Ende Juli Ebbe im Spremberger Stausee herrschen wird. "Nach einem Gespräch im Potsdamer Umweltministerium, zu dem Bürgermeister Perko und ich Anfang des Jahres eingeladen waren, hatten wir noch gehofft, dass uns die Bauarbeiten an der Talsperre 2014 nicht so hart treffen würden. Nach aktuellem Stand wird das Wasser aber genau dann abgelassen, wenn die Bundesländer Brandenburg und Sachsen Sommerferien haben. Und gerade von den Sachsen leben wir", sagt der Geschäftsführer des Spreecamps, der nun schon im vierten Jahr mit dem niedrigen Wasserstand leben muss. "Inzwischen verlieren auch einige unserer treuen Gäste die Geduld. Und es ist auch nachzuvollziehen, dass Urlauber, die baden wollen, sich jetzt andere Reiseziele suchen", sagt Torsten Blondzik, der für 2014 angemeldeten Gästen mitteilen musste, dass vor allem am Bagenzer Strand kaum ein Badebetrieb möglich sein wird. "Wir wollen den Touristen gegenüber nicht unehrlich sein. Aber daraufhin sind eine ganze Reihe von Stornierungen eingegangen", bedauert der Spreecamp-Chef.

Wenn die Gäste ausbleiben, fehlen die Einnahmen, auf die das Unternehmen angewiesen ist. "Bislang musste die Gemeinde Neuhausen, der das Spreecamp zu fast 100 Prozent gehört, noch nicht zuschießen. Damit das so bleibt, sparen wir, wo wir können, ohne dass der Service für unsere Gäste leidet. So werden die Badehäuser 2014 nicht mehr von einer Fremdfirma, sondern von den Spreecamp-Mitarbeitern gereinigt. Ihnen wird damit eine zusätzliche Bürde auferlegt. Ich bin sehr stolz auf mein Team, dass alle mitziehen, um den Betrieb am Laufen zu halten", sagt Torsten Blondzik. "Wir tun alles, damit es weitergeht", betont er.

Auf Unterstützung oder Entschädigung vonseiten des Landes braucht das Spreecamp nicht zu hoffen. "Dort steht beim Blick auf die Talsperre der Hochwasserschutz im Vordergrund. Der Tourismus wird nur als Anhängsel gesehen. Dabei hat sich die Gemeinde Neuhausen seit der Gebietsreform auf den Tourismus ausgerichtet und viel Geld investiert. Entschädigung für Mindereinnahmen, die durch die Talsperrensanierung bedingt sind, bekommen wir keinen Pfennig. Uns sagt man nur: Das sieht der Gesetzgeber nicht vor", sagt Torsten Blondzik.

Angesichts dieser Tatsache versuchen der Spreecamp-Chef und die in der Saison elf festangestellten Mitarbeiter durchzuhalten, bis die Ebbe-Zeit vorüber ist. In der Zwischenzeit bemühen sie sich die Gäste mit Gratisnächten, einem kostenlosen Fahrradverleih und einem Shuttle-Service zum Spremberger Schwimmbad zu entschädigen. "Für die Kinder haben wir jetzt in einem früheren Kiesloch einen kleinen Teich zum Planschen zurechtgemacht", sagt Blondzik, der noch nicht absehen kann, wann die Durststrecke zu Ende gehen wird: "2015 soll es wieder besser aussehen, hat uns das Ministerium in Aussicht gestellt. Das wäre aber nicht der erste Termin, der wieder umgestoßen wird."

Torsten Blondzik.
Torsten Blondzik. FOTO: Arlt/mat1