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| 19:32 Uhr

Albert-Schweitzer-Freundeskreis
Alfred Ullmann feiert 90. Geburtstag

 Manfred Ullman mit Ehefrau Ingeborg.
Manfred Ullman mit Ehefrau Ingeborg. FOTO: Peter Becker
Cottbus. Der Niederlausitzer Albert Schweitzer Freundeskreis würdigt die Lebensleistung eines außergewöhnlichen Menschen.

Viele Cottbuser und Niederlausitzer kennen ihn und verbinden mit dem Namen Alfred Ullmann das Leben und Wirken Albert Schweitzers.

Alfred Ullmann – Träger des Bundesverdienstkreuzes - wurde vor nunmehr 90 Jahren an 8. August im Erzgebirge geboren, ist hier in der Region vor allem als Organisator der alljährlichen Benefizkonzerte im Konservatorium Cottbus und als profunder Kenner des Lebens und Werkes von Albert Schweitzer bekannt und geschätzt.

Als Jugendlicher wurde er von den Sowjets von der Straße weg unter dem Vorwand der Mitgliedschaft bei den Wehrwölfen verhaftet und für fast fünf Jahre in den Lagern Mühlberg und Buchenwald eingesperrt.

In Buchenwald hörte er erstmals von einem Mitgefangenen etwas über Albert Schweitzer und war fasziniert von dessen Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben und seinem Wirken im Urwaldhospital in Lambarene/Gabun.

So wurde ihm Schweitzer zum Mutmacher und Hoffnungsträger und half ihm beim Überleben der Hölle der Gulags.

Nach Entlassung und der Heirat seiner Frau Inge kam er nach Cottbus und arbeitete hier bis zur Pensionierung bei der Energieversorgung.

In der DDR waren seine Aktivitäten für Schweitzer nicht  immer willkommen und er musste sich seinen Wirkungskreis  für das Werk Albert Schweitzers erkämpfen.

Schweitzer in der Erinnerung zu bewahren war zunächst in den sogenannten  Albert-Schweitzer-Kollektiven möglich. Die Ausweitung dieses Engagement auf andere Bereiche oder gar die Gründung eines  Freundeskreises in der Niederlausitz wurde jedoch misstrauisch beobachtet.

Mit Ausdauer und Hartnäckigkeit, Eigenschaften, die Alfred Ullmann eigen sind, schaffte er viele Steine aus dem Weg. Er gründete 1981 den Niederlausitzer Freundeskreis. Dieser Freundeskreis entwickelte sich schnell zu einem aktiven Zentrum der Schweitzer-Arbeit und wirkt bis heute weiter.

Nach der Wende arbeitete Alfred Ullmann unermüdlich, um die Umstellung der „Schweitzer-Arbeit“ von den in der DDR herrschenden Rahmenbedingungen auf die neuen Bedingungen nach der Wende zu gestalten.

Nur so konnte der in der Niederlausitz aktive Verein „Albert-Schweitzer-Komitee“ gegründet, Finanzen geklärt und Weichen gestellt werden. Das bedeutete die Fortführung der Schweitzer-Arbeit in den neuen Bundesländern, das bedeutete die Rettung der Albert-Schweitzer-Gedenkstätte in Weimar.

Man kann nur ahnen, wie viele bürokratische Hürden zu nehmen waren, wie viele Anfragen, Gespräche, Briefe mit Behörden und anderen Einrichtungen nötig waren.

Er ließ sich nicht abweisen oder vertrösten, beschäftigte sich mit Strukturen, Gesetzen und Abläufen, um das Schweitzer-Erbe - geistig und materiell - zu retten.

Die Gründung  der Stiftung Albert-Schweitzer-Gedenk- und Begegungsstätte in Weimar ist auf seine Initiative zurückzuführen.

Kraft für all die Aktivitäten schöpfte Alfred Ullmann aus der Auseinandersetzung mit den Werken Albert Schweitzers und aus der aufopferungsvollen Unterstützung durch seine Ehefrau Inge Ullmann. Beide wurden 2017 für ihre ehrenamtliche Arbeit von der internationalen Schweitzervereinigung AISL zu Ehrenmitgliedern ernannt.

(Matthias Nevoigt)