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Neustädter Straße im Jahre 1907

Die Neustädter Straße 1907
Die Neustädter Straße 1907 FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Neustädter Straße, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Dora Liersch / dli9

Über Jahrhunderte trugen die Häuser der sogenannten alten inneren Stadt fortlaufende Hausnummern. Nr. 1 war das Rathaus und die weitere Nummerierung ging um den Marktplatz.

Dazu kam die Vierteleinteilung der Innenstadt in Spremberger, Luckauer, Sandower und Mühlenviertel. Mit der Anlage der Neustadt, ab 1733 wurde schlicht weiter nummeriert, sodass 1876 496 Hausnummern vergeben waren. Die Straßen, Wege und Gässchen bekamen im Laufe der Zeit auch Namen, doch die Nummerierung blieb weiter bestehen. Aus einem schlichten Gässchen, das vermutlich bereits mit der Anlage der Stadt entstanden ist, war durch die Schaffung der Neustadt und deren Erreichbarkeit, einem Durchgang durch ein Grundstück in der Burgstraße, das Neustädter Tor entstanden und so erhielt die dorthin führende Straße die Bezeichnung Neue Torstraße, aus der einfach die Neustädter Straße wurde. Die Hausnummern der Neustädter Straße waren 330 bis 338, 363 bis 366, 411 und 413 bis 418. Da soll sich einer zu Recht finden. Erst zum 1. April 1893 führte die Stadt Cottbus in ihrer Innenstadt eine vernünftige, nach Straßen und Hausnummern orientierte Beschriftung ein, bekam auch die Neustädter Straße die Hausnummern von 1 bis 19 zugeteilt. Die alte Ansichtskarte aus dem Jahre 1907 zeigt einen Blick in die Neustädter Straße von der Burgstraße bis zum Altmarkt, der damals schlicht Marktplatz genannt wurde. Links befinden sich das Eckhaus Schlosskirchstraße 7 und die Grundstücke Neustädter Straße 12 bis 19, rechts die Grundstücke 10 bis 1.

Von der ursprünglichen Bebauung haben sich nur einige alte Keller erhalten. Doch schauen wir uns einmal die Häuser an. Das Eckhaus zur Schlosskirchstraße ist ein Kopiebau im Zusammenhang mit dem Bau des Sorat-Hotels. Viele Jahre betrieb Otto Nousch in dem Eckladen sein Lebensmittelgeschäft, das schon vor ihm (1899) Hermann Metz als Colonialwarenhandlung innehatte. Das nächste Haus, Neustädter Straße 12, war noch ein richtig altes, sicher aus dem 18. Jahrhundert stammendes Gebäude mit seinem Krüppelwalmdach. Es gehörte bereits 1891 dem Restaurateur Wilhelm Martin, später betrieb Martha Martin diese Gaststätte und 1940 ist es Margarete Melchior. Etwas verwunschen sah das Haus schon aus, als der Malermeister Friedrich Quosdorf sich 1955 selbstständig machte und seinen Betrieb auf dem Familiengrundstück in der Neustädter Straße eröffnete. Er zog später in die Schillerstraße. Das Haus in der Neustädter Straße wurde abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle die Einfahrt zum Parkhaus.

Neustädter Straße 13 war ursprünglich Eigentum des eingetragenen Konsum-Vereins e.G. und gehörte 1899 dem Bierverleger Rudolf Schneider. Außerdem gab es in diesem Hause ebenfalls ein Restaurant, das Wilhelm Wahling betrieb. 1940 war das Textilwarengeschäft von Franz Fuhrmann im Erdgeschoss. Die Neustädter Straße 14, ein fast gleichhohes Haus wie das Nebengebäude, nur etwas schmaler, gehörte 1899 dem Restaurateur Carl Bergmann. Gaststätte war es auch noch 1940 und der damalige Wirt und Hausbesitzer war Hermann Vollprich, der auch noch zum Anfang der 1960er-Jahre als Gastwirt genannt wird. Neustädter Straße 15 ist das Eckhaus zur Mühlenstraße, ein ursprünglich altes Haus, das sein äußeres Aussehen bewahrt hat. In der Cottbuser Geschichte hat es eine besondere Bedeutung, war es doch viele Jahrzehnte in jüdischem Besitz und dementsprechend bewohnt. Vor dem Haus liegen mehrere "Stolpersteine" die an jüdische Mitbürger erinnern, die im Dritten Reich ihr Leben verloren. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite, Neustädter Straße 5, steht das Haus von Konditormeister Julius Schneider. Baumkuchen waren viele Jahrzehnte unter anderem die Spezialität der Schneiders. Das ist leider nur noch eine Erinnerung.

Neustädter Straße 6 gehörte einst dem Zeugschmiedemeister Carl Schmidt, 1940 ist ein Hamburger Eigentümer des Hauses in dem, einschließlich Hinterhaus, neun Mietsparteien wohnten. Dieses Haus steht nicht mehr, dafür ein interessantes Architektenhaus.

Im Haus Nummer 7, das 1899 Heinrich Starke gehörte, befanden sich 1940 nur noch der Uhrmacher Wilhelm Schultze und der Vertreter Fritz Dunkel. Das Haus ist umgebaut worden. In ihm befindet sich schon viele Jahre der Kürschnermeister Diethard Feind mit seinem Familienuntemehmen. Neustädter Straße 8 war 1899 im Besitz des Schneidermeisters Johannes Heinze und 1940 des Handelsvertreters Gustav Wappler. An das Haus Nr. 9 erinnern sich bestimmt noch etliche Cottbuser. Das Haus steht heute noch. Eigentümer waren der Schuhmachermeister Emil Schramke und seine Familie. Bekannter war aber der Geschäftsinhaber Walter Schöngart mit seinem Bürobedarf, der als Mechanikermeister sich auch der nicht mehr funktionierenden Bürotechnik an nahm. Das Haus Neustädter Straße 10 war viele Jahrzehnte (schon 1891) im Besitz des Fleischermeisters Julius Hermann und seiner Familie, die auch die Fleischerei weiterführten.

Später erwarb der Graveurmeister Hans Schuft das Anwesen. Viele Jahre hing als Werbung ein großer Stempel über dem Eckeingang des Geschäftes. Schufts vergrößerten sich, zogen um. Inzwischen war es die Gaststätte U-Boot. Ein großes Segelschiff ist heute die Werbung am Schaufenster.