Peter Jurke blinzelt hinauf zum Funkmast. "Die Krähen, die sitzen da oben manchmal ein Weilchen." Gerade ist er mit seinem Sohn von der Strahlentherapie zurück. Der 40-jährige Daniel Jurke, Ortsfeuerwehrführer in Kiekebusch, muss nach der Entfernung des Tumors zu vielen Nachsorgeterminen. "Fast jede Familie in unserer Straße hat inzwischen einen Krebsfall", sagt Jurke, zeigt auf die Häuser und nennt die Krebsarten. Neun Menschen, so Nachbar Heino Herberg, seien betroffen, drei Nachbarn an Krebs verstorben.

Die Kahrener Straße ist eine idyllische Gegend: viel Grün und bis auf die Züge, die gelegentlich vorbeisausen, ruhig. Auf dem Gelände der Deutschen Bahn steht der 40 Meter hohe Sendemast. Wenige Wochen, bevor er 2010 aufgestellt wurde, hatten die Anwohner zufällig vom Vorhaben erfahren. "Sie mussten fürs Fundament die Straße sperren und uns das ankündigen", erinnert sich Peter Jurke. Er war damals Ortsbeiratsmitglied. "Die Stadtverwaltung hätte uns als Ortsteil wenigstens informieren müssen. Das hat sie vergessen", sagt er. Eine spontane Protestdemonstration führte zu einem Gespräch zwischen Bahn und Kiekebuschern in der Stadtverwaltung: "Wir waren drei, sie kamen zu siebt. Und wir wurden gefragt, ob wir den Fortschritt der Bahn gefährden wollten", erinnert sich Peter Jurke. Sie bekamen erklärt, dass mit dem Mast alle gesetzlichen Grenzwerte eingehalten würden. Alle Entscheidungsträger öffentlicher Belange, darunter die Stadt Cottbus, seien gehört worden. Ein Busch wurde versetzt und für die Störung des Landschaftsbildes ein Ausgleich von 8000 Euro gezahlt. Die Kiekebuscher verzichteten auf die Klage.

Heute fühlen sie sich betrogen. "Ist es ein Zufall, dass so viele Bewohner der Kahrener Straße Schilddrüsen- und Krebserkrankungen haben?", fragt Heino Herberg. Sie haben Studien gelesen, kennen das Für und Wider der Forscher - zur Wärmestrahlung, die menschliche Zellen beeinflussen kann; zur Ausbreitung vorhandener Tumore durch Mobilfunkfelder. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder nach einer Beobachtung von Langzeit-Handy-Nutzern als "möglicherweise krebserregend" eingestuft. Weitere Studien, auch zu Menschen mit Elektrosensibilität, laufen. In Frankreich ist das "Syndrom der Hypersensibilität gegenüber elektromagnetischer Strahlung" als Grund für eine Erwerbsunfähigkeitsrente anerkannt.

"Die vielen schlimmen Erkrankungen in unserer Straße sind für uns Beweis genug", sagt Peter Jurke. Sie wollen Strafanzeige erstatten - wegen Körperverletzung und haben einen Brief an Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) geschrieben. "Wir nehmen das sehr ernst", sagt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Der OB sei besorgt, Briefe an Bahn und Bundesnetzagentur seien in Arbeit. Nein, es gibt keinen Beweis dafür, dass der Mast schuld am Leid der Anwohner ist. Die Kiekebuscher fordern deshalb Untersuchungen. Auch beim Eisenbahn-Bundesamt in Berlin sind ihre Fragen eingegangen, aber die Beantwortung werde "einige Zeit in Anspruch nehmen".

In Kunersdorf will jetzt die Telekom einen Funkmast aufstellen. Auch dort wehren sich Bewohner des Kolkwitzer Ortsteils und lehnen einen dritten Standort-Vorschlag ab. Ortsvorsteherin Jana-Ines Borrack begründete es mit gesundheitlichen Bedenken. Verständnis hatten für die Bedenken in der jüngsten Gemeindevertretersitzung wenige.