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| 10:21 Uhr

Deutliche Präferenz der Fahrgäste
Neues Straßenbahnnetz für Cottbus

 So könnte das neue Straßenbahnnetz ab dem Sommer in Cottbus aussehen. Noch fehlt das grüne Licht vom Stadtparlament.
So könnte das neue Straßenbahnnetz ab dem Sommer in Cottbus aussehen. Noch fehlt das grüne Licht vom Stadtparlament. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel
Cottbus. Verkehrsplaner stellen Weichen für den öffentlichen Nahverkehr und präsentieren eine neue Linienführung. Die Pläne kommen in der Politik gut an. Von Peggy Kompalla

Mit dem Umbau des Bahnhofs sollten alle Straßenbahnlinien über den neuen Verkehrsknoten führen. Das schien in Cottbus Gesetz zu sein – auch wenn keiner mehr genau sagen kann, wo genau das festgeschrieben steht. Spielt auch keine Rolle. Denn in der Praxis erweist sich dieses Konzept als weniger tauglich. Das stellen die Verkehrsplaner klar. Sie favorisieren ein neues Straßenbahnnetz, bei dem die Linie 3 von Madlow direkt in die Innenstadt fährt und eben nicht über den Bahnhof. Bei der Vorstellung in Umwelt- und Wirtschaftsausschuss kommen die Argumente an. Die Politiker folgen den Plänen – ohne eine einzige Gegenstimme oder Enthaltung. Damit dürfte der Abstimmung im Stadtparlament in zwei Wochen nichts mehr im Weg stehen. Und Cottbusverkehr kann ab Sommer das neue Liniennetz in Betrieb nehmen.

Für die Verkehrsplaner um Dr. Ralf Günzel vom Berliner Planungsbüro ProZiv sprechen die Fakten für sich. Sie favorisieren eindeutig die Varian­te, bei der lediglich drei Straßenbahnlinien über den Bahnhof geführt werden – nämlich die Linie 1 (Bahnhof – Schmellwitz Anger), die Linie 2 (Jessener Straße – Sandow) und die Linie 4 (Sachsendorf – Neu Schmellwitz). „Die Linie 3 fährt in dieser Variante weiter wie bisher“, erläutert Ralf Günzel. „Wir haben extra noch einmal eine Fahrgastbefragung gemacht. Die kommt zu dem Ergebnis, dass nur ein sehr geringer Teil direkt zum Bahnhof will. Das sind unter fünf Prozent der Fahrgäste. Die Mehrzahl – nämlich 55 Prozent – will in die Innenstadt.“ Damit entspreche diese Linienführung den Wünschen der Fahrgäste eindeutig besser. Denn wenn die Linie 3 über den Bahnhof geführt wird, verlängert sich für die Madlower automatisch der Weg in die Innenstadt.

Aber nicht nur aus Sicht der Cottbuser bietet dieses Straßenbahnnetz (siehe Grafik) Vorteile, sondern auch aus technologischen und wirtschaftlichen Erwägungen. Denn für dieses Netz braucht Cottbusverkehr nur 16 Straßenbahnen plus Reserve. Das ist ein Fahrzeug weniger im Regulärbetrieb als in der Variante, in der alle Linien über den Bahnhof fahren. „Das ist ein wesentlicher Vorteil, immerhin kostet eine Bahn rund 2,25 Millionen Euro, und der Bestand in Cottbus ist über 30 Jahre alt“, erklärt der Verkehrsplaner. Wie wichtig diese Erwägung ist, zeige die Tatsache, dass derzeit nur 15 Straßenbahnen bei Cottbusverkehr einsatzbereit seien.

Für die fehlende Direktverbindung von Madlow zum Bahnhof auf der Schiene soll Cottbusverkehr zudem einen neuen Shuttle einrichten. Die Buslinie 9 würde vom Südeck direkt zum Bahnhof fahren – einmal in der Stunde, ausgerichtet auf die Abfahrten und Ankünfte des Zugverkehrs der Bahn. „Wie groß der Bedarf ist, wird sich zeigen“, sagt Ralf Günzel eher mit Skepsis. Die Verkehrsplaner stünden für die neue Buslinie bereits in Abstimmung mit dem im Südeck ansässigen Energiekonzern Leag und dem Behördenzentrum. „Bei einer größeren Nachfrage sind Anpassungen möglich.“

Durch das neue Straßenbahnnetz und die Umgestaltung des Bahnhofs zum Verkehrsknoten rechnen die Verkehrsplaner mit einem deutlichen Zuwachs bei den Fahrgästen – plus 13 Prozent für die Straßenbahn und plus acht Prozent für die Buslinien.