ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:44 Uhr

Wirtschaft
Neues Nachdenken über die Zukunft des Tip-Geländes

Das riesige Tip-Gelände zwischen Kolkwitz und Cottbus: Fast überall herrscht gähnende Leere.
Das riesige Tip-Gelände zwischen Kolkwitz und Cottbus: Fast überall herrscht gähnende Leere. FOTO: LR / Hilscher Andrea
Cottbus . Im Sommer wurde ein neuer Bebauungsplanentwurf für den Technologie- und Industriepark ausgelegt, im Oktober können die Kolkwitzer die leicht veränderten Unterlagen einsehen. Von Andrea Hilscher

Es ist ein dicker Stapel an Papieren, der sich in den letzten zehn Jahren bei Bernd Starick angesammelt hat. Seitdem kämpft der Mann aus Zahsow um ein etwa 68 Hektar großes Stück Wald, das auf der Kolkwitzer Gemarkung des Cottbuser Technologie- und Industrieparks Tip liegt. Jetzt scheint er zumindest einen kleinen Teilerfolg verbuchen zu können.

Schon vor Jahren war aus Sicht von Starick und seinen Mitstreiter von der Bürgerinitiative Zahsow-Gulben klar: Cottbus hat genügend ungenutzte Gewerbeflächen. Zusätzlich noch einen Wald für mögliche Ansiedlungen zu roden, sei daher vollkommen unsinnig. Trotzdem sind die Waldflächen bis heute als Industriefläche ausgewiesen – allerdings mit dem Versprechen, dass der Wald erst dann angetastet werden würde, wenn tatsächlich ein Investor dort bauen will.

Entsprechend groß der Ärger, als 2013 mit schwerem Gerät zahlreiche Bäume auf dem Gelände abgeholzt wurden. Die vermeintlichen „Pflegearbeiten“ rissen große Wunden in den Wald. Inzwischen haben sich zwar neue Sträucher und Büsche angesiedelt, die einstige Vielfalt ist allerdings zerstört. Die Angst bei Naturschützern sitzt tief, dass doch noch ein Investor kommt, für den der Wald weichen muss – quasi  vor der Haustür der Zahsower. Die Mitte ihres Ortsteils ist nur einen Kilometer vom Tip-Gelände entfernt. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Gesamtgebietes beträgt rund zwei Kilometer und die größte Ost-West-Ausdehnung rund 2,8 Kilometer. Bis zum Zentrum von Cottbus sind es rund zwei  Kilometer.

 Werner Richter, Leiter des Naturschutzbunds Nabu in Kolkwitz, ist besorgt. „Das Areal auf Kolkwitzer Gebiet sollte geschützt werden. Wir haben hier allein hundert  wertvolle Waldameisenvölker, die man nur schwer umsetzen könnte.“ Gemeinsam mit Bernd Starick fährt er immer wieder das Gelände ab, auf dem sich Waldflächen mit schier endlosen bewirtschafteten Wiesen, mit überwucherten Gebäuden und verkrauteten Straßenanlagen abwechseln. Traurige Reste eines großen Traums.

Das Tip-Gelände gilt seit seiner Eröffnung vor acht Jahren als eine der größten Gewerbeflächen Brandenburgs. Das Areal hat eine Gesamtfläche von 331 Hektar. Nach Information durch die Entwicklungsgesellschaft Cottbus EGC stehen derzeit rund 120 Hektar Fläche allein für eine industrielle Entwicklung zur Verfügung. In die Erschließung wurden schon vor Jahren Millionen Euro investiert.

Doch nach einem großen Bewerberansturm auf dem Tip sieht es in den vergangenen Jahren nicht aus. Der Kabelkonfektionierer PX Kabel GmbH hat zwar eine riesige Halle errichtet, aus den angekündigten Expansionen ist aber bisher nichts geworden. 2015/16 hat die Barth Logistik Gruppe auf einem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück ein Logistikzentrum errichtet. Neue Investoren machen sich seither rar.

Nun scheint es zumindest ein vorsichtiges Umdenken in Sachen Tip zu geben. Immer wieder hatten der Oberbürgermeister und die Baudezernentin bei der EGC ein Konzept zur Entwicklung bestehender Gewerbeflächen angemahnt, speziell für das Tip-Areal sollte geprüft werden, welche Art der Nutzung künftig überhaupt sinnvoll ist.

Im Entwurf eines geänderten B-Plans gibt es nun immerhin leichte Verschiebungen. In dem aktuellen Strukturplan sind die Ansiedlungsflächen für Industrie im Norden des Areals um mehrere Hektar reduziert, auch Wegeflächen wurden verkleinert. Zusätzliche Flächen für Ersatzpflanzungen sorgen dafür, dass der Wald sich nach einer Ansiedlung um 1,75 Hektar vergrößern könnte.

Der Entwurf zum B-Plan lag in den vergangenen Wochen in Cottbus aus, vom 8. Oktober bis zum 13. November können ihn die Kolkwitzer Bürger prüfen. Bernd Starick und seine Mitstreiter sind allerdings weiter auf der Suche nach einer Antwort auf ihre Frage, warum noch immer ein Großteil der Waldflächen für künftige Industrieansiedlungen vorgesehen sind. Ihrer Meinung nach reichen die übrigen Gewerbeflächen in Cottbus aus. Die allerdings, so die Verwaltung, lassen keine Industrieansiedlung zu, diese sei eben nur auf dem Tip-Gelände möglich. Antworten können ihnen möglicherweise die Cottbuser Stadtverordneten geben: Sie warten auf eine Beschlussvorlage zum geänderten B-Plan.