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| 01:27 Uhr

Neues Leben für Cottbuser Melde-Fabrik

Cottbus. Das Gelände der ehemaligen Korn-Brennerei Melde wird ein innerstädtisches Wohnquartier. Zwei Wohnhäuser und Stadtvillen sollen zunächst entstehen. Auch das alte Fabrik-Gebäude ist in die Planung einbezogen. Die Bauarbeiten sollen bereits in diesem Jahr beginnen. Von Peggy Kompalla

Noch sieht es ziemlich rumpelig aus auf dem Areal zwischen August-Bebel- und Karl-Liebknecht-Straße. Das alte Fabrik-Gebäude mit den vielen verschachtelten Nebengelassen und der auffälligen Brücke guckt leer in den Himmel, das Unkraut schießt im lockeren Sandboden in die Höhe.

Doch Gerd Mielke kommt schon jetzt ins Schwärmen. Der Geschäftsführer der Quattrohaus GmbH sagt: “Mitten im Herzen in der Stadt, direkt um die Ecke vom Staatstheater, entsteht ein modernes Wohnquartier für Jung und Alt.„ Sein Unternehmen entwickelt das Areal gemeinsam mit der Bautec Beteiligungsgesellschaft mbH Co. Vermiet- und Service KG. Drei Bauabschnitte sind demnach geplant. Für den ersten erhofft sich Mielke noch im Herbst den ersten Spatenstich. “Der Bauantrag ist eingereicht„, sagt er. Das Baufeld ist beräumt. Geht alles glatt, könnten bald die Grube für die Häuser ausgehoben und noch vor dem Winter die Bodenplatten gegossen werden. Entstehen soll ein Gebäude direkt an der August-Bebel-Straße. Ein zweites wird - quasi als Hinterhaus - parallel dahinter hochgezogen. Damit entsteht ein Hof. So erschließt sich auch der bisherige Arbeitstitel für das Quartier - Melde Höfe. “Das fünfgeschossige Vorderhaus wird dem Charakter der August-Bebel-Straße angepasst„, versichert Gerd Mielke. 20 Miet- und 19 Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Räumen werden demnach entstehen. “Im Erdgeschoss sind die Wohnungen in beiden Häusern barrierefrei vom Parkplatz bis zum Bad„, erklärt der Immobilienfachmann.

In einem weiteren Bauabschnitt sollen im nächsten Jahr zwei frei stehende Stadtvillen mit 21 Eigentumswohnungen gebaut werden. Dafür müssen zunächst die alten leer stehenden Industriebauten abgerissen werden. “Im Vorfeld haben wir intensiv eine mögliche Nachnutzung der Gebäude geprüft, aber auch nach der Sanierung wären sie nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen„, erklärt Mielke. Die beiden Stadtvillen sollen laut der Quattrohaus GmbH nach dem Vorbild der Häuser im Brunschwig- und im Spreepark errichtet werden.

2012 soll dann der letzte Bauabschnitt angegangen werden. Der sieht vor, das altehrwürdige Fabrik-Gebäude zu sanieren. “Dafür werden alle Anbauten abgerissen - darunter auch die Brücke„, erklärt Gerd Mielke. In dem Fabrikgebäude soll auch künftig gearbeitet werden. So werden dort vornehmlich Geschäftsräume entstehen - bis auf die obere Etage. Dort sollen Lofts gebaut werden. Wie gut solche alten Bauten für die moderne Zeit hergerichtet werden können, machen die benachbarte Elektro-Firma Behrendt und das Lokal “Mangold„ vor.

Mit der Entwicklung des Quartiers soll auch eine neue Nord-Süd-Achse für Fußgänger, Radfahrer und Anlieger angelegt werden, die das Areal durchkreuzt. Sie hat sogar schon einen Namen - Gustav-Melde-Weg. “Der Weg wird die fortführende grüne Achse zwischen Innenstadt und Universität„, erklärt der Unternehmer.

Zum Thema:
Im Jahr 1748 kauft der Tuchmacher Mattheus Melde ein erstes Grundstück “zum Zwecke des Brauens und Brennens„ in Cottbus. In den nächsten 127 Jahren wird das Familienunternehmen zur größten Branntweinbrennerei der Region. Mit dem Verkauf im Jahr 1875 wird die Produktpalette um Korn, Likör und Hefe erweitert. 1907 wird die Wortmarke Melde geschützt. Bis 1914 ist G.Melde Cottbus eines der größten Privatunternehmen in Deutschland. Weinhandel, Fruchtsaftpresse und Obstweinkelterei ergänzen bis zum Zweiten Weltkrieg die Geschäftsbereiche. Nach der Enteignung wird die Firma in der DDR unter dem Namen “Konsum Kornbrand- und Likörfabrik Melde„ weitergeführt. In Spitzenzeiten arbeiten hier 800 Menschen. 1992 wird die Fabrik verkauft, 1996 der Standort in Cottbus geschlossen.