Von Liesa Hellmann

Noch braucht es einiges an Vorstellungskraft, um zu erahnen, wie die Schönheit in der Friedrich-Ebert-Straße einmal aussehen soll. Kabel hängen von der Decke, die Fließen sind staubig,  die Wände kahl. Eigentlich sollte in den Erdgeschossräumen bereits Ende Mai das Restaurant Belessa (abgewandeltes Portugiesisch: die Schönheit) eröffnen, mit der angrenzenden Zigarrenlounge Los Locos (Die Verrückten) und der gegenüberliegenden Cocktailbar El Chico (Der Kleine). Die Eröffnungstermine haben die drei Gründer Jeff Felix da Silva, Steven Märker und Leon Dambowy vorsichtig auf Mitte Juli verschoben, „sollte nichts dazwischen kommen“, wie Leon Dambowy sagt.

Denn die eine oder andere unvorhergesehene Hürde hat sich bereits aufgetan. Zwar arbeiten die drei Gründer seit gut zwei Jahren an dem Konzept und seiner Umsetzung, doch manche Hindernisse traten erst im Laufe der Renovierung der angemieteten Räumlichkeiten zutage. „Es hat sich herausgestellt, dass nicht genug Strom im Innenhof anlag“, erzählt Jeff da Silva. „Hätten wir gleichzeitig Küche und Kaffeemaschine angemacht, hätte der ganze Hof keinen Strom mehr gehabt.“ Daraufhin haben die drei auf Gas umgestellt – neue Geräte mussten angeschafft und eine Leitung neu gelegt werden.

Der richtige Zeitpunkt

Da Silva, Märker und Dambowy blicken den Eröffnungen trotz einiger Hindernisse optimistisch entgegen. Aus Sicht von Jeff Felix da Silva ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt zum Gründen: „Man darf nicht auf den Strukturwandel warten. Die Cottbuser können jetzt zeigen, dass sie mehr draufhaben, als Kohle baggern.“

Wenn alles fertig ist, soll gar nicht auf den ersten Blick zu sehen sein, dass die drei Lokale zusammengehören. „Sie werden ihre eigenen Charakter haben und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen“, so da Silva. Alle drei eint – grob gesagt – das Thema Südamerika, stilistisch unterscheiden sie sich: Die Cocktailbar El Chico ist in der Prohibitionszeit der 1920er Jahre angesiedelt. Los Locos, die Zigarrenlounge soll im Stil der 1950er Jahre eingerichtet sein und einen gewissen „Schmugglercharme“, wie da Silva es ausdrückt, versprühen. Etwa 25 Zigarrensorten mit abgestimmten Spirituosen sollen dort angeboten werden, erklärt Steven Märker. Das Restaurant Belessa soll im Stil der Moderne eingerichtet sein. „Wir wollen uns nicht in eine Schublade stecken lassen und verkaufen uns nicht als rein südamerikanische Küche“, so da Silva. Auf der Speisekarte sollen regionale Produkte stehen, die mit Gewürzen aus Südamerika kombiniert werden sollen.

Moderne Alternative zum Altmarkt

Ziel sei es, eine „moderne Alternative zum Altmarkt“ zu schaffen, sagt Steven Märker. Er hat die Idee dazu aus Australien mitgebracht. Vielfalt ist das Schlüsselwort des Konzepts. Die soll nicht nur durch die drei Bars der Gründer entstehen, sondern im Zusammenspiel mit dem ebenfalls im Hof ansässigen Café Sweet Candy und dem asiatischen Restaurant Kisu sowie der an den Hof angrenzenden Bar Comicaze. „Wir wollen mehr Miteinander und weniger Gegeneinander“, so Jeff da Silva. Da Silva, Märker und Dambowy wollen den Ebert-Hof als Marke etablieren – und irgendwann die ganze Friedrich-Ebert-Straße.

Interessantes Konzept

Dass sich die Lokale im Hof gegenseitig die Kunden streitig machen, befürchtet da Silva nicht: „Wir haben schon gewonnen, wenn die Leute in die Friedrich-Ebert-Straße kommen.“ Van Tu Tran, Leiterin des Restaurants Kisu, das vor zwei Jahren im Ebert-Hof eröffnet hat, sieht das ähnlich. „Je mehr Angebote es in der Ebert-Straße gibt, desto besser. Das zieht mehr Leute in den Hof“, sagt sie. Auch Bernd Baganz, Geschäftsführer der Kneipe Comicaze, blickt den Neueröffnungen gelassen entgegen, „Ich finde die Konzepte interessant und werde sie mir auch anschauen. Ob sie funktionieren, wird sich zeigen“, sagt er. Als Konkurrenz sieht er Restaurant, Bar und Zigarrenlounge nicht: „Wir haben einen anderen Aufhänger.“ Jeden Freitag gib es im Comicaze Live-Musik, seit 21 Jahren trägt sich die Kneipe an der Dreifertstraße.

„Es braucht circa vier bis fünf Jahre, um sich in dem Hof zu etablieren“, sagt Candy Hansch. Seit fast sechs Jahren ist sie mit ihrem Café Sweet Candy im Ebert-Hof ansässig. Um erfolgreich zu sein, benötige es Kreativität: „Wir brauchen nicht immer den gleichen Salat in Cottbus.“