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| 15:23 Uhr

Problematisches Gewerbe
Problematisches Gewerbe: Neuer Sicherheitsdienst für das Stadtfest

Sicherheitsdienste sollen durch ein neues Bewacherregister besser kontrolliert werden.
Sicherheitsdienste sollen durch ein neues Bewacherregister besser kontrolliert werden. FOTO: fotolia / flashpics
Cottbus. Nach einer Daten-Panne im vergangenen Jahr kontrollieren die Behörden jetzt peinlich genau, wer für den Schutz der Cottbuser Großveranstaltung verantwortlich ist. Von Andrea Hilscher

Im Vorfeld des Stadtfestes mit mehreren Zehntausend Besuchern war es im vergangenen Jahr zu einer peinlichen Panne gekommen: Ein privater Sicherheitsdienst hatte den Auftrag bekommen, auf dem Fest für Ordnung zu sorgen – ausgerechnet der Security-Dienst, dessen Inhaber den Hells Angels nahe steht. Zum Zeitpunkt des Stadtfestes wurde gegen den Mann polizeilich ermittelt. Erst kurz vor Beginn des Festes erfuhr die Stadt von den Ermittlungen, übertrug die Leitung des Einsatzes einer anderen Person. Das Fest verlief reibungslos und ohne Zwischenfälle.

In diesem Jahr hat die Veranstaltungsagentur den Sicherheitsauftrag für das Fest vom 15. bis 17. Juni in Absprache mit der Stadt an ein anderes Unternehmen vergeben. René Land, zuständiger Servicebereichsleiter im Ordnungsamt, sagt: „Es werden rund 30 Sicherheitskräfte im Einsatz sein, das  Personal ist überprüft. Auch der Einsatzleiter soll „sauber“ sein – also Inhaber eines Sachkundenachweises, einer Zuverlässigkeitsüberprüfung und ohne einschlägige Vorstrafen in den letzten Jahren.“

In Cottbus sollte es kaum Schwierigkeiten bereiten, einen derartigen „sauberen“ Sicherheitsdienst zu finden. Schließlich gibt es in der Stadt 52 entsprechende Unternehmen mit rund 2000 angemeldeten Beschäftigten.  Die hohe Zahl ergibt sich nach Angaben von René Land zum einen aus dem permanenten Bedarf an Sicherheitskräften. „Schließlich müssen bei jedem Spiel von Energie Cottbus Ordner eingesetzt werden.“ Zum anderen sei in der Branche bekannt, dass die Cottbuser Verwaltung schnell arbeite, entsprechend rasch auch Zuverlässigkeitsbescheinigungen für neue Ordner ausstellt. „Und bisher“, so René Land, „werden diese Bescheinigungen am Sitz des Unternehmens ausgestellt, unabhängig vom Wohnort der Beschäftigten.“ Viele der 2000 bekannten Sicherheitsleute kämen zum Beispiel  aus Bayern oder Baden-Württemberg, müssten aber in Cottbus „verwaltet“ werden.

Ab dem 1. Januar 2019 sind die Gewerbebehörden der Wohnorte für derartige Überprüfungen zuständig, zudem soll ein neu geschaffenes „Nationales Bewacherregister“ erstmals  einen nachprüfbaren Überblick über die Situation des Gewerbes bieten.

Jeder Beschäftigte eines Security-Dienstes muss dort gelistet sein. Name, Wohnort, Ausweisnummer, Nachweise über erfolgte Zuverlässigkeitsprüfungen, Details zu Identifizierung und Erreichbarkeit des Gewerbebetriebes sollen Transparenz schaffen und die Verwendung von Scheinidentitäten oder gefälschten Qualifizierungsnachweisen erschweren. Auch die Polizei soll zeitnah Einsicht in das Register nehmen können

René Land, Mitglied des Expertengremiums „Nationales Bewacherregister beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie“: „Das neue Register hilft bei der Entbürokratisierung und verbessert unsere Kontrollmöglichkeiten.

Dass das Sicherheitsgewerbe in Cottbus und anderswo eine scheinbar magische Anziehungskraft auf Rocker, Kleinkriminelle und rechte Gewalttäter hat, wird sich dennoch kaum ändern. Die alte Milieu-Weisheit „Wer an der Tür steht, hat die Macht“ behält wohl auch künftig ihre Gültigkeit.