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| 18:00 Uhr

Flüchtlinge
„Wir brauchen Geduld“

Der Cottbuser Integrationsbeauftragte Henry Crescini.
Der Cottbuser Integrationsbeauftragte Henry Crescini. FOTO: Hilscher Andrea / LR
Cottbus. Als neuer Integrationsbeauftragter der Stadt kümmert sich Henry Crescini um die Belange der Ausländer in Cottbus. Von Andrea Hilscher

Eigentlich hat ein Integrationsbeauftragter einen tollen Job: Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, den Dialog der Kulturen befördern, eine Stadt lebenswert gestalten für Einheimische und Neuankömmlinge. Henry Crescini (41) ist seit dem 1. Januar neuer Integrationsbeauftragter der Stadt Cottbus. Er nahm seine Arbeit genau in jenen Tagen auf, in denen Flüchtlinge und Cottbuser aneinander gerieten. Die Stadt wurde deutschlandweit zum Gesprächsthema.

Crescini, selbst in Caracas aufgewachsen, lebt seit 2008 in der Lausitz. Die letzten Jahre hatte er im Büro des Oberbürgermeisters Holger Kelch gearbeitet – und so war er nicht völlig überrascht von den Tücken seiner neuen Aufgabe. „Wir hatten die Landesregierung ja bereits im letzten Jahr mehrfach darauf hingewiesen, dass die Lage schwierig wird und es an Schul- und Kita-Plätzen fehlt.“ Eigentlich sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis diese Probleme hochkochen.  „Aber jetzt hat das Land reagiert und die Situation hat sich spürbar entspannt.“ Die deutlich sichtbare Präsenz der Fußstreifen von Polizei und Ordnungsamt habe das Sicherheitsgefühl der Cottbuser gestärkt  – ein guter Anfang. „Die Streifen kontrollieren sowohl Deutsche als auch Ausländer“, sagt Crescini, der gerade von einer Tagung aus Frankfurt/Main zurückgekehrt ist – einer Stadt mit einem Ausländeranteil von über 50 Prozent.

In Cottbus leben derzeit rund 8000 Ausländer, 3500 davon sind Geflüchtete. Die Zahl ist seit einigen Monaten stabil, die ungeklärte Frage des Familiennachzugs beschäftigt die Behörden. Henry Crescini: „Noch wissen wir nicht, was das konkret für uns bedeutet.“ Klar ist aber schon jetzt, dass es dauern wird, bis sich auch die Situation in Schulen und Kitas entspannt. Neue Sozialarbeiterstellen sind ausgeschrieben, doch selbst, wenn sie zügig besetzt werden, braucht es Zeit, um das Vertrauen von Kindern, Jugendlichen sowie Eltern zu gewinnen.

Crescini hofft, dass es nach jahrelangen Versuchen endlich gelingen wird, einen Migrationsbeirat in der Stadt zu installieren. „Menschen mit Migrationshintergrund sollen sich mehr als bisher einbringen“, so Crescini. Auch Organisationen wie den Deutsch-Polnischen Verein oder die Jüdische Gemeinde will er ermuntern, stärker in der Stadt präsent zu sein. „Es ist schade, dass zum Beispiel viele Studenten nur in ihrem eigenen Kosmos rund um die Uni leben“, sagt Crescini. Er will versuchen, die Kontakte zwischen Migranten und Cottbusern zu intensivieren. „Die Sprech-Cafés sind dafür eine tolle Möglichkeit.“

Er selbst macht schon seit Jahren gute Erfahrungen in Cottbus. „Ich werde meist als Einheimischer wahrgenommen. Die Menschen sprechen mich auf Deutsch an, fragen mich nach dem Weg und zeigen mir gegenüber keine Vorurteile.“