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| 05:27 Uhr

Bauvorhaben
Neuer Glanz für altes Kurhaus in Burg

So wie auf diesem Aquarell sah das Burger Kurhaus in den 1930er-Jahren aus. Im Frühjahr 1945 zog die sowjetische Militärkommandantur hier ein. Mittlerweile ist es abgerissen.
So wie auf diesem Aquarell sah das Burger Kurhaus in den 1930er-Jahren aus. Im Frühjahr 1945 zog die sowjetische Militärkommandantur hier ein. Mittlerweile ist es abgerissen. FOTO: Peter Becker
Burg. Schweizer Investor plant Hotel für sieben bis zehn Millionen Euro im Spreewald und ist auch in Cottbus aktiv. Von Silke Halpick

Ausgerechnet Schweizer wollen jetzt das ehemalige Kurhaus in Burg wieder aufbauen. Zwischen sieben und zehn Millionen Euro sollen in ein Hotel an diesem Standort investiert werden. Die Investorengruppe ist auch in Cottbus aktiv, unter anderem am ehemaligen Haus der Armee sowie der Merkur-Brauerei.

„Ich habe mich sofort in Burg verliebt“, sagt René Bloem. Der gebürtige Holländer lebt jetzt in der Schweiz und ist Geschäftsführer der Immo-Pool Spreewald GmbH, einem Tochterunternehmen der Oel Pool AG mit Sitz in Suhr (Kanton Aargau). Auch dem Burger Kurhaus will er nun wieder zu neuem Glanz verhelfen. Das Haus mit wechselvoller Geschichte steht nicht mehr, es wurde bereits vom Investor abgerissen. Weil die Bausubstanz zu schlecht für eine Sanierung war, wie Bloem erklärt.

Nach den Plänen des Investors soll nun ein „nicht zu großes Hotel“ mit 45 Zimmern sowie 24 Ferienwohnungen am historischen Standort entstehen. „Wir bauen das Kurhaus wieder auf, so wie es war“, verspricht Bloem. Sehr viel Mühe wolle man sich auch mit den Details geben, sagt er. Ergänzt werden soll das Hotel durch ein Restaurant, das Bloem kurzerhand „Broilerscheune“ nennt. Das Lokal mit gehobener Gastronomie werde ganz spreewald-typisch mit alten Holzbohlen aufgebaut. Zudem sollen Personalwohnungen im hinteren Teil des Areals entstehen.

Im Bauausschuss der Gemeinde Burg hat René Bloem vor Kurzem erstmals seine Pläne vorgestellt. Dass sich nach dem langen Leerstand endlich ein Investor für das Kurhaus findet, wird grundsätzlich begrüßt. Allerdings werde man dem Bau eines fünfgeschossigen Hotels nicht zustimmen, heißt es sofort. Beachtet werden muss auch die Gestaltungssatzung, die für die Streusiedlung Burg gilt und die strenge Vorschriften beispielsweise zur Giebelhöhe, Gebäudelänge oder Fassadengestaltung enthält. Mit dieser strikten Regelung will Burg sein historisch gewachsenes Ortstbild erhalten. Regelmäßig werden geplante Projekte und Umbauten selbst von Burger Bürgern abgelehnt, weil sie nicht satzungskonform sind.

„Viele Gemeinden machen den Fehler, nicht darauf zu achten, dass Stil und Gesamtaussehen zum Ort passen“, sagt Bloem. Er könne die Burger verstehen. Das geplante Hotel soll definitiv nicht höher als das ehemalige Kurhaus werden, verspricht er auf der Sitzung des Bauausschusses. Bisher läuft ein  Vorbescheidverfahren für das Projekt, das nachgebessert werden soll. Die Baugenehmigung muss der Landkreis Spree-Neiße erteilen – im Einvernehmen mit der Gemeinde.

Ihr Einverständnis verweigert hatten die Burger schon einmal. 2012 wollte ein Investor das Kurhaus zu einem Vier-Sterne-Hotel-Ressort mit insgesamt 150 Betten direkt an der Spree umbauen. Auch die Pläne für eine Seniorenresidenz fanden keinen Anklang.

Bloem ist dennoch optimistisch. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Konzept funktionieren wird“, sagt er. Mit Baubeginn rechnet er frühestens im Sommer 2019, mit Fertigstellung Anfang 2020. Gebaut werden soll mit regionalen Unternehmen, wie er betont.

Auch in Cottbus ist die Immo-Pool Spreewald GmbH längst keine Unbekannte. Dem Unternehmen gehören mehrere Immobilien. Das bekannteste davon ist das ehemalige Haus der Armee am Universitätsplatz. Hier sollen 24 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte entstehen. Ursprünglich sollte die Betreuungseinrichtung schon im Januar 2018 ihren Betrieb aufnehmen. Lange Baugenehmigungsverfahren für das unter Denkmalschutz stehende Haus haben für Verzögerungen von mehr als zwei Jahren gesorgt, wie Bloem einräumt. „Mittlerweile ist das Dach fast fertig gedeckt“, sagt er. Mit Abschluss der Arbeiten rechnet er im März 2020.

Das Dach des ehemaligen Hauses der Armee ist fast gedeckt.
Das Dach des ehemaligen Hauses der Armee ist fast gedeckt. FOTO: LR / Silke Halpick

Fledermäuse haben auch den Abrissarbeiten an der alten Stadtbrauerei in der Cottbuser Bürgerstraße vorerst ein Ende gesetzt. 34 altersgerechte Wohnungen sollen hier für vier Millionen Euro entstehen. Nun werden zunächst Kästen in die Fassade integriert, in denen die geschützten Tiere überwintern können. Später ist deren Umsiedlung geplant. Die Gespräche mit dem BUND bezeichnet Bloem als „lösungsorientiert“. Das Verfahren gegen die Immo-Pool Spreewald GmbH als Bauherr sei eingestellt worden, berichtet er.

Der Abriss der Brauerei verzögert sich.
Der Abriss der Brauerei verzögert sich. FOTO: LR / Silke Halpick

Der Mutterkonzern Oel Pool in der Schweiz ist ein Ölhändler, der Tankstellen betreibt und Heizöl verkauft. Aber auch Sägewerke oder Möbelfabriken gehören zum Portfolio der Aktiengesellschaft, wie Bloem berichtet. Seit einigen Jahren werde auch in Immobilien in Ostdeutschland, vorwiegend Sachsen, sowie Tschechien investiert.