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Stadtpolitik
Neuer Anlauf für Cottbuser Sportplan

Cottbus ist Brandenburgs Sportstadt. Umso wichtiger wird das Entwicklungskonzept, das nun in den Haushalt eingestellt wurde, aber 50 000 Euro kosten würde.
Cottbus ist Brandenburgs Sportstadt. Umso wichtiger wird das Entwicklungskonzept, das nun in den Haushalt eingestellt wurde, aber 50 000 Euro kosten würde. FOTO: Georg Zielonkowski
Cottbus. Das Entwicklungskonzept würde 50 000 Euro kosten. Die Stadt zeigt wenig Interesse an der zusätzlichen freiwilligen Leistung. Von Peggy Kompalla

Cottbus ist in seinem Selbstverständnis eine Sportstadt. Nicht nur im Vereins- und Breitensport sind die Cottbuser deutlich aktiver als der Durchschnittsbrandenburger, auch im Leistungssport punktet die Stadt immer wieder. Das lässt sich Cottbus auch etwas kosten. Doch ein Sportentwicklungsplan gehört bislang nicht dazu, obwohl die Sportfamilie seit mehreren Jahren dafür kämpft. Nun bemüht sich Wolfgang Bialas (CDU) um einen neuen Anlauf.  „Jetzt liegt ein Angebot vor: Für das Konzept wären 50 000 Euro nötig. Für Schulen und die Kitas und die Stadtentwicklung gibt es Entwicklungspläne. Da fehlt immer die Betrachtung für den Sport.“

Sozialdezernentin Maren Diekmann (parteilos) stellt auf Nachfrage klar: „Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung. Deshalb ist sie im Haushalt nicht eingeplant.“ Das dürfte ganz im Sinne des Finanzbeigeordneten Markus Niggemann (CDU) sein. Er hat einen harten Konsolidierungskurs eingeschlagen und wird nicht müde zu betonen, dass sich die Stadt Extrawünsche nicht leisten kann. Dezernentin Diekmann ergänzt: „Zum Sportentwicklungsplan liegt der Verwaltung kein Auftrag vor.“

Der müsste von der Politik kommen. Deshalb appellierte Wolfgang Bialas in dieser Woche an die Abgeordneten von Finanz- und Hauptausschuss, sich für den Sportplan stark zu machen. Bislang ist jedoch keine Fraktion vorgetreten, einen entsprechenden Antrag zu formulieren. Es ist fraglich, ob er mehrheitsfähig wäre.

Zumindest von den Grünen gibt es positive Signale. Hans-Joachim Weißflog erklärt am Dienstag im Finanzausschuss: „Langfristig gesehen halte ich das für ein sehr sinnvolles Instrument, würde es uns doch eine Vergleichbarkeit über alle Sportstätten bieten. Damit können Erhalt und Investitionen besser gesteuert werden und auch Fördergelder, die sich künftig weiter ausdünnen werden, besser eingesetzt werden.“

Damit spricht der Grünen-Fraktionschef Tobias Schick aus dem Herzen. Der Geschäftsführer des Stadtsportbundes baggert seit Jahren für ein solches Papier. Er verspricht sich damit eine ehrliche und realistische Betrachtung der Bedingungen. Das bezieht eben auch Stadtentwicklung ein, denn die Wohnquartiere entwickeln sich unterschiedlich. Bestes Beispiel sei der VfB Cottbus 97, sagt Schick. „Der Verein hat einen starken Zulauf und viele Nachwuchsmannschaften, aber nur einen Hartplatz“, erklärt er. „Sie bräuchten dringend einen Rasenplatz. Das ist keine Jammerei.“ Eine Investition sei dort nötig. „Ein Sportentwicklungsplan würde uns zeigen, in welchen Ortsteilen mehr gemacht werden muss, aber auch wo weniger“, sagt der Stadtsportbundchef. Ein Sportentwicklungsplan würde der Stadt Handlungsempfehlungen geben. Darüber hinaus könnte ein solches Papier einem weiteren Problem entgegenwirken. „Damit ließen sich auch die Verteilungskämpfe unter den Sportarten lösen“, sagt Tobias Schick. Leider entstehe oft genug der Eindruck, dass der Leistungssport in Cottbus vorgeht.

Das zeigt sich auch am Dienstag im Finanzausschuss. So stellt die Stadt für die Errichtung eines Parakanu-Zentrums am Bootshaus des ESV Lok RAW 40 000 Euro im Haushalt für das Jahr 2018 zur Verfügung. Das ist der nötige Eigenanteil für das Fördergeld, das Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am kommenden Freitag nach Cottbus bringt. Darüber freut sich Wolfgang Bialas. Er sagt aber auch: „Da sollten doch einmalig 50 000 Euro für den Sportentwicklungsplan drin sein, wovon die Stadt in den nächsten Jahren profitieren wird.“ Ob der Appell ankommt, wird sich schon in der nächsten Woche zeigen. Am Mittwoch steht der Haushalt für 2018 auf der Tagesordnung des Stadtparlaments. Noch liegt kein Antrag für diesen Extrawunsch vor.