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Reparatur des historischen Gemäuers beginnt
Neue Ziegel für die Stadtmauer

Die historische Stadtmauer hat einen Wasserbauch. Seit anderthalb Jahren verhindert nur ein Stützgerüst am Stadttor, dass das Jahrhunderte alte Gemäuer einstürzt.
Die historische Stadtmauer hat einen Wasserbauch. Seit anderthalb Jahren verhindert nur ein Stützgerüst am Stadttor, dass das Jahrhunderte alte Gemäuer einstürzt. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Reparatur des historischen Gemäuers beginnt im Oktober. Allerdings können sich die Arbeiten bis ins nächste Jahr ziehen. Peggy Kompalla

Die Cottbuser Stadtmauer soll endlich ihr Korsett verlieren: Das Stützgerüst verhindert seit dem April 2016, dass das historische Bauwerk am Stadttor auseinanderbricht. Im Oktober soll nun endlich die Reparatur beginnen, verspricht Stadtsprecher Jan Gloßmann. Die Bauvorbereitung sei in vollem Gang. Für die Arbeit wird ein mittlerer fünfstelliger Betrag fällig. Doch ob die Sanierung tatsächlich bis Ende des Jahres abgeschlossen werden kann, ist offen - aus zwei Gründen.

Denn das tatsächliche Ausmaß des Schadens wird sich erst zeigen, wenn die äußere Schale der Mauer im Zuge der Reparatur abgenommen wird. "Bislang ist die Mauer vom Gutachter nur endoskopiert worden", erklärt Gloßmann. Das ist ein ähnliches Verfahren wie in der Medizin, wobei mit einer kleinen Kamera in Hohlräume vorgedrungen wird. Dies geschah im Zuge des Beweisgutachtens, das eigentlich belegen sollte, was zu den Schäden geführt hat. Klar ist aber nur, dass eindringendes Wasser dem Mauerwerk zusetzt. Die wichtigste Frage konnte allerdings nicht abschließend beantwortet werden: Wie gelangte es dorthin? Die Experten vom Fachbereich Immobilien vermuteten, dass es vom Nachbar-Gebäude über die Terrasse ins Mauerwerk vordrang. Doch eine eindeutige Schuld konnte der Gutachter nicht nachweisen. "Aufgrund des Alters sind in der Mauer auch gewisse Vorschäden vorhanden", ergänzt Gloßmann.

Aus diesem Grund verzichtete die Stadt auf ein weiteres Gutachten. "Beim weiterführenden Verfahren ist nicht auszuschließen, dass erneut keine eindeutige Zuordnung möglich ist", sagt Gloßmann. Sicher sei dagegen, dass sich der Prozess lang hinziehen würde. Was den Streit mit dem Nachbarn angeht, erklärt Jan Gloßmann: "Wir werden dafür Sorge tragen, dass der fachgerechte Anschluss zur Terrasse des Stadttors von uns mit erledigt wird."

Eine weitere Schwierigkeit ist das Baumaterial. Denn die historischen Ziegel müssen extra hergestellt werden. "Die beauftragte Ziegelei muss dafür ihre Produktion umstellen", berichtet der Stadtsprecher. "Die Herstellung kann mehrere Wochen dauern." Ein genauer Zeitplan sei aus diesem Grund derzeit nicht vorherzusagen. "Es kann also durchaus die Entscheidung fallen, dass die Baustelle wetterfest gemacht und abgedichtet werden muss und erst im nächsten Jahr weitergearbeitet wird." Dies hänge von der Lieferung der Ziegel und dem Wetter ab.

Zum Thema:
Die Stadtmauer wurde im 14. Jahrhundert angelegt und ist bis zu sechs Meter hoch. Zuvor hatten Holzpalisaden die Stadt geschützt. Münzturm und Spremberger Turm begrenzen noch heute den 1200 Meter langen Teil der alten Wehranlage. Das Bauwerk verlor ab dem 17. Jahrhundert seine militärische Schutzfunktion und diente danach als Zollgrenze. Noch im 18. Jahrhundert war Cottbus komplett von der Mauer umgeben. Das zeigt ein Stadtplan aus dem Jahr 1720. Sechs Jahre später wurde die Neustadt planmäßig außerhalb der Befestigung angelegt. 1733 wurde eigens das Neustädter Tor als Zugang zu den neuen Häusern in die Mauer gebrochen.