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| 17:33 Uhr

Neue Wege finden
Miteinander statt übereinander reden

Eine Gruppe von Cottbusern will eine ganz eigene Form der Bürgerdialoge ins Leben rufen. Von Andrea Hilscher

Die Bürgerdialoge zwischen Stadtspitze und Einwohnern sind vorüber, der Bedarf nach Gesprächen ist trotzdem nicht gesättigt. Seit April treffen sich einige engagierte Cottbuser regelmäßig, um eine neue Form des Dialogs zu entwickeln. Juliane Meyer, Mitglied im Bündnis „Cottbus nazifrei“: „Die Ereignisse im Januar und Februar haben den Ton in der Stadt rauer werden lassen. Man redet übereinander statt miteinander, sucht die Schuld immer bei anderen Gruppen.“

Damit aus dem „Übereinander“ wieder ein „Miteinander“ wird, hat auch Erik vom „Verein für ein multikulturelles Europa“ an dem Konzept für ein neues Gesprächsangebot gearbeitet. „Wir wollen mobil sein, regelmäßig im öffentlichen Raum präsent sein.“ Die Grundidee ist denkbar einfach: Auf einem Sofa treffen sich Menschen, die Lust auf ein bestimmtes Thema haben. Damit das Ganze nicht aus dem Ruder läuft, stellt die Vorbereitungsgruppe, die auch für Sofa und Technik sorgt, einen Moderator.

„Wir wollen uns an die Menschen vor Ort wenden, die direkt von einem bestimmten Problem betroffen sind“, sagt Juliane Meyer. Wenn das Sofa in einem Fußgängerbereich in Sandow steht, könnte über nächtliche Ruhestörungen geredet werden. Die Zukunft des Strombades könnte ebenso diskutiert werden wie der Bedarf nach einem zweiten Einkaufszentrum in der Innenstadt.

„Momentan wird immer zuallererst über das Flüchtlingsthema debattiert. Aber bei Nachfragen merkt man sehr schnell, dass sich viele Menschen eigentlich über ganz andere Themen ärgern“, so die Organisatoren.

Im Foyer der Kammerbühne hat  die Dialog-Gruppe jetzt erstmals öffentlich ihre Ideen vorgestellt und nach weiteren Mitstreitern gesucht. So braucht es einen Verein, der Fördermittel für das Projekt beantragen kann. Der Cottbuser Aufbruch ist dafür angefragt, prüft das Projekt auf Herz und Nieren. Jörn Meyer (Jugendhilfe) hat ebenfalls seine Unterstützung zugesagt, würde das Gesprächs-Sofa auch ins Familienhaus in den Puschkinpark einladen. „Obwohl ich skeptisch bin. Die Menschen wollen ja nicht nur reden, die wollen auch Lösungen, die wir nicht bieten können.“

Juliane Meyer hält dagegen. „Wir müssen doch erstmal richtig diskutieren lernen. Ein Problem definieren, von allen Seiten betrachten und andere Meinungen einfach mal aushalten.“ Nach konkreten Lösungen zu suchen, sei erst in einem zweiten Schritt möglich und nötig. Ulrike Kremeier vom Kunstmuseum Dieselkraftwerk ist neugierig, wie sich das Projekt entwickelt, auch Vertreter von „Pro Tram“ wollen ihre Themen einbringen.

Wer Lust hat, sich an den Vorbereitungen zu beteiligen, kann sich per Mail anmelden:
dialog.cottbus@posteo.de