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| 16:47 Uhr

Neue Straßenbahnlinie bis zum Klinikum

Die Linie 3 verkehrt seit Sonntag wieder regulär im 15-Minuten-Takt zwischen Cottbus-Ströbitz und Madlow.
Die Linie 3 verkehrt seit Sonntag wieder regulär im 15-Minuten-Takt zwischen Cottbus-Ströbitz und Madlow. FOTO: Nicole Nocon
Update | Cottbus. Die Cottbuser Initiative ProTram spricht sich für eine zusätzliche Straßenbahnlinie ans Carl-Thiem-Klinikum (CTK) aus. Doch im Gegensatz zu den bereits untersuchten Streckenvarianten bringt ProTram jetzt eine neue Linienführung ins Spiel. So soll das Krankenhaus künftig über die Leipziger Straße angebunden werden. Der erwartete Effekt: deutlich mehr Fahrgäste. Sven Hering

Die in der RUNDSCHAU vorgestellten Pläne des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, den Haupteingang in die Leipziger Straße zu verlegen sowie zusätzliche Parkplätze und ein Parkhaus zu bauen, haben die Cottbuser Initiative ProTram auf den Plan gerufen. "Diese Information war Anlass für uns, über die bereits vorhandene Machbarkeitsstudie für die Netzerweiterung erneut nachzudenken", sagt Dieter Schuster von den Straßenbahnfreunden.

Ein externes Gutachten aus dem Jahr 2010 bestätigt, dass eine eingleisige CTK-Schleife durch die Spremberger Vorstadt ein deutliches Plus an Fahrgästen für den kommunalen Verkehrsbetrieb bedeuten würde. Laut ProTram weist das Gutachten für die CTK-Schleife einen Nutzen-Kosten-Faktor von 2,82 aus. Das bedeutet: Der volkswirtschaftliche Nutzen ist 2,82-mal höher als die Kosten. Die CTK-Schleife würde dem Gutachten zufolge im Jahr Einnahmen von rund 440 000 Euro für Cottbusverkehr bringen.

Bislang kristallisierte sich dabei eine Streckenvariante als besonders wirtschaftlich heraus. Demnach würde die Bahn über die Vetschauer Straße, Welzower Straße, Leipziger Straße zurück zur Vetschauer Straße fahren (siehe Grafik oben). "Wenn jetzt jedoch der Haupteingang des CTK in die Leipziger Straße verlegt wird, ergeben sich mit Sicherheit ganz andere Ergebnisse", sagt Dieter Schuster. ProTram plädiert deshalb dafür, dass die Stadtverwaltung eine neue Untersuchung in Auftrag gibt. "Wir erwarten einen noch besseren Nutzen-Kosten-Faktor", so Schuster. ProTram bringt dabei eine veränderte Linienführung ins Gespräch. Nach dieser würde die Straßenbahn durch die Leipziger Straße bis zur Thiemstraße fahren. Allerdings habe diese Variante einen Haken, gibt Schuster zu. So dürfte der östliche Teil problematisch werden. Die Leipziger Straße ist dort sehr schmal und stark befahren. "Aus unserer Sicht ist nur ein Ausweichen auf den Bereich neben dem Gehweg möglich", betont Schuster. "Uns ist nicht bekannt, wer Eigentümer dieser Fläche ist. Sollte es sich dabei um das CTK handeln und sollte das CTK sich unserer Auffassung anschließen, empfehlen wir, die aktuelle Parkplatzplanung zu überdenken", sagt der ProTram-Mitbegründer. Schließlich wäre eine Haltestelle vor dem Haupteingang, vielleicht sogar mit Überdachung zwischen Haltestelle und Eingang, die bestmögliche Zugangsmöglichkeit zum CTK. Die Wege zum Mittelpunkt des Klinik-Komplexes würden sich gegenüber der heutigen Bushaltestelle Welzower Straße um etwa 270 Meter verkürzen.

Die zu bauende Gleistrasse durch die Leipziger Straße wäre im Vergleich zur ursprünglichen Führung durch die Welzower Straße rund 50 Meter länger. Das sei bei einer Gesamtlänge der Neubaustrecke von 1400 Metern aber vernachlässigbar, so Schuster. Der Einbau einer Weiche in die Thiemstraße wäre hingegen aufwendiger als in der Vetschauer Straße.

"Wir erwarten von dieser Lösung, dass ein großer Teil der Mitarbeiter des CTK und der Patienten und Besucher die Straßenbahn nutzen", sagt Schuster. Viele könnten damit auf das Auto verzichten. Weniger Parkplatzbedarf wäre die Folge. Vielleicht, so ProTram, könne dann sogar auf das Parkhaus verzichtet werden.

Ein Problem bleibt aber: Die Erweiterung des Straßenbahnnetzes würde nach ersten Schätzungen rund 6,3 Millionen Euro kosten. Ohne eine hohe Förderung kann sich die Stadt das nicht leisten.