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| 02:45 Uhr

Neue Stadt-Einsichten

Die Befragten der Studie haben die Erreichbarkeit der Innenstadt mit Bus, Straßenbahn und Auto gelobt. Außerdem gefallen den Besuchern die Gebäude und Plätze.
Die Befragten der Studie haben die Erreichbarkeit der Innenstadt mit Bus, Straßenbahn und Auto gelobt. Außerdem gefallen den Besuchern die Gebäude und Plätze. FOTO: rfs
Cottbus. Die Stadt Cottbus kommt bei den Besuchern gut an. Das belegt eine deutschlandweite Studie, die das Kölner Institut für Handelsforschung im September 2016 unter dem Titel "Vitale Innenstädte" angefertigt hat. Peggy Kompalla

Allein in Cottbus wurden dafür 600 Passanten an zwei Tagen befragt. Und sie liefert neue Einsichten. Denn Spitzenwerte erreichte Cottbus in seiner Größenklasse bei Gastronomie und Dienstleistungen. In der Gesamtattraktivität gab es allerdings nur die Schulnote 2,6 - also befriedigend und damit Mittelmaß.

"So schlecht sind wir gar nicht", konstatiert Stadtmarketingchefin Gabi Grube angesichts der Zahlen. "Nimmt man alle Bewertungen zusammen von ,Da kann man nicht meckern' bis sehr gut zusammen, kommen wir auf 80 Prozent der Befragten." Das mache Mut. Gleichzeitig sei es aber auch ein Auftrag an alle Handelnden. Denn bei der Gesamtbewertung müsse es das Ziel sein, über den Durchschnitt zu gelangen. Darüber kommt Cottbus allerdings nicht hinaus.

Katrin Erb von der Industrie- und Handelskammer (IHK) ergänzt dazu: "Je größer die Stadt ist, umso größer wird die Bedeutung der Innenstadt. Darauf haben Ambiente und Flair den größten Einfluss. Das Einzelhandelsangebot steht dabei erst auf Platz zwei." Das beweist die Gesamtplatzierung in den einzelnen Größenkategorien. Ganz vorn stehen Leipzig, Erfurt, Quedlinburg (siehe Infobox). Städte mit einer attraktiven und lebendigen Innenstadt.

Diesen Gedanken nimmt Geschäftsmann Michael Hiersemann vom Drey House am Gerichtsplatz auf und fragt: "Ist denn schon einmal aufgefallen, dass sich das alte Cottbuser Zentrum immer mehr verschiebt? Früher gehörten dazu neben Altmarkt und Sprem auch Neustädter-, Burg- und Mühlenstraße. Warum hat denn Quedlinburg gewonnen? Weil es kleine und gemütliche Gassen voller Leben hat." Die Konzentration in Richtung Einkaufszentrum an der Stadtpromenade behagt dem Unternehmer nicht. Dabei belegte die Untersuchung, dass die Besucher keinen Unterschied zwischen Altstadt und Einkaufszentrum machen. Die Menschen suchen beides. "Es freut uns, dass die Innenstadt als Ganzes wahrgenommen wird", betont Katrin Erb.

Wie abhängig die Center auch von einer attraktiven Innenstadt sind, erklärt Sylke Schulz-Apelt. Sie ist die Chefin des Lausitz-Parks in Groß Gaglow. "Bei den großen Filialisten steht Cottbus nicht auf der Agenda. Wir brauchen inhabergeführte Geschäfte in der Innenstadt und wir müssen noch viel mehr Anreize schaffen, um überhaupt positiv wahrgenommen zu werden." Dazu zählten eben auch Veranstaltungen und Attraktionen. Deshalb wundert sich Gabi Grube: "Warum haben wir dann Probleme, gut funktionierende Veranstaltungsformate zu halten?" Dabei denkt sie an "Guten Morgen, Cottbus", das Samstagvormittag ein einstündiges Kulturprogramm auf den Platz am Stadtbrunnen bringt. "Wir hoffen, dass der Turmverein im April loslegen kann. Aber es ist schwer, das Projekt auf sichere Beine zu stellen. Die Innenstadthändler müssen sich an der Finanzierung beteiligen. Wenn sich Händler als Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Verantwortungsgefühl für das Quartier verstehen, ist schon viel gewonnen."

Jörn Hanitzsch setzt auf Effekte: "Wir brauchen Entertainment in der Stadt." Wie gut das funktioniere, habe die Pinguin-Aktion für den Tierpark auf dem Altmarkt gezeigt. Ohne genauer zu werden, sagt er: "Ich könnte im Frühjahr zehn Tage ein Event in der Innenstadt platzieren." Solche Eigenart ist wichtig, bestätigt Juliane Ribbeck vom BTU-Lehrstuhl Stadtmanagement. Mit Blick auf ihre Studenten sei nach einem Stadtrundgang die Erkenntnis jedes Jahr dieselbe. "Sie sagen: Hier war ich noch nie. Deshalb sollte man mehr zielgruppenspezifisch arbeiten."

Zum Thema:
Cottbus ist bei der bundesweiten Untersuchung des Kölner Instituts für Handelsforschung in zwei Kategorien eingeordnet worden.Einmal in Städte mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern. Dabei konkurrierte Cottbus mit 30 Städten. Dazu zählen unter anderem Bayreuth, Fulda, Greifswald, Hildesheim, Konstanz, Neubrandenburg, Schwerin oder Zwickau. Darüber hinaus wurde Cottbus in die Kategorie kleines Oberzentrum eingeordnet. Dazu zählen 27 Städte unterschiedlicher Größen. Insgesamt beteiligten sich 121 Städte. Die besten Städte nach Größe sind: Leipzig (über 500 000 Einwohner), Erfurt (200 000 bis 500 000 Einwohner), Heidelberg (100 000 bis 200 000 Einwohner), Hilden (50 000 bis 100 000 Einwohner), Wismar (25 000 bis 50 000 Einwohner) und Quedlinburg (bis 25 000 Einwohner).