Von Peggy Kompalla

Piccolo for Future – Piccolo für die Zukunft – mit diesem Motto startet das Cottbuser Kinder- und Jugendtheater in die neue Saison. Die Anleihen an die Klima-Jugend-Bewegung sind nicht zu übersehen und mutwillig. Warum können die Alten nicht mal von den Jungen lernen? Obendrauf macht das Theater den Regenbogen zur neuen Hausmarke.

Dramaturg Mathies Rau bringt es auf den Punkt: „Die Regenbogenfahne steht für Vielfalt in der Gesellschaft, für Offenheit und Humanismus.“ Das ist das Piccolo. Theater-Vize und Jugendclubleiter Matthias Heine schiebt trocken hinterher: „Bei uns hängt die Regenbogenflagge ganzjährig.“ Er zeigt nach oben. Die bunte Fahne schmückt das Foyer – seit drei Jahren.

Das klingt alles ziemlich simpel, ist aber ein klarer Standpunkt des unabhängigen Hauses. Schließlich ist es nicht allzu lange her, dass die AfD im Brandenburger Landtag die Finanzierung und politische Themensetzung des Theaters offen hinterfragte. Piccolo-Chef Reinhard Drogla sagt trocken: „Die AfD hat uns damit sehr viel Aufmerksamkeit verschafft. Das hätten wir allein gar nicht hinbekommen.“

Politisch wird es auch in der neuen Spielzeit. Dafür sorgen die Kinder und Jugendlichen selbst. Sie bringen ihre Welt mit ins Haus. Mathies Rau sagt: „Uns geht es um die Emanzipation von Kindern und Jugendlichen.“ Von der viel beschriebenen Politikverdrossenheit spüren die Theaterleute nichts. „Die Kinder und Jugendlichen haben eine wahnsinnig gestalterische Kraft“, sagt der Dramaturg. Die sollen sie ausleben.

Sechs Premieren stehen auf dem Programm. Dazu gehört das Tanztheaterstück „KaraWa(h)n“. Es stellt die Frage: Warum verlässt ein Mensch seine Heimat? Darauf gibt viele Antworten und noch mehr Fragen: Wann gehen, wann bleiben wir? Wann wird ein Ort unserer? Choreografin Zaida Ballesteros Parejo erforscht das mit den jungen Tänzern. „Es geht ums unterwegs sein und was der Einzelne mitmacht“, sagt sie. Damit wird immer auch die eigene Identität erörtert – also das Thema der Jugend schlechthin.

Der Piccolo-Jugendclub bringt im April seine neue Eigenproduktion auf die Bühne. Arbeitstitel: „Die Verdunkelung“. Jugendclubchef Matthias Heine scherzt: „Das klingt wie eine Netflix-Produktion. Es geht aber darum, wie weit es noch gehen muss, bis endlich etwas geschieht.“ Klar: Es dreht sich ums Klima. Der Jugendclubchef weiß schon jetzt: „Das wird kein gefälliges, grünes Stück.“ Dafür kennt er die jungen Menschen gut genug und ihre Radikalität. „Es wird nicht funktionieren, ohne sich mit den Konzernen und den Vertretern der Macht anzulegen.“ Das klingt nicht nach Theater, sondern nach Realität. Die platzt eben immer wieder auf die Bühne.

Auch die Jüngeren bewegt das Thema. Mit „Greta“ hat Mathies Rau ein Stück für Menschen ab 12 Jahren geschrieben. Die Hauptfigur Annegret organisiert die nächste Klima-Schüler-Demo und steht plötzlich in der Öffentlichkeit. Der Autor erklärt: „Dabei geht es um die innere Haltung, aber auch die Gefühlslage angesichts des Klimawandels.“

In Anbetracht dessen stellt sich auch das Haus selbst die Frage, welchen Beitrag es zum Umweltschutz leisten kann. Piccolo for future ist eben keine Floskel.