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Neue sorbische Musik zum Jahresanfang

Die Pianisten Heidemarie Wiesner und Anton Sasko gestalteten mit der Berliner Bratscherin Waltraut Elvers das "Konzert zur Jahreswende" im Wendischen Haus Cottbus.
Die Pianisten Heidemarie Wiesner und Anton Sasko gestalteten mit der Berliner Bratscherin Waltraut Elvers das "Konzert zur Jahreswende" im Wendischen Haus Cottbus. FOTO: Ulrich Littko/bwh1
Cottbus. Die Reihe "Konzert zur Jahreswende" wurde vor 22 Jahren von der mitwirkenden Pianistin Heidemarie Wiesner ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt dieser Reihe stehen vornehmlich Werke sorbischer Komponisten aus Vergangenheit und Gegenwart. Ulrich Littko / bwh1

Mit dem Eröffnungsabend der Konzertsaison 2017 im Wendischen Haus Cottbus am vergangenen Mittwoch erklangen wiederum neue Werke sorbischer Komponisten sowie Musik der Altmeister Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Sergej Prokowjew, Fryderyk Chopin und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Der Moderator, Buchautor und Rezitator Detlef Seydel, war bemüht, dem Abend einen roten Faden zu geben: Es sollten Werke der Musikgeschichte und der (sorbischen) Avantgarde vorgestellt werden. Angemerkt sei hier, dass die neuen Stücke kaum als avantgardistisch zu bezeichnen sind. Die Uraufführungen von Jan Cy{zcaron}, Ulrich Pogoda, Hinc Roy, Detlef Kobjela und Sebastian Elikowski-Winkler - Auftragswerke für dieses Konzert zu Zitaten und Chorälen von Martin Luther - standen im gelungenen Kontrast zur Musik der letzten fünf Jahrhunderte. Der, die sorbischen Komponisten und Werke betreffend, nichtssagende Programmzettel (Text: Dr. Peter Jarchow, Berlin) half dem Publikum leider nicht, auf Emotionen und Gedankengänge in den Auftragswerken aufzuzeigen, um diesbezügliche Zusammenhänge nachempfinden zu können.

Hervorzuheben sind dennoch die etwa siebenminütige Komposition "remalu" (REformator MArtin LUther) für Viola und zwei Pianisten von Jan Cy{zcaron} und Ulrich Pogodas "Luther-Aphorismen" für Viola und Klavier. In beiden Werken wurden musikalische Bezüge zum Werk Luthers deutlich und für den Hörer nachvollziehbar. Einen Höhepunkt versprach die Transkription des bereits 1991 erstmals aufgeführten Werkes "Nenia" für Viola und Orchester von Detlef Kobjela in der Fassung für Viola und Klavier, ergänzt durch einen Lutherschen Schlusschoral. Hier kam die Schönheit des immer etwas melancholisch klingenden Soloinstrumentes beim Gesang der Nenia, der römischen Göttin der Trauer, besonders eindrucksvoll zur Geltung.

Waltraut Elvers, vielbeschäftigte Bratscherin, Pädagogin und Mitglied mehrerer Berliner Kammermusikensembles, gestaltete den überlangen Konzertabend mit Heidemarie Wiesner und Anton Sasko (beide Klavier). Der in die Jahre gekommene Flügel verlangte sowohl von den beiden Pianisten als auch dem Publikum reichlich Vorstellungskraft, nuanciertes Musizieren und künstlerisches Gestalten zu spüren. Der Stiftung für das sorbische Volk ist maßgeblich für die Aufrechterhaltung dieser Konzertreihe zu danken.