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| 14:12 Uhr

Burg
Wie aus zarten Fäden prächtig bestickte Trachten entstehen

 In der Burger Heimatstube ist am Donnerstag eine Sonderausstellung über die wendische Tracht und deren Herstellung eröffnet worden.  Zur Einweihung kamen zahlreiche Gäste in wendischer Tracht.
In der Burger Heimatstube ist am Donnerstag eine Sonderausstellung über die wendische Tracht und deren Herstellung eröffnet worden.  Zur Einweihung kamen zahlreiche Gäste in wendischer Tracht. FOTO: Marion Hirche
Burg. In der Burger Heimatstube lädt die neue Sonderausstellung „Teile der Tracht – aus Fäden gemacht“ die Besucher zum Mitmachen ein. Von Marion Hirche

In dieser Woche ist eine neue Sonderausstellung in der Burger Heimatstube eröffnet worden. „Teile der Tracht – aus Fäden gemacht“ heißt sie und präsentiert verschiedene Handarbeitstechniken, die die Voraussetzung sind für das Anfertigen der wendischen Tracht.

Auf anschaulichen Tafeln wird der Betrachter zunächst über die Teile der wendischen Arbeits- und der Festtagstracht aufgeklärt. Auf acht weiteren Tafeln gibt es Informationen über die Herstellungsmöglichkeiten von Stoffen, Spitzen und letztendlich Teilen von Trachten. Da geht es um das Sticken, Stricken, Knüpfen, Häkeln, Klöppeln, Nähen, Weben und Spinnen. Es sind aber nicht nur die mit vielen historischen Bildern aus dem Museumsarchiv versehenen Informationseinheiten, die mit den verschiedenen Handarbeitstechniken bekannt machen. Es wurden zudem verschiedene Vitrinen mit Materialien bestückt, die für die jeweilige Technik benötigt werden.

Für die Besucher liegen auch Utensilien bereit, um sich selbst einmal mit der Technik zu probieren: eine Strickliesel, Wolle und Stricknadeln, ein Kinderwebstuhl und ein Kammwebstühlchen, ein Knäuel mit Häkelhaken. Davon war bei der Ausstellungseröffnung Cathrin Stauffenberg aus Burg begeistert. Sie griff sofort zum Häkelhaken und produzierte ein par Bahnen aus der roten Wolle.

Bei der Einweihung zeigte Bernhard Lehnigk aus Groß Lübbenau, wie überhaupt erst ein Faden entsteht: Er führte nicht nur sein Spinnrad vor, sondern sogar eine Spinnspindel, die auf einfachem Weg auch Fäden produziert und von ihm nach historischem Vorbild nachgebaut wurde.

Die Leiterin der Burger Heimatstube, Bärbel Schubert, ist die Schöpferin dieser interaktiven und äußerst informativen Schau. Sie übernahm am Donnerstagabend die Einführungsworte. Delia Münch von der Trachtenschneiderei Heinze betonte die besondere Bedeutung der Tracht für die Sorben/Wenden: „Die Tracht verkörpert Geschichte und Kultur. Ihre Anfertigung bewahrt unsere Handwerkstechniken, sie gibt Auskunft über das Leben unserer Menschen.“

Zur Ausstellungseröffnung hatten sich mehrere Trachtenträgerinnen eingefunden: die Müschener Ortsvorsteherin Christiane Pfaffe in der Ausgehtracht, Kerstin Möbes, Öffentlichkeitsverantwortliche des Amtes Burg, in der Arbeitstracht, die beiden Rednerinnen und Christa Dziumbla, Trachtenstickerin aus Burg. Letztere hat ihr Wissen über das Besticken von Rockbändern, Kopf- und Schultertüchern beigetragen. Die zehnjährige Tochter von Cathrin Stauffenberg lernt zurzeit in einem Kurs der Schule, geleitet durch Christa Dziumbla, dieses Handwerk.

Zum Thema Sticken macht die Sonderausstellung eine besondere Offerte an die Besucher: In der Vitrine liegen ein Stickrahmen und das nötige Arbeits- und Anleitungsmaterial. Jeder, der sich traut, mindestens drei Stiche selbst zu machen, der darf sich in eine daneben liegende Liste eintragen und nimmt so an einem Rekordversuch teil.

Die Müschenerin Ester Budischin verlieh der Ausstellungseröffnung besonderen Glanz: Mit ihrem Violoncello und ihrer Stimme brachte sie eine Reihe von Werken der Burger Dichterin und Publizistin  Mina Witkojc zu Gehör, die bisher unbekannt waren. Die wendische Poetin war im vergangenen Jahr anlässlich ihres 125. Geburtstages in der Heimatstube besonders gewürdigt worden. Zudem hängt seit dieser Woche eine ständige Tafel in Erinnerung an diese bedeutende Burgerin in dem kleinen Museum am Burger Spreehafen.

Die neue Sonderausstellung in der Burger Heimatstube ist während der Öffnungszeiten zu sehen: Dienstag bis Donnerstag 10 und 16 Uhr, Freitag und Sonnabend 11 bis 15 Uhr, Sonn- und Feiertage 12 bis 16 Uhr.