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| 19:11 Uhr

Neue Musikschule will Künstlerhaus sein

Bodo Bärwinkel startet noch einmal neu durch. Er will seine Kulturakademie zu einem Künstlerhaus machen.
Bodo Bärwinkel startet noch einmal neu durch. Er will seine Kulturakademie zu einem Künstlerhaus machen. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Bodo Bärwinkel startet mit einem neuen Konzept an der Berliner Straße noch einmal durch. Die kreative Arbeit der Akademie ist bereits im Vorprogramm der Sagennacht zu sehen. Peggy Kompalla

Der Name Bärwinkel ist in Cottbus ein Synonym für Musik. Schließlich baute die Familie mit der Wende die größte private Musikschule der Stadt auf, die heute unter dem Namen Academy of Music firmiert. Nun gibt es eine zweite. Bodo Bärwinkel startet nach familiärer und geschäftlicher Trennung noch einmal durch - mit der Kunstakademie Niederlauitz (Kula). Die soll viel mehr sein, als eine reine Musikschule. Bodo Bärwinkel träumt von einem Künstlerhaus inklusive Kulturbüro, Bandprobenzentrum und Gemeinschaftsateliers. Er will sein Haus zum kreativen Herzstück der Region machen.

Wo einst die Computer und Bürostühle des Kommunalen Rechenzentrums standen, übernehmen allmählich die Künste das Regime. Die Wände sind zwar noch kahl, doch Bilder stehen längst bereit, um Farbe auf die Flure zu bringen. Im geräumigen Malsaal wird bereits fleißig unter der Regie von Eka Orba unterrichtet. Die Staffeleien sind gut gefüllt. Im Musical-Probenraum warten Ballettstange und Spiegelwand auf die Darsteller, ebenso wie die Gitarren und Synthesizer nebenan auf die Spieler. Das Tonstudio ist noch mehr Idee als Wirklichkeit, aber selbst für das Laienauge zu erkennen. Die Kula hat ihr neues Zuhause in der Berliner Straße genau gegenüber der Stadthalle gefunden. Das gefällt dem Chef. Der Blick von den Proberäumen ist frei auf die größte Bühne von Cottbus. Das passt, findet er.

Mit 75 Schülern startet die Kulturakademie duch. Allein die Fachgebiete der Lehrer zeigen, dass in dem Haus die Kunstgenres verschwimmen. Neben Musikausbildern, gibt es Mal-, Graffiti-, Schauspiel- und Tanzlehrer. Bislang sind es sechs. "Dabei wird es nicht bleiben", weiß Bodo Bärwinkel schon heute. Die Nachfrage nach Kulturbildung sei groß. Überall gebe es Wartelisten.

Dabei fängt die Kula schon ausgezeichnet an - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Theatergruppe "L'avenir" gewann vor gut einer Woche bei den Schüler-Kunst-Tagen im Staatstheater den Hauptpreis mit ihrer Komödie "Shakespeare allein zu Haus". Das Musicalensemble "Fantasia" wird Pfingsten bei der Sagennacht in Burg mit ihrer Produktion "Kara im Lutkiland" das Vorprogramm gestalten. "Solch ein Profil als Musik- und Kunstschule gibt es bislang nicht", sagt der Chef.

Bei der Musik wolle sich die Akademie auf die Moderne mit drei Schwerpunkten konzentrieren: Bandarbeit, technisch basierte Sounddesigns und Songwriting. "Die jungen Leute wollen sich verwirklichen", sagt Bärwinkel. Das könnten sie bis hin zu Ton- und Filmaufnahmen im hauseigenen Studio, das im Sommer arbeitsfähig sein soll. Alles aus einem Haus. Im besten Falle beflügeln sich die Kreativen gegenseitig.

Das ist der Anfang. Der Chef hat noch viel mehr vor. Und die Immobilie bietet ihm die Möglichkeit. Er schließt einen bislang ungenutzten Flügel auf. "In der Stadt gibt es einen chronischen Probenraummangel", sagt er. Platz wäre im Künstlerhaus. "Hier könnten bis zu 30 Bands unterkommen. Wir haben sechs große Räume mit Lager im Keller." Die Etagen darüber sind genauso großzügig. Dort kann sich Bärwinkel Gemeinschaftsateliers vorstellen. "Das Problem ist doch, dass die Künstler meist isoliert sind", sagt er und öffnet einen hohen, hellen Raum im Erdgeschoss. "Das könnte das Kulturbüro sein, wo eine Fachkraft als Dienstleister den Künstlern die lästige Verwaltungsarbeit abnimmt." In Gedanken hat Bodo Bärwinkel das Künstlerhaus schon bis unters Dach eingerichtet. Doch er weiß: "Es hängt davon ab, ob sich genügend Kreative finden." Neugierige sind am Samstag auf eine erste Stippvisite eingeladen.

Zum Thema:
Die Kulturakademie Niederlausitz hat an der Berliner Straße 6 ihr Zuhause gefunden. Das Haus öffnet am Samstag, 20. Mai, von 10 bis 16 Uhr seine Türen. "Es wird noch nicht alles perfekt sein, aber es ist eine gute Möglichkeit, uns kennenzulernen", sagt Bodo Bärwinkel. Demnach können sich Besucher in der Malwerkstatt ausprobieren. Im Hof bittet Airbrusher Jascha an die Sprühdosen. Die Musik- und Musicalprobenräume sind offen und die Tonstudio-Baustelle kann inspiziert werden.