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Neue Kulturakademie in Cottbus

Bodo Bärwinkel stellt in der Kulturakademie Niederlausitz die Eigenkreativität der Schüler in den Vordergrund.
Bodo Bärwinkel stellt in der Kulturakademie Niederlausitz die Eigenkreativität der Schüler in den Vordergrund. FOTO: Zeidler
Cottbus. Noch ist es recht still in den Räumen der Kulturakademie Niederlausitz. Doch schon bald werden sich Gesangsschüler mit der Tonleiter in dem einen Raum einsingen, während sich eine Tür weiter junge Tänzer an der Ballettstange dehnen. Michèle-Cathrin Zeidler

Ein Stückchen weiter den Gang entlang werden Nachwuchsproduzenten die optimale Lichtausrichtung suchen und hinter einer anderen Tür werden Kinder zum ersten Mal ein Instrument in den Händen halten. Ab dem kommenden Samstag füllt sich die Kulturakademie, kurz Kula, mit Leben. "Wir eröffnen um 10 Uhr mit einem Tag der offenen Tür", erzählt Geschäftsführer Bodo Bärwinkel. "Bereits jetzt spüren wir die Nachfrage, mehr als 70 Schüler haben sich schon angemeldet."

Die Kula hat ihr Angebot dabei vielfältig gewählt. "Ich wollte schon immer mehr machen als eine reine Musikschule", erzählt Bodo Bärwinkel, der nach einer wirtschaftlichen und familiären Trennung noch einmal neu startet. Der Geschäftsführer träumt von einem Künstlerhaus inklusive Kulturbüro, Bandprobenzentrum und Gemeinschaftsateliers: "Ich möchte das Haus in der Berliner Straße zum kreativen Herzstück der Region machen."

Bereits vor der Eröffnung wird in der Kunstwerkstatt schon fleißig gewerkelt. "Eka Orba zeigt hier das kleine Einmaleins im Zeichnen, Malen und Gestalten", sagt der ehemalige Mitbegründer der Academy of Musik in Cottbus. Aber es gibt noch mehr Angebote: In der Film-Werkstatt möchte Bodo Bärwinkel künftig Jugendlichen das richtige Handwerkzeug zum Produzieren von Filmen vermitteln, inklusive Know-how über Kamera, Licht, Ton, Schnitt und Synchronisation. "Viele Jugendliche laufen einfach mit ihrem Handy durch die Gegend und legen los", weiß der Komponist, Texter und Produzent. "Das Interesse ist also da, sie müssen aber angeleitet werden."

Neben der Theater-Werkstatt, die aus der bereits ausgezeichneten Gruppe "L'avenir" besteht, soll in der Kula noch eine Werkstatt für das künstlerische Wort entstehen. "Ich möchte kreative Menschen zusammenbringen, die gerne Gedichte, Geschichten, Drehbücher und Songtexte schreiben" so der Gründer. Sein Ziel sei es, 2018 ein Festival für Songwriter und Musiker zu veranstalten.

Außerdem startet Bodo Bärwinkel mit einer Zirkus-Werkstatt ein kleines Experiment. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kinder Spaß an Zaubertricks und Artistik haben und gerne einmal Dompteur oder Clown spielen wollen", sagt der Unternehmensberater für Kultureinrichtungen. Dennoch sieht er das Angebot als einen Testballon und will das Interesse abwarten. Ein weiterer Pfeiler der Einrichtung ist der Tanz. "Dabei wollen wir zum einen klassische Elemente und Ausdruckstanz anbieten, aber auch Hip-Hop, Dancehall und Breakdance", so Bodo Bärwinkel. Junge Musicaldarstellern sollen in der Kula eine Rundumausbildung mit Singen, Tanzen und Schauspiel erhalten.

Doch damit nicht genug, der Chef hat noch mehr vor: "Wir wollen junge Bands einladen, in unseren Räumlichkeiten zu proben", sagt Bodo Bärwinkel. Zwei Anmeldungen liegen schon vor, Platz wäre für 30 Bands. Die Kula hat sich bewusst breit aufgestellt und will in den nächsten Monaten dann sehen, welche Bereiche funktionieren. Außerdem wollen sie sich mit ihrem Konzept abheben von den anderen Schulen der Stadt. "Wir haben uns nicht auf die Ausbildung vom Klassiknachwuchs spezialisiert und wollen auch nicht den Popbereich erobern", erklärt der längjährige Musiklehrer. "Bei uns steht die Eigenkreativität im Vordergrund." Dort sieht er einen Bedarf: "Außerdem gibt es auch sonst Wartelisten in einzelnen Bereichen und mit Projekten wie der Zirkus-Werkstatt und dem Bandprojekt besetzen wir Nischen." Trotzdem rechnet er auch mit einem gewissen Verdrängungswettbewerb. "Aber das kann für die Cottbuser ja nur von Vorteil sein", findet Bodo Bärwinkel.

Eröffnung mit Tag der offenen Tür, morgen zehn bis 16 Uhr, Berliner Straße 6.