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Drewitz
Neue Hoffnung für Flugplatz Drewitz

Luftaufnahme vom Herbst 2017. Der Verkehrslandeplatz Drewitz mit Tower und  Flugplatzgebäude liegt verlassen da. Um die betonierte Start- und Landebahn wieder nutzbar zu machen, sind Millionen Euro nötig.
Luftaufnahme vom Herbst 2017. Der Verkehrslandeplatz Drewitz mit Tower und  Flugplatzgebäude liegt verlassen da. Um die betonierte Start- und Landebahn wieder nutzbar zu machen, sind Millionen Euro nötig. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Nach mehr als zwei Jahren Insolvenz sind neue Eigentümer gefunden. Sie wollen den Flugbetrieb wiederbeleben und Maschinen instandhalten. Von Simone Wendler

Zweieinhalb Jahre war Insolvenzverwalter Udo Feser Herr über den Flugplatz Drewitz im Spree-Neiße-Kreis. Jetzt hat der Platz neue Eigentümer, doch die wollen, warum auch immer, vorerst nicht in die Öffentlichkeit. Deshalb muss Feser sehr allgemein formulieren, wenn er über den Verkauf des Geländes spricht. Ein Teil der 350 Hektar großen Flächen gehöre jetzt dem bisherigen Pächter, der dort eine Fotovoltaik-Anlage betreibt, so Feser. Das restliche Gelände mit Landebahn und Tower  habe ein Konsortium (Firmengemeinschaft) gekauft.

Kopf dieses Käufer-Konsortiums ist der Unternehmer Dietmar Wilke aus Rehagen. Rehagen ist Teil der Gemeinde Am Mellensee und liegt im Landkreis Teltow-Fläming. Wilke gilt als luftfahrtbegeistert. Schon vor zehn Jahren flog er von seinem Firmengelände südlich von Berlin mit einem Hubschrauber zu Kunden in ganz Deutschland.

Insolvenzverwalter Feser versichert indes, das Konsortium sei der einzige von den insgesamt fünf Bewerbern für das Drewitzer Areal gewesen, der ein klares Konzept für die Zukunft des Flugplatzes vorgelegt habe.

Danach soll die zweieinhalb Kilometer lange und derzeit unbenutzbare Start- und Landebahn wieder hergerichtet werden. Allein dafür sei ein einstelliger Millionenbetrag nötig, so Feser. Die Käufer wollten jedoch auch die Gaststätte auf dem Platz wieder in Betrieb nehmen. Der Platz soll auf der Betonpiste wieder Hobby- und Geschäftsfliegern Start- und Landemöglichkeit bieten. Dazu müsste, so Feser, auch die Technik im Tower und im Boden an der Start- und Landebahn erneuert werden.

 Darüber hinaus sind die Einrichtung einer Flugschule und die Ansiedlung eines Instandhaltungsbetriebes für Flugzeuge und Hubschrauber vorgesehen. „Da könnten alte Maschinen auch zerlegt werden, um noch brauchbare Teile für Reparaturen zu verkaufen. Dafür gebe es einen Markt.

Eine Zusage für die Schaffung von Arbeitsplätzen sei mit dem Verkauf nicht verbunden, sagt Feser. Das sei zur Zeit auch noch nicht möglich: „Da muss jetzt erst mal richtig investiert werden.“ Denn in den zweieinhalb Jahren seit Beginn des Insolvenzverfahrens wurde nichts mehr in die Instandhaltung der Gebäude investiert. Dafür sei kein Geld mehr in der Firmenkasse gewesen, so Feser: „Das ist alles marode, zum Schluss konnten wir nicht mal mehr heizen.“

Zurückgelassen hatte die leeren Kassen der vorherige Besitzer, die Flacks-Group. Die verschachtelte Investoren-Gruppe um Michael Flacks hatte den Platz im Sommer 2014 für rund eine Million Euro vom Landkreis Spree-Neiße und regionalen Kommunen gekauft. Die wollten den stets defizitären Platz endlich loswerden und damit auch jährliche Zuschüsse in sechsstelliger Höhe.

Die neuen Eigentümer machten damals große Ankündigungen. Ein wartungscenter für Passagier- und Cargo-Maschinen sollte in Drewitz gebaut werden und damit auch 200 neue Jobs entstehen. Realisiert wurde nichts davon, im Gegenteil. Ein Jahr nach der Übernahme meldete Flacks für die Flugplatz-GmbH Insolvenz an.

Schon damals war schnell der Verdacht aufgetaucht, dass die Flacks Group vor der Pleite aus dem Platz Geld herausgezogen haben soll. Ein Verdacht, der sich für Insolvenzverwalter Udo Feser erhärtet hat. Es sei beispielsweise planlos auf dem Gelände Wald abgeholzt und verkauft worden. Auch Pachtzahlungen für das Fotovoltaikareal seien im Voraus auf Jahre ausgezahlt worden.

Doch der Nachweis solcher Vorgänge sei schwierig. Unterlagen fehlten, es müsste im Ausland recherchiert und eventuell in den USA geklagt werden. Dafür sei kein Geld da. Doch noch sei seine Prüfung nicht abgeschlossen, ob der vorherige Eigentümer belangt werden könne, so Feser. Ein wirkliches Konzept habe der frühere Eigentümer offenbar nicht gehabt: „Das Geschäftsmodell war schnelles Geld.“ Dass die Suche und Verhandlungen mit einem neuen Eigentümer sich mehr als zwei Jahre hinzogen, lag laut Feser an verschiedenen Hindernissen. Der Kreis Spree-Neiße als ehemaliger Mehrheitsgesellschafter hatte im Vertrag mit Flacks eine Rückgabeklausel eingebaut, damit der Flugplatz nicht weiterverkauft werden konnte.

Dadurch konnte der Insolvenzverwalter nur in Absprache und Einvernehmen mit dem Landkreis vorgehen. Der Fotovoltaik-Betreiber, der jetzt einen Teil des Platzes kaufte, hatte einen Pachtvertrag mit 20 Jahren Laufzeit in der Hand. Auch er musste deshalb in eine Lösung eingebunden werden.

 Als der Grünstromerzeuger sein Gelände im vorigen Sommer kaufte, stelle sich heraus, dass Flächen im Grundbuch nicht korrekt verzeichnet waren. Es musste nachvermessen und korrigiert werden. „Es war ein extrem schwieriger Verkauf, auch weil der Naturschutz noch ein Wörtchen mitzureden hatte und weil es ein ehemaliges Militärgelände ist“, fasst Udo Feser zusammen. Für ihn ist der wichtigste Teil seines Jobs jetzt abgeschlossen. Möglich sei jedoch, dass einer der unterlegenen Bewerber um den Flugplatz sich über die Vergabe noch beim Amtsgericht Cottbus beschwert.

Im Mai 2003 trainiert die Fluggesellschaft Germania auf dem Regionalflughafen Cottbus-Drewitz. Damals gab es noch Pläne, der Flughafen Erie (US-Bundesstaat Pennsylvania) könnte in Drewitz einsteigen.  
Im Mai 2003 trainiert die Fluggesellschaft Germania auf dem Regionalflughafen Cottbus-Drewitz. Damals gab es noch Pläne, der Flughafen Erie (US-Bundesstaat Pennsylvania) könnte in Drewitz einsteigen.   FOTO: Michael Helbig / dpa
Mai 2015. Das Transportflugzeug A400M des Luftfahrtkonzerns Airbus Military landet in Drewitz. Der Platz wurde ausgewählt, um den Militärtransporter auf einer „Gras-Start-Landebahn“ testen zu können.  
Mai 2015. Das Transportflugzeug A400M des Luftfahrtkonzerns Airbus Military landet in Drewitz. Der Platz wurde ausgewählt, um den Militärtransporter auf einer „Gras-Start-Landebahn“ testen zu können.   FOTO: Patrick Pleul / dpa