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| 02:47 Uhr

Neue Erkenntnisse zu Pücklers Testament

Cottbus. Während der Feier zum 223. René Wappler

Geburtstag des Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau im Branitzer Schloss hat dessen Urgroßneffe, Hermann Graf von Pückler, am Donnerstagabend einen bislang unbekannten Brief an die Nichte des Grafen vorgestellt. Das Schreiben von ihrem Gatten Carl Pachelbel-Gehag an seine Kinder zeigt die Verblüffung der Familie, als bekannt wurde, dass Pückler seiner Nichte Marie Hermine Gräfin von Seydewitz vor seinem Tod fast sein gesamtes Vermögen überschrieben hatte. "Zwischen Marie und Pückler bestand eine starke religiöse Verbindung", erklärte Hermann Graf von Pückler vor den Mitgliedern des Vereins "Fürst Pückler in Branitz". "Er hat sie offenbar deshalb zur Erbin eingesetzt."

So heißt es in dem Brief des Majors Pachelbel-Gehag über Pückler: "Mehr und mehr arbeitete er an seiner für alles Erhabene empfänglichen Seele." Der Fürst habe "seines bevorstehenden Endes in beruhigendster Weise Erwähnung getan" - und sich auserbeten, in seiner Sterbestunde niemanden aus der weiteren Familie außer Marie bei sich zu haben.

Zur Testamentseröffnung kam Marie später nicht, wie Hermann Graf von Pückler weiter ausführt, weil sie nicht mit einem Anteil rechnete. Um nach der Verkündung jedoch möglichen Auseinandersetzungen über das Erbe aus dem Wege zu gehen, habe sie sich jedoch mit einem Vergleich zugunsten des Lehnherrn beschieden.

Zu seinen Eltern hatte Fürst Pückler ein weniger inniges Verhältnis gepflegt, wie aus Aufzeichnungen hervorgeht, die Christian Friedrich von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz am Donnerstagabend während der Geburtstagsfeier zitierte. Misshandlungen durch den Vater und Gleichgültigkeit seitens der Mutter habe der Fürst als junger Mensch ertragen müssen - nur zum Großvater mütterlicherseits empfand er offensichtlich Zuneigung. So vermerkte Pückler bissig: "Selbst an eine Ohrfeige seinerseits denke ich mit größerer Dankbarkeit als an all die erzwungenen Wohltaten meines Vaters, die freilich diesen Namen nicht verdienen."

In der Bibliothek, so führte Stiftungsmitglied Christian Friedrich weiter aus, habe der junge Pückler in eine Traumwelt eintauchen können, in welcher er seinen Kummer und seine Sorgen vergaß. Vielleicht trieb ihn die Flucht vor den Eltern auch im weiteren Sinne in die Ferne? "Zeit seines Lebens war Pückler ein Reisender", erklärte Friedrich. "Er selbst verfasste zehn Buchtitel in 29 Bänden." Zu den Vorbildern Pücklers zählte demnach der Schriftsteller Alexandre Dumas, dessen Werke "Der Graf von Monte Christo" und "Die drei Musketiere" er verehrte.Das neu gestaltete Arbeitszimmer des Fürsten steht den Besuchern seit Freitag dieser Woche offen. Die Gemächer des Fürsten mit Interieur auszustatten und so seinen Geist zu vermitteln, ist das Ziel des Fördervereins "Fürst Pückler in Branitz" (die RUNDSCHAU berichtete).