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| 12:38 Uhr

Cottbus
Neue Chefin übernimmt den Weißen Ring in Cottbus

Cottbus. Die Opferhilfsorganisation hat es zunehmend mit Körperverletzungen und sexuellen Übergriffen zu tun.

Silke Stritschke hat die Leitung der Cottbuser Außenstelle des Weißen Rings übernommen. Damit löst sie die langjährige Leiterin und Rechtsanwältin Ariane Lambert ab. Sie setzt damit die Arbeit der Opferhilfsorganisation fort, die vor 25 Jahren mit einer ersten Beratung in der früheren Cottbuser City-Wache im Land Brandenburg begonnen hat. Darüber informiert der Landesvorsitzende Jürgen Lüth.

„Wir bezeichnen uns als Lotsen“, sagt der frühere Cottbuser Polizeipräsident. „Es ist ein langer Weg für die Opfer durch die Amtsstuben und bis vor Gericht. Wir begleiten sie, wenn sie das wünschen.“ Dabei sei die Unterstützung nicht an eine Anzeige gebunden, wie er betont. „Viele Opfer scheuen sich vor einer Anzeige“, weiß er. Die Mehrzahl der Betroffenen sei Opfer einer Körperverletzung geworden. Aber auch die sexuelle Übergriffe spielten eine immer größere Rolle. In dem Zusammenhang erklärt Jürgen Lüth: „Wir unterstützen die Opfer bei der Beweissicherung der Tatmerkmale.“ Diese würden solange sicher verwahrt, bis sich das Opfer möglicherweise Jahre später doch für eine Anzeige entscheidet.

„Wir helfen schnell und unbürokratisch“, versichert Lüth. Demnach reicht die Organisation in Cottbus im Jahr durchschnittlich 16 000 Euro an die Opfer von Straftaten aus. Dabei handele es sich beispielsweise um Soforthilfen, aber auch um Beratungsschecks für einen Rechtsanwalt oder einen Psychologen der eigenen Wahl. Es gehe bei der Unterstützung aber nicht vordergründig um Geld. „Im Wesentlichen geht es den Betroffenen darum, jemanden zu finden, der zuhört. Dafür erhalten wir die höchste Anerkennung.“

Im vergangenen Jahr nahm die Polizei im Land Brandenburg rund 175 000 Strafanzeigen auf. Darunter waren etwa 5000 Gewaltstraftaten. „Nur ein Bruchteil der Opfer wendet sich an uns.“ Rund 1000 Anfragen registriere der Weiße Ring im gesamten Land in den 18 Außenstellen. Alle Betreuer arbeiten ehrenamtlich.

So auch die neue Chefin in Cottbus. Sie ist 51 Jahre alt und arbeitet als Kundenberaterin für Arvato Bertelsmann. „Meine Familie und mein Arbeitgeber unterstützen mich bei meiner Arbeit für den Weißen Ring“, sagt sie. Sie wolle in Cottbus die Kooperation mit der BTU ausbauen. Zum einen würden die Opfer immer jünger – etwa durch Cybermobbing, zum anderen „wollen wir junge und auch ausländische Helfer gern mit an Bord bekommen“, wie sie erklärt.

Der Weiße Ring in Cottbus zählt 38 Mitglieder. Neun Ehrenamtler kümmern sich um die Betroffenen.