ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:21 Uhr

Peitz
Karte beweist: Wohnung befindet sich im früheren Pferdestall

 Olaf Schöpe (l.), der in den vergangenen Jahren auf dem Hüttenwerksgelände Wohnungen und eine Radlerpension denkmalsgerecht errichtet hat, interessierte sich bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung auch für das Gebäude, in dem er jetzt wohnt. Von Dietrich Kunkel, Vorsitzender des Fördervereins des Hüttenwerks, erfuhr er an dieser Karte, dass dort mal ein Pferdestall war.
Olaf Schöpe (l.), der in den vergangenen Jahren auf dem Hüttenwerksgelände Wohnungen und eine Radlerpension denkmalsgerecht errichtet hat, interessierte sich bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung auch für das Gebäude, in dem er jetzt wohnt. Von Dietrich Kunkel, Vorsitzender des Fördervereins des Hüttenwerks, erfuhr er an dieser Karte, dass dort mal ein Pferdestall war. FOTO: Marion Hirche
Peitz. Im Museumskomplex der Peitzer Eisenhütte ist eine Sonderausstellung über die Baugeschichte dieses Areals eröffnet worden. Von Marion Hirche

„Mit der historischen Altstadt hat Peitz ein Bonbon, die Praline aber ist das historische Eisenhüttenwerk“, beschrieb Tourismusamtsmitarbeiter Dirk Redies die Perlen seiner Heimat. Die Peitzer „Praline“ hat seit dieser Woche eine neue Sonderfüllung: Im Hüttenmuseum wurde eine Sonderausstellung zur Baugeschichte des Eisenhüttenwerks Peitz eröffnet.

Gezeigt werden Dokumente, Karten, Bilder, Zeichnungen und Akten, sowie Gegenständliches. Zusammengetragen wurde das Material von Mitgliedern des Fördervereins Hüttenwerk. „Die letzte denkmalpflegerische Studie über die Baugeschichte des Komplexes stammt aus dem Jahr 1986. Heute haben wir viel bessere Möglichkeiten, an Unterlagen heranzukommen, weil uns jetzt mehr Archive zur Verfügung stehen. Vor drei Jahren habe ich zu unseren  Forschungsergebnissen bereits einen Vortrag gehalten. Damals wurde der Wunsch geäußert, dass es auch mal eine Ausstellung dazu gibt. Das haben wir nun umgesetzt“, erläuterte Dietrich Kunkel, Vorsitzender des Fördervereins, bei der Ausstellungseröffnung. Er betonte: „Für uns ist es eine Annäherung an die Fakten, wir sind Hobbyhistoriker.“

Seit acht Jahren gibt es einen Arbeitskreis von Interessenten, der sich einmal monatlich trifft, um gefundene Dokumente in lesbare Schrift zu übersetzen, berichtete der Vereinsvorsitzende in seinem Einführungsvortrag. Bei dieser akribischen Arbeit wurden in dieser Zeit schon etwa 6000 Seiten aus Schriftstücken in eine heute von jedem verständliche und lesbare Schreibweise übertragen. „Manchmal beschäftigen wir uns minutenlang mit der Deutung eines einzigen Buchstabens“, beschreibt Kunkel. In der neuen Sonderausstellung werden die gefundenen historischen Unterlagen als Kopie vom Original zusammen mit der Übersetzung unmittelbar nebeneinander gezeigt. Die Eröffnungsbesucher  blätterten sehr intensiv in diesen Dokumenten.

Dietrich Kunkel berichtete zudem vom Fund zahlreicher Karten und Bilder bei Besuchen in Archiven unter anderem in Berlin-Dahlem und anderswo. So ist in der Ausstellung eine Karte von den Hälter- und Streckteichen aus dem Jahr 1912 zu sehen. Hier erfährt der Betrachter, dass es einst neben dem Hüttenwerk am jetzigen Standort auch noch einen zweiten Hammer auf der heutigen Gemarkung Ottendorf gab. Viele Informationen gibt es über die wechselvolle Nutzung des Geländes ab 1858 und über die sozio-kulturelle Entwicklung des Areals. So hatte das Hüttenwerk unter anderem eine eigene Polizei- und Gerichtsordnung.

Olaf Schöpe, Investor auf dem Hüttenwerksgelände, interessierte sich für die Dokumente, die Auskunft über die Gebäude geben, die er in den vergangenen Jahren zu Wohnungen und einer Radlerpension umgebaut hat. Beim Rundgang zeigte ihm Dietrich Kunkel eine Grundriss-Skizze von seinem jetzigen Zuhause.  Da wohne ich ja gar nicht in der ehemaligen Schmiede, sondern im früheren Pferdestall“, stellte er fest. Christian Meinhardt, ebenfalls Hobbyhistoriker aus Peitz und auch Touristenführer im Hüttenwerk-Museumskomplex: „Ich muss mit Dietrich kunkeln, damit er uns für die Rundgänge einige Dokumente in Kopie zur Verfügung stellt, sodass wir die auch nach dem Ende der Sonderausstellung noch nutzen können. Ich denke da vor allem an die aussagestarken Karten.“ Beide Männer wurden sich diesbezüglich auch einig.

Zu den Eröffnungsgästen gehörte auch der Leiter des Cottbuser Stadtmuseums Steffen Krestin: „Die Cottbuser und die Peitzer Geschichte haben viele Berührungspunkte. Da interessiere ich mich natürlich auch für diese Ausstellung. Wir werden in diesem Jahr auch bei uns im Museum noch einen Vortrag über die Verflechtungen der Peitzer Teichwirtschaft mit Cottbus erleben.“

Vor der Ausstellungseinweihung gab es auf dem Hüttenwerksgelände Gespräche zwischen Vertretern der Stadt, der Peitzer Edelfischerei und des Fördervereins mit der oberen und unteren Denkmalschutzbehörde zur weiteren Gestaltung des Produktmagazins und des Stabhammers – zwei historische Gebäude, die sich ebenfalls auf dem Hüttenwerksgelände befinden.