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| 16:47 Uhr

Neue Ängste rund ums Sorbisch lernen

In der Sielowe Kita "Mato Rizo" wachsen die Kinder in die sorbische Sprache hinein. Wichtig ist eine Weiterführung des Unterrichts an der Schule.
In der Sielowe Kita "Mato Rizo" wachsen die Kinder in die sorbische Sprache hinein. Wichtig ist eine Weiterführung des Unterrichts an der Schule. FOTO: mih1
Cottbus. Seit Monaten kämpfen die Wenden für eine faire Schulverordnung zum Sprachunterricht. Bis heute warten sie auf konkrete Zusagen. Andrea Hilscher

"Schulverordnung" ist ein Wort, das bei Eltern, Kindern und Lehrern im sorbischen/wendischen Siedlungsgebiet seit Monaten für Unruhe sorgt: Im Februar waren Pläne der Landesregierung bekannt geworden, den Sorbischunterricht nur noch dort zu ermöglichen, wo mindestens zwölf Kinder eine Lerngruppe bilden. Massive Proteste von Eltern, Sorbenrat und Domowina hatten dafür gesorgt, dass die Zahl Zwölf schnell vom Tisch war - doch was stattdessen in der neuen brandenburgischen Schulverordnung stehen soll, ist bis heute völlig unklar.

Viktor Zakar, Leiter des Witaj-Sprachzentrums in Cottbus: "Bei der letzten Sitzung des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten haben wir keine konkreten Informationen zum weiteren Ablauf der Überarbeitung der neuen Schulverordnung erhalten." Enttäuscht erzählt Zakar, dass im September eine Version der neuen Verordnung vorgelegt werden soll - allerdings nur zur Kenntnisnahme. Aus diesem Grund habe das Cottbuser Witaj-Zentrum das polnische Außenministerium und die Botschaft der Republik Polen über die bestehende Gefahr informiert, dass die Rechte der bedrohten slawischen Minderheit der Sorben/Wenden durch die neue Schulverordnung verletzt werden könnten.

Viktor Zakar: "Wir wollen endlich verlässliche Angaben über die Inhalte der neuen Verordnung." Er sei enttäuscht, dass auch vom Petitionsausschuss des Landes bisher nichts unternommen wurde. Eine Petition für den Erhalt des uneingeschränkten Sprachunterrichts haben 2249 Menschen aus dem In- und Ausland unterschrieben. Hinzu kommen mehr als 20 000 Bürger, die sich der Online-Petition einer Elterninitiative angeschlossen haben. Kathleen Komolka, Mitbegründerin der Initiative: "Es geistern seit Monaten nur sehr vage Aussagen von Seiten der Landesregierung durch den Raum. Die Rede ist von einer Mindestschülerzahl Fünf und davon, dass man sich an Sachsen orientieren wolle." Nach Gesprächen mit zahlreichen Grundschulen in der Region wisse man, dass auch die Zahl Fünf für viele Sorbisch-Klassen das Aus bedeuten würde. "Gerade in den Randbereichen, in Schulen in Burg, Vetschau, Straupitz und Lieberose wird um jeden Schüler für Witaj gekämpft", so Kathleen Komolka. Und ihre Mitstreiterin Astrid Schramm ergänzt: "Wenn in den Grundschulen der Sorbischunterricht wegbricht, dann kommen natürlich auch immer weniger Kinder ans Niedersorbische Gymnasium - und letztlich fehlen irgendwann die Sorabistik-Studenten, die später als Lehrer ans NSG zurückkehren können."

Schon jetzt hat der Lehrermangel im Bereich des Sorbischunterrichts fatale Folgen. "Es gibt Schulen, da fällt der Unterricht seit einem halben Jahr aus, weil die Lehrkräfte erkrankt sind", sagt Kathleen Komolka. Und nicht alle Lehrer, die derzeit an den Schulen arbeiten, verfügen über optimale Sprachkenntnisse. Viktor Zakar: "Das Land ist dafür verantwortlich, eine angemessene Weiterbildung zu organisieren, damit alle Kinder einen guten Sprachunterricht bekommen." Das Recht auf Sorbischunterricht ist in der brandenburgischen Verfassung festgeschrieben.