Von René Wappler

Von der Straßenbahn ist nur noch ein Gerippe übrig. Kabel schlängeln sich über den Fußboden. Fenster, Türen, Sitze sind verschwunden. Von der Decke hängen Drähte.

Was zunächst nach den Folgen einer schweren Havarie aussieht, folgt in Wahrheit einem Plan. Die Mitarbeiter von Cottbusverkehr entkernen in ihrer Werkstatt alte Straßenbahnen, um sie dann wieder neu aufzubauen. So sollen die Fahrzeuge die Frist bis zur nächsten Hauptuntersuchung in acht Jahren überstehen.

Das genügt jedoch nicht. Zum Bestand von Cottbusverkehr zählen derzeit 21 Straßenbahnen, die nur zu einem Drittel barrierefrei ausgestattet sind. Ihr Durchschnittsalter liegt nach Angaben des Pressesprechers bei 32 Jahren. „Deshalb besteht der Bedarf, neue Bahnen zu beschaffen“, sagt Robert Fischer. Spätestens ab dem 1. Januar 2022 soll der öffentliche Nahverkehr einen vollständigen barrierefreien Service anbieten. So sieht es die Richtlinie der Europäischen Union vor. Das kostet „eine Menge Geld“, wie der Pressesprecher erläutert. Auf 2,25 Millionen Euro beläuft sich der Preis für eine neue Straßenbahn laut der Unterlagen der Stadtverordneten.

Drei Städte kooperieren

Also arbeitet Cottbusverkehr beim Kauf mit den Transportunternehmen in Frankfurt (Oder) und der Stadt Brandenburg zusammen.  Zu dritt planen die Firmen den Erwerb von insgesamt 45 Bahnen. Cottbusverkehr bestellt sieben davon fest, 13 weitere als Option. Denn noch reichen die Fördermittel nicht, wie der Pressesprecher einräumt. „Die Finanzierung ist derzeit bis zum Jahr 2023 gesichert“, sagt Robert Fischer.

Das Vergabeverfahren haben die drei Verkehrsunternehmen bereits abgeschlossen. Am 7. März gingen die finalen Angebote bei Cottbusverkehr ein. Sie wurden nach den Worten des Pressesprechers „analysiert und bewertet“.  

Geschäftsführer Ralf Thalmann geht davon aus, dass die neuen Straßenbahnen mindestens 40 Jahre im Betrieb sein werden. Das entspricht einer Strecke von 2,5 Millionen Kilometern pro Fahrzeug, wie er im Frühjahr vor den Stadtverordneten berichtete. Zur Ausstattung gehören Klimaanlagen in den Passagierräumen und Fahrscheinautomaten. Außerdem sieht der Standard digitale Anzeigen innen und außen vor sowie Flächen für Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren, Fahrräder und schweres Gepäck an mindestens zwei Türen.

Knifflige Details zu beachten

In mancher Hinsicht gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen aus Frankfurt (Oder) und Brandenburg auch schwieriger. Das gibt Pressesprecher Robert Fischer zu bedenken. „Die Fahrzeugbreite unterscheidet sich ja von Stadt zu Stadt, ebenso der Kurvenradius“, sagt er. „Die Partner müssen solche Details bei einer Kooperation beachten.“

Auch in Zukunft werden die Mitarbeiter von Cottbusverkehr ihre alten Straßenbahnen entkernen und umbauen. Anfangs betrug der Aufwand für ein Fahrzeug ungefähr 250 000 Euro. Doch die Kosten steigen. Robert Fischer erklärt: „Es wird ja immer komplizierter, die Ersatzteile zu beschaffen, weil der Hersteller der Tatra-Bahnen nicht mehr in seiner früheren Form existiert.“ So gelang es den Fachleuten von Cottbusverkehr zu Beginn noch, zwei Fahrzeuge im Jahr zu sanieren. Mittlerweile sind es im Durchschnitt nur 1,7 Bahnen jährlich. Diese Tendenz wird sich fortsetzen. Schon jetzt belaufen sich die Kosten für den Umbau einer alten Bahn auf mindestens 380 000 Euro.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags stand, die Spurbreite unterscheide sich von Stadt zu Stadt. Richtig ist, dass es sich um die Fahrzeugbreite handelt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.