Von Peggy Kompalla

Ein gelber Transporter rauscht auf den Postparkplatz vor. Ein Mann springt raus und geht schnurstracks zum Parkautomaten. Doch er ist weder Postbote, noch will er ein Ticket lösen. Er ist ein Mitarbeiter des Geldtransportunternehmens Prosegur und leert den Automaten. Die Münzen klimpern durch eine kleine Öffnung in einen versiegelten Behälter. In Zukunft könnte diese Arbeit überflüssig werden. Denn seit Donnerstag kann auch in Cottbus mit dem Handy bezahlt werden. Das erweitert den Service, denn die neuen Automaten akzeptieren bereits EC-Karten.

Die Stadt Cottbus kooperiert seit dem 2. Mai mit Smartparking – einer Initiative für digitale Parkraumbewirtschaftung. Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluss der führenden Anbieter elektronischer Zahlungssysteme für bargeldloses Parken. Ziel der Initiative ist es demnach, das unkomplizierte Bezahlen von Parkgebühren mit dem Smartphone als Alternative zu Parkuhren und Parkscheinautomaten bundesweit zu etablieren. Dabei versteht sich die Plattform als Berater von Kommunen bei der Einführung des neuen Zahlungssystems. In Cottbus stehen fortan folgende sechs Handypark-Anbieter zur Verfügung: Park and Joy, EasyPark, ParkNow, moBILET, travipay und Yellowbrick/Flowbird. Mit all diesen Smartphone-Applikationen kann zwar bezahlt werden, doch wo es tatsächlich einen freien Parkplatz gibt, verraten die Anwendungen nicht. Noch nicht, wie Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) betont.

Martin Gransalke vom Ordnungsamt erklärt erst einmal das Prozedere: „Der Nutzer kann frei zwischen den sechs Anbietern wählen. Dabei startet der Autofahrer den Parkvorgang entweder direkt per App, Anruf oder SMS.“ Die Parkzeit kann ganz nach Bedarf gestoppt oder verlängert werden. Letzteres geht dann ganz bequem vom Café, dem Geschäft oder der Konferenz aus. „Dafür muss man dann nicht extra zum Automaten laufen“, sagt Martin Gransalke. „Allerdings gilt auch per Handy die Höchstparkdauer von drei Stunden.“

Die Bedingungen der App-Anbieter sind sehr verschieden. In jedem Fall wird eine Service-Gebühr für jeden Parkvorgang fällig. Diese variiere zwischen zehn und 40 Cent. „Darüber muss sich jeder klar sein“, ergänzt Martin Gransalke. „Auch darüber, welche Daten jeder preisgeben will.“ Wenn nun jemand mit dem Handy bezahlt, gibt es dafür kein Parkticket. Woher weiß der Kontrolleur dann, dass der Autofahrer ordnungsgemäß fürs Parken gezahlt hat. „Das funktioniert über die zentrale Abfrage bei dem Dachverband Smartparking“, erklärt Martin Gransalke. Die Ordnungsamtsmitarbeiter geben also das Autokennzeichen in die Datenbank ein und bekommen sofort eine Rückinfo, ob für das Fahrzeug ein Ticket bezahlt wurde und wie lange es gültig ist.

Bezahlen ist schön und gut. Aber ein echter Service wäre es doch, vorab zu wissen, auf welchem Parkplatz und in welchem Parkhaus überhaupt noch freie Stellplätze vorhanden sind. „Das wird kommen“, kündigt Oberbürgermeister Kelch an. „Wir haben vor kurzem mit T-Systems in Bonn eine Kooperation unterzeichnet. Damit sind wir nach Jena die zweite Stadt in Ostdeutschland, die diesen Service anbieten wird.“ Die Telekom-Tochter betreibt die App Park and Joy, die den gesamten Parkprozess anbietet von der Suche über die Navigation zum Zielort bis hin zum Parkscheinlösen. „Im Laufe des Jahres werden die Sensoren in Cottbus installiert“, sagt Holger Kelch. „Das funktioniert aber  nur über das 5 G-Netz.“ Das neue deutlich leistungsfähigere Mobilnetz kommt damit demnächst nach Cottbus.

Den meisten Parkplatznutzern ist das am Donnerstag egal. Sie holen Kleingeld aus der Tasche und lassen es in den Automaten am Postparkplatz klimpern.