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| 17:50 Uhr

Imageproblem
„Nazistadt“ oder Lausitzmetropole

Kundgebung und Demonstration unter dem Motto "Grenzen ziehen" am Samstagnachmittag (14.04.2018) auf dem Stadthallenvorplatz und durch die Cottbuser Innenstadt. Aufgerufen hatten der Verein "Zukunft Heimat" aus Golßen und verschiedene Bündnisse.
Kundgebung und Demonstration unter dem Motto "Grenzen ziehen" am Samstagnachmittag (14.04.2018) auf dem Stadthallenvorplatz und durch die Cottbuser Innenstadt. Aufgerufen hatten der Verein "Zukunft Heimat" aus Golßen und verschiedene Bündnisse. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Der OB sorgt sich ums Cottbuser Image – nicht unberechtigt, wie Touristiker bestätigen. Von Daniel Schauff

„Nazistadt“ – Das Bild, das in den vergangenen Monaten von Cottbus entstanden sei, sei „verheerend“, sagt Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU). Nicht zuletzt die Hoteliers und Touristiker in der Stadt bekämen das zu spüren. Erste Einbußen seien zu verzeichnen, so der OB.

„Das kann ich tatsächlich bestätigen“, sagt Sandra Jacobs, General Manager im Radisson Blu-Hotel am Bahnhof. Reisegruppen hätten in den vergangenen Wochen ihren Besuch in der Lausitzmetropole storniert. Vor allem ältere Menschen fühlten sich nicht mehr sicher. Auch kämen viele Rückfragen zur Lage in der Stadt, sagt die Hotel-Chefin. Vor allem im Februar und im März habe das Hotel die Stimmung in der Stadt deutlich zu spüren bekommen. Mittlerweile, so Sandra Jacobs, entspanne sich die Lage allerdings etwas.

Frank Ulrich, Direktor im Sorat-Hotel an der Sprem bestätigt: Das Bild von Cottbus sei schrecklich. Er selbst sei wiederholt gefragt worden, ob man in der Stadt denn noch auf die Straße gehen könne. Für berechtigt hält der Hotel-Chef das nicht. Auswirkungen auf sein Hotel habe er nicht feststellen können. Michael Fehrmann vom Lindner Congress-Hotel an der Stadthalle will sich nicht zu den Entwicklungen in seinem Haus äußern.

Deutlich spürbar ist der Imagewandel derweil beim Touristikdienstleister CMT, verantwortlich unter anderem für die Stadthalle. Das bestätigt Geschäftsführerin Daniela Kerzel. Vor allem der Kommunikationsaufwand sei gewachsen, sagt sie. Sowohl von Besuchern der Stadthalle als auch von Veranstaltern. Gerade der Stadthallenvorplatz war im vergangenen Jahr zu einem Hotspot für die wiederholten, teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen geworden. Besucher wie Veranstalter äußerten sich gegenüber der CMT besorgt, fragten, ob es sicher sei, die Stadthalle abends zu verlassen.

„Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass sie das Alkoholverbot wieder in Kraft gesetzt hat“, sagt die CMT-Geschäftsführerin. Bereits im vergangenen Jahr habe sich das an der Stadthalle äußerst positiv ausgewirkt. Zusätzlich habe die CMT das Sicherheitskonzept bei Veranstaltungen angepasst. Auch Daniela Kerzel spürt eine langsame Beruhigung der Lage – das überregionale Medieninteresse an Cottbus habe wieder abgenommen, entsprechend auch die Sorgen der Besucher und Veranstalter.

Auch BTU-Präsident Jörg Steinbach sorgt sich um die Auswirkungen auf seine Uni, gerade deren Attraktivität für ausländische Studierende. Das hat er seit Januar mehrfach betont. Der nächste große Studienbeginn, sagt BTU-Sprecherin Marita Müller, sei im Herbst. Da würde sich zeigen, ob und inwiefern die BTU an Anziehungskraft verloren habe. Mehr Studienabbrüche als sonst gebe es allerdings nicht. Marita Müller ergänzt: Die ausländischen Studierenden – rund 2000 gibt es an der BTU – gingen mit der Situation in Cottbus souverän um, bekämen Unterstützung im für die Anliegen ausländischer Studierender zuständigen International Office.