(noh) Sie sehen aus wie  gigantische Urzeitmonster mit riesigen Augen, deformierten Rüsseln oder Köpfen, die an bizarre Bisons erinnern. Dabei handelt es sich um winzige Insekten. Im Cottbuser Stadtmuseum wurde am Mittwoch unter dem Titel „Metamorphosen - Wundersame Verwandlung im Reich der Insekten" eine neue Sonderausstellung mit großformatigen, farbigen Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop   von Insekten eröffnet - vom Schmetterling bis zur Eintagsfliege.

Wobei diese Fotogalerie für das Stadtmuseum den Anlass gibt, auf die Bedeutung hinzuweisen, die Insekten für die menschliche Kultur haben, und auf die Faszination, die diese Tiere auf die Menschen ausüben.

Seit Jahrmillionen auf dem Globus

„Insekten bevölkern seit Jahrmillionen die Erde - und wir haben dazu auch  viele Objekte in unseren Sammlungen“, erklärt Museumsdirektor Steffen Krestin. Wirtschaftliche Relevanz für Cottbus hatten einst vor allem Seidenraupen, für die extra Maulbeerbäume als Futter angepflanzt wurden. Während die Seidenherstellung heutzutage keine Rolle mehr spielt, sind die Bienen als Honiglieferanten und Bestäuber so wichtig wie eh und je. So kann man in der Sonderausstellung einen geflochtenen Bienenkorb aus dem 19. Jahrhundert genauso bestaunen wie eine moderne Imkerausrüstung. Wirtschaftlich relevant waren Insekten auch als Schädlinge - wie diverse Insektenfallen und Giftspritzen in der Ausstellung belegen. Postkarten und Fayancen erinnern an die Inspiration, die die farbenprächtigen und skurril geformten Insektenkörper auf Künstler ausüben. Schaukästen mit aufgespießten Insekten aus alten Beständen Cottbuser Schulen zeigen, wie einst den Kindern diese Tiere nahegebracht wurden.

Frühes Interesse der Wissenschaft

Wie früh die wissenschaftliche Beschäftigung mit Insekten begann, belegt ein dickes Buch über Naturwissenschaften von 1650, also kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, mit einem eigenen Abschnitt  „Insectis“.  Ein besonderes Highlight der Ausstellung sind Insekten aus der geologischen Sammlung des Museums.  Dazu gehören 100 Millionen Jahre alte Heuschrecken, die sich deutlich auf Kalkplatten aus brasilianischen Fundorten abzeichnen. Genauso spannend sind rund 50 Millionen Jahre  alte, in Bernstein eingeschlossene Fliegen, die in Schlabendorf-Süd gefunden wurden.

Das Stadtmuseum als Allrounder

„Wir sind ein Museum mit Allround-Background“, betont Steffen Krestin. Was sich in dieser Ausstellung wieder beweise. Wobei Besucher der Eröffnung bedauerten, dass das „Museum der Natur und Umwelt“ in Cottbus 2005 geschlossen wurde. Dessen Bestände sind jetzt im Stadtmuseum aufbewahrt. So fragt Rolf Striegler: „Wie will man die Kinder für Naturwissenschaften gewinnen, wenn es dafür keine besonderen, dauerhaften Einrichtungen gibt?“

Die Sonderausstellung "Metamorphosen“ ist bis 11. August zu sehen. Di bis Fr 10 - 18 Uhr; Sa/So/Feiertag 13 - 18 Uhr