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| 17:14 Uhr

Naturschutz
Mehr pflanzen, weniger sägen

Johann Staudinger (BUND, l.), Werner Richter (Naturschutzverein), Johannes Schilka (Landschaftspflegeverein Lausitz) und Siegbert Budischin (Umweltausschuss im Kreis) kämpfen gemeinsam gegen das vorschnelle Abholzen von Straßenbäumen.
Johann Staudinger (BUND, l.), Werner Richter (Naturschutzverein), Johannes Schilka (Landschaftspflegeverein Lausitz) und Siegbert Budischin (Umweltausschuss im Kreis) kämpfen gemeinsam gegen das vorschnelle Abholzen von Straßenbäumen. FOTO: Hilscher / LR
Kolkwitz. Naturschützer in Stadt und Umland kämpfen für den Erhalt von Straßenbäumen

Es ist eine gewichtige Gruppe von Naturschützern, die sich da im Forsthaus Kolkwitz zur Lagebesprechung getroffen hat: Vertreter verschiedener Umweltorganisationen wollen alles daransetzen, das Baumsterben entlang der Straßen im Spree-Neiße-Kreis einzudämmen. „Gerade in den letzten Wochen war ich immer wieder erschüttert, wie viele kostbare Bäume quasi über Nacht gefällt wurden, ohne das irgendjemand etwas davon mitbekommen hat“, sagt Johannes Schilka, Ökobauer und Vertreter des Landschaftspflegevereins Lausitz. Erst Ende Februar mussten etliche Sträucher und Bäume direkt neben Schilkas eigenem Grundstück in Werben weichen. „Selbst ich als Anwohner wusste nichts davon.“ Seine Forderung: „Würden Einwohner und Naturschutzverbände rechtzeitig über geplante Fällungen oder Totholzentnahmen informiert, könnte man gemeinsam mit Experten versuchen, zu retten was noch zu retten ist.“

Beispiel für derart gelungene Rettungsaktionen gibt es in und um Cottbus genug. Werner Richter vom Nabu-Naturschutzverein erzählt von einer 200-jährigen Linde, die der Pfarrer in Kolkwitz fällen lassen wollte. „Ihm waren die Pflege- und Versicherungskosten zu hoch.“ Nach verschiedenen Beratungen erklärte sich die Gemeinde bereit, die Pflegearbeiten zu übernehmen. Der Baum darf stehenbleiben. „Wir arbeiten ohnehin ganz gut mit der Gemeinde Kolkwitz zusammen“, sagt Richter. Er werde regelmäßig über geplante Maßnahmen informiert und oft um Rat gefragt. Anders scheint es bei Baumschnitten zu sein, die der Kreis oder das Amt Burg anordnen. Siegbert Budischin, Kreistagsabgeordneter und Gemeindevertreter in Burg, sagt: „Wir werden nicht informiert, nicht einbezogen, erhalten keinen Nachweis über erfolgte Nachpflanzungen.“ Zwar könnten Passanten manchmal an bestimmten Farbmarkierungen erkennen, dass die Behörden Pläne für bestimmte Bäume haben. „Aber hier hat quasi jeder sein eigenes System, eine einheitliche Farbsprache gibt es nicht.“ Auch er plädiert dafür, dass Naturschützer rechtzeitig in die Fäll-Pläne von Gemeinden und Kreis einbezogen werden. „Vor fast 30 Jahren sollte die älteste Kastanie in Müschen vor dem Sportlerheim gefällt werden.“ Wir konnten sie retten und bis heute bietet sie Lebensraum für Vögel und Insekten.“ Immerhin, so sein Argument, sein man im Spreewald – und ohne Bäume kein Spreewald. Erschreckende Beispiele von schlechter Baumpflege sieht er regelmäßig im Burger Hafen oder jetzt aktuell in der Nähe von Briesen. „Da werden Bäume komplett verstümmelt und quasi totgeschnitten.“

Hoffnung macht derweil eine Ankündigung des Landkreises gegenüber der RUNDSCHAU. Der zuständige Dezernent im Landratsamt, Olaf Lalk, stellt künftige Mitteilungen zu anstehenden Baumfällungen in Aussicht. Auch zu den Ersatzpflanzungen soll künftig öffentlich informiert werden. Auf welchem Weg das geschehe, stehe noch nicht fest. Lalk stellt aber auch klar: Nicht alle Baumarbeiten könne der Kreis vorab vermelden. Für zahlreiche seien die einzelnen Kommunen verantwortlich, der Kreis bekomme davon im Zweifelsfall gar nichts mit.

Eine weitere gute Nachricht für Naturschützer und Baumfreunde hat Lalk ebenfalls parat. Entlang der L48 werden demnach 200 neue Bäume gepflanzt, sobald die Frostperiode vorüber ist.

Johann Staudinger (BUND) kämpft seit Jahren in Cottbus für den Erhalt von Bäumen und Stadtgrün. „Wir haben schon viel erreicht, die Zusammenarbeit mit den Behörden ist besser geworden.“ Dennoch fehle es manchmal an Fachwissen und Kompromissbereitschaft. Zusammen mit seinen Mitstreitern hat er daher einige Ziele des neuen Aktionsbündnisses formuliert:

Einbeziehung der Naturschützer in die Baumschauen,

Schulung von Baumpflegefirmen im Hinblick auf Naturschutzbelange (kein „Totschneiden“ der Bäume),

Informationen über geplante Nachpflanzung, möglichst mit Bäumen aus der Region,

Flächensicherung für das Nachpflanzen von Alleebäumen,

wild nachgewachsene junge Bäume am Straßenrand stehen lassen – sie können in die Baumbilanz der Gemeinden und des Kreises mit einfließen.

Baumfällungen bei Werben vom Februar
Baumfällungen bei Werben vom Februar FOTO: Schilka
Baumfällungen bei Werben vom Februar
Baumfällungen bei Werben vom Februar FOTO: Schilka
"Totgeschnitten" sagen Baumschützer zu derartigen Pflegemaßnahmen,
"Totgeschnitten" sagen Baumschützer zu derartigen Pflegemaßnahmen, FOTO: Schilka / "
(hil/dsf)