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Naturforscher entlockt auch Gesellschaft Geheimnisse

Porträt des Forschers Ludwig Leichhardt.
Porträt des Forschers Ludwig Leichhardt. FOTO: Agentur
Cottbus. Ludwig Leichhardt, 1813 in Sabrodt geboren und einst 1831 Abiturient in Cottbus, kennt in Australien jedes Schulkind als begnadeten Naturforscher. Der Geologe Rolf Striegler hat am Dienstagabend Mitgliedern und Gästen des Cottbuser Leichhardt-Arbeitskreises den Wissenschaftler als Weltbürger nähergebracht. Ulrike Elsner

In jahrelanger mühevoller Kleinarbeit hat der Cottbuser Leichhardts europäisches Reisetagebuch transkribiert. Eine Veröffentlichung im Cottbuser Regia-Verlag wird zurzeit vorbereitet.

Um den vermutlich 1848 im Outback verschollenen Entdecker, Zoologen, Botaniker und Geologen ranken sich unzählige Legenden. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und sogar ein Stadtteil von Sydney wurden nach ihm benannt. Doch der Lausitzer von Weltruf hat noch mehr zu bieten. Wie Rolf Striegler in seinem Vortrag deutlich macht, war Leichhardt ein Universalgelehrter im besten Sinne. Seine Auffassungen zu Gesellschaft und Religion erscheinen sehr modern.

"Leichhardts Betrachtungen zum Strafvollzug sind noch heute aktuell", stellt Rolf Striegler fest. In seinem Tagebuch liest sich das so: "Folgen wir nur dem Princip, die Gefangenen zu bessern Menschen zu machen: so müssen wir mehrere Bedingungen erfüllen: wir müßen sie in kräftiger Arbeit die Wochentage über beschäftigen, des Abends in getrennten, hinlänglich behaglichen Stuben sie für eine gewisse Zeit vor Schlafengehen sich selbst überlassen und des Sonntags außer dem regelmäßigen Kirchendienst, sie wo möglich in die Gemeinschaft redlicher Leute bringen.Wir müssen ihnen ein Interesse an der Arbeit gewähren und also in allem danach streben, sie das Glück und den Seegen derjenigen kennen zu lernen, welche in stiller Arbeitsamkeit Ruhe und Freude finden."

Zum Journalismus habe er mit seinem Freund William diskutiert, inwieweit ein Journalist in die menschliche Privatsphäre eindringen darf, so Striegler. Und seine Betrachtungen zur Religion zeigen: "Die katholische Kirche war ihm mächtig zuwider."

Nach Betrachtung einer Prozession in Rom notiert er: "Ich - mit andern Ideen genährt, unter andern Anschauungen groß geworden - ich stehe verwundert still und frage: wie ist es möglich dass ein so kluges geistreiches Volk, wie die Römer auch nur einen Augenblick diesem Affenschanz huldigen können, und der Römer antwortet mir: wir sind damit groß geworden, sind daran gewöhnt, glauben halb und halb lachen wir . . ."

Strieglers Fazit: "Leichhardt reicht es, dass er einen Gott anfragen konnte." Das beinhalte "die Hoffnung, später alle Religionen zu vereinen."

Termin: 12. Leichhardt-Konferenz am 19. Oktober auf dem Campingplatz Zaue mit Ausblick auf das Mystikjahr 2018, in dem sich Leichhardts Verschwinden zum 170. Male jährt.

Rolf Striegler weckt Neugier auf neue Seiten Ludwig Leichhardts.
Rolf Striegler weckt Neugier auf neue Seiten Ludwig Leichhardts. FOTO: ue