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Nächtlicher Flammentod im sechsten Stockwerk

Dramatische Szenen spielten sich in der Nacht zum Sonntag bei einem Wohnungsbrand in der Thierbacher Straße 4 ab. In der ausgebrannten Wohnung entdeckte die Feuerwehr die Leiche der 59-jährigen Mieterin. Ihr 32-jähriger Sohn konnte sich in höchster Not vomBalkon der Brandwohnung auf die einen Stock tiefer gelegene Veranda retten, erlitt aber schwerste Verletzungen. Weitere Bewohner wurden unter Verdacht der Rauchgasvergiftung untersucht. Außerdem mussten laut Polizei 26 Personen aus den Nachbarwohnungen evakuiert werden. Von Klaus Alschner

Der Alarm lief gegen 1.40 Uhr bei der Feuerwehr ein, berichtete gestern Diensthabender Heiko Malaske. Ein Bewohner des Elfgeschossers hatte gemeldet, dass es in dem Haus brennt. Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren eilten mit insgesamt 42 Mann und 15 Einsatzfahrzeugen zum Brandort. Dort, so berichtete Malaske, drangen beim Eintreffen der Feuerwehr dichte Rauchwolken aus dem Fenster der Brandwohnung. Auf dem Balkon der Wohnung befand sich der 32-Jährige. Die Feuerwehr fuhr die Drehleiter aus, um ihn aus seiner lebensgefährlichen Lage zu retten. Doch noch ehe die Drehleiter die entsprechende
Position erreicht hatte, kam eine Stichflamme aus der Wohnung, schilderte Malaske. Der Mann hängte sich daraufhin außen ans Geländer des Balkons, und es gelang ihm, sich auf die darunter liegende Veranda zu hangeln. Von dort konnte er schließlich mit der Drehleiter gerettet werden. Der 32-Jährige wurde mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert und ist inzwischen, wie die Polizei berichtet, in ein Berliner Krankenhaus verlegt worden.

Die Feuerwehr bekämpfte den Brand von der Vorder- und Rückseite des Gebäudes von Drehleitern aus. Nach etwa einer Stunde war das Feuer gelöscht. Zwölf Trupps mit schwerem Atemgerät drangen in das Gebäude ein. Dort entdeckten sie die Leiche der 59-Jährigen. Fünf Menschen wurden unter Verdacht der Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht, am Vormittag aber bereits wieder entlassen. Bis sechs Uhr war die Feuerwehr mit Nachlöscharbeiten beschäftigt.

Aussagen über die Brandursache können laut Polizei noch nicht getroffen werden. Brandursachenermittler des Landeskriminalamts nehmen heute die Untersuchungen auf. Sachschaden: mehrere 100 000 Euro.

Gestern Nachmittag kehrten in das Gebäude Thierbacher Straße 4 bereits einige Evakuierte zurück, darunter die vierköpfige Familie Dumitru. Birgit Dumitru beschreibt die Brandnacht: "Die Polizei hat gerufen: Kommen Sie schnell raus, es brennt. Ich hatte Angst. Ich wollte nicht, dass meiner Familie etwas passiert. Ich habe das Ganze Haus zusammengeschrien." Beim Verlassen des Hauses habe sie gesehen, "wie es lichterloh brannte", schilderte Birgit Dumitru. Sie habe die Wohnung mitten in der Nacht barfuß verlassen, die Kinder in Nachthemden. Von der Polizei wurde die Familie zur Wohnung ihrer Mutter in die Jänschwalder Straße gefahren.


Gestern gegen 16 Uhr kehrte die Familie in ihre Wohnung zurück. Im Treppenhaus des Elfgeschossers lag noch immer ein strenger Rauch-Geruch. Über mehrere Stockwerke hinweg ist die Fassade rußgeschwärzt. Die Hitze hat die Lamellen des Balkons nicht nur im sechsten Stockwerk, sondenr auch in den darüber liegenden Etagen verformt. Verkohlte Rückstände fanden sich gestern Nachmittag auf dem Rasen vor dem Gebäude. Zerbrochenes Fensterglas lag auf dem Boden neben dem Eingang.


Durch nächtliches Stimmengewirr waren auch Nachbarn im Gebäude neban Sonntags früh geweckt worden, berichtete ein Ehepaar der RUNDSCHAU. Es waren die Rufe der Feuerwehrleute. Vom Balkon aus konnten die Nachbarn dann die Flammen sehen. Auch der Flur des Nachbargebäudes, in dem das Ehepaar lebt, wurde "vernebelt". Das Paar verließ seine Wohnung nicht, wartete aber ab, "falls wir doch noch raus müssen." Der Nachbarin versetzte das nächtliche Feuer einen gehörigen Schock: "Ich bin gehbehindert. Wie soll ich schnell hier rauskommen?"