Öl und Benzin boten meist die Autohändler, Autoreparaturwerkstätten und vor allem Drogerien an. Es gab damals noch keine Verordnung zu speziellen Behältern, in die der Treibstoff abgefüllt werden durfte. Das Benzin wurde bei den Verkaufsstellen in unterirdischen kleinen Tanks aufbewahrt. Reste solcher kleiner Tanklager mögen auch heute noch im Erdreich vorhanden sein. Mit dem Bau von größeren Tankstellen verschwand der Kleinhandel.

Eine der größten und interessantesten Tankstellen war auf dem Muskauer Platz in Sandow erbaut worden. Am 6. Dezember 1929 konnte diese "Cottbuser Groß-Tankstation" der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Feierlichkeiten fanden im Beisein des Stadtbaurates Schröder, Vertretern der Stadtverwaltung Cottbus und leitenden Herren der "Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG", in deren Auftrag die Anlage der Tankstation erfolgte, statt. Stadtbaurat Schröder verwies auf die moderne Anlage, die dem Muskauer Platz ein besonderes Gepräge gäbe und: "dass die Stadt Cottbus um einen künstlerisch durchdrungenen und architektonisch außerordentlich reizvollen Zweckbau reicher sei."

Im Zeitungsbericht vom 7. Dezember 1929 heißt es dazu: "Das Gebäude, das von der Bau- und Industriegesellschaft Cottbus unter der Leitung von Maurermeister Günther errichtet wurde, stellt in rein architektonischer Hinsicht eine sehr gefällige Schöpfung dar. Bei dem Entwurf der Anlage diente als Vorbild eine Groß-Tankstation, wie man sie in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits seit längerer Zeit anwendet. Die neue Tankstelle, die die Form eines Pavillons erhalten hat, wurde in der Mitte des Muskauer Platzes errichtet. Breite Zufahrtsstraßen von beiden Seiten ermöglichen eine verhältnismäßig schnelle Abwicklung des Tankens. Zwei große Pumpen, die später elektrisch betrieben werden sollen, sind dazu vorhanden. Außerdem befinden sich in dem Gebäude eine Telephonzelle, Toilettenräume, eine kleine Reparaturwerkstatt und ein größerer Raum im vorderen Rundteil, in dem ein Laden untergebracht werden soll. Gleichzeitig können die Wagen durch einen mechanischen Autoheber bis zu Manneshöhe gehoben werden, wodurch eine bequeme Abschmierung und Reparatur ermöglicht wird. Eine besondere Druckluftpumpe ist ebenfalls angelegt worden, so dass namentlich bei großen Lastkraftwagen ein schnelles Aufpumpen möglich ist. Für die Großanlage ist der Muskauer Platz außerordentlich günstig gelegen, da hier die großen Autostraßen von Guben, Frankfurt, Muskau, Forst und Görlitz einmünden. Cottbus ist die einzige mittlere Provinzstadt, die eine Groß-Tankstation dieser Art besitzt. Für die Vermietung des Platzes, deren Eigentümerin die Stadtverwaltung Cottbus ist, zahlen die Werke eine jährliche Pacht. Das gesamte Gebäude geht nach einer Reihe von Jahren kostenlos in den Besitz der Stadtgemeinde über."

Diese Tankstation, bereits in den 30er Jahren als Shell-Großtankstelle bekannt geworden, war Tag und Nacht geöffnet. In dem Rundteil, der als Laden geplant war, wurde ein kleines Café eingerichtet, damit sich die Autofahrer und Mitreisende von der Fahrt erholen konnten. Das war seinerzeit einmalig in Deutschland und hatte sich schnell herumgesprochen. Der langjährige alte Tankwart Wilhelm Scholz (1909-2011) wusste viele interessante Begebenheiten und Begegnungen aus seiner Tätigkeit am Muskauer Platz zu erzählen. Leider ist inzwischen dieses kleine technische Denkmal, dieser einmalige Bau, zu Gunsten eines Tankstellenneubaus, beseitigt worden.