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Nachhaltigkeit
Aus Fehlern lernen

Cottbus. Ökologische und nachhaltige Projekte ziehen im Quasimono Bilanz. Von Stephan Meyer

Ist ein selbstbestimmtes, solidarisches Leben ohne Naturzerstörung und Konsumstreben in der Lausitz möglich? Dieser Frage widmete sich ein Abend im Quasimono, zu der die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Cottbuser Kost-Nix-Laden am Mittwoch einluden. Zu Gast waren Robert Dommel, der auf der Hofgemeinschaft Gut Ogrosen eine Käserei betreibt, sowie die Köpfe hinter dem Verein „Eine Spinnerei“, die einen nachhaltigen Hof in Neustadt/Spree führen.

Mit seiner Käserei versuche Dommel, eine Kultur aufrechtzuerhalten, die unterzugehen drohe, erzählte er den zahlreichen Gästen. Unter marktwirtschaftlichen Aspekten sei sein Ein-Mann-Betrieb wegen zu hoher Kosten nicht effizient. Doch mit seiner traditionellen Art, Käse herzustellen, will er ökologische Landwirtschaft und bäuerliche Strukturen stärken. „Ich bin fasziniert, wie glücklich man Menschen mit Lebensmitteln machen kann“, sagte Dommel. Ältere Kunden würden vor allem seinen Quark schätzen, der sie an Molkereiprodukte aus ihrer Kindheit erinnere. „Es ist dagegen befremdlich, wie industrielle Lebensmittel produziert werden“, weiß der Käsehersteller.

Frederike Böttcher und Adrian Rinnert erzählten im Anschluss von den Erfahrungen, die sie mit ihrem nachhaltigen Hof in Neustadt/Spree gemacht haben. „Nachhaltigkeit ist zu einer Worthülse geworden“, so Frederike Böttcher. Jeder verstehe etwas anderes darunter. Auf ihrem Hof versuchen sie, so weit möglich, alles selber herzustellen. „Das nötige Handwerkszeug bringen wir uns selber bei“, erklärte Rinnert. Ihr Ziel sei es, keinen großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Für die beiden ist Nachhaltigkeit eng mit dem Thema Essen verknüpft. „Als Selbstversorger wagen wir da viel“, erzählte Frederike Böttcher aus eigener Erfahrung. Sie könnten zwar nicht alles abdecken, aber mit ihrem selbst angebauten Gemüse seien sie fast das ganze Jahr unabhängig.

Doch nicht immer seien ihre Projekte erfolgreich. Zu Beginn wären sie recht naiv an die Sache herangegangen. „Wir haben kein Problem, Fehler einzugestehen“, gibt Frederike Böttcher zu. Diese seien Impulse für neue Ideen. Unter anderem haben die Hofbetreiber in mehreren Anläufen versucht, Kartoffeln in Kisten zu ziehen und sind, nach eigener Aussage, jedes Mal gescheitert. Nachhaltiges Leben hört für den Verein, der hinter dem Hof steckt, nicht an der Grundstücksgrenze auf. „Uns war von Anfang klar, dass wir uns engagieren wollen“, so Frederike Böttcher. Unter anderem wollen sie mit Workshops und Seminaren Aufklärungsarbeit leisten.