Für seine 41 Jahre wirkt er erstaunlich jung, wie er da vor den noch nackten Wänden in seinem neuen Büro sitzt. Seit dem 1. Januar ist Stefan Körner Chef der Stiftung Park und Schloss Branitz, gedanklich aber hat er sich schon seit vielen Monaten mit seiner neuen Aufgabe vertraut gemacht. Das pücklersche Erbe zu verwalten, ist eine Aufgabe, die ob ihrer Größe leicht schlaflose Nächte bereiten könnte.

Körner aber bleibt gelassen, er hat Erfahrung mit Herausforderungen. In Österreich hat der studierte Kunsthistoriker für die Gemäldesammlung der Fürsten Liechtenstein gearbeitet, immerhin eine der bedeutendsten Privatmuseen der Welt. Anschließend hat er Schloss und Park Esterhazy als Anziehungspunkt für Kulturtouristen etabliert, die letzten sechs Jahre war Körner beim Berliner Auktionshaus Villa Grisebach als Spezialist für Kunsthandwerk beschäftigt.

Stefan Körner setzt auf heimische Vorzüge

„Ich wollte wissen, wie man Kunst einen Preis gibt und lernen, wie die Welt der Mäzene und Sammler funktioniert.“ Ihm geht es, so sagt er, um die Frage, wie man Schönes und Spannendes aus der Geschichte in die Zukunft tragen könne. Die Zeit im Ausland habe ihm geholfen, den eigenen Fokus zu erweitern und herauszufinden, wie herausragend Kultur und Landschaften im heimischen Brandenburg sind. „Der Schritt in die Lausitz, die mir von Kindesbeinen an vertraut ist, war also nur folgerichtig.“

Längst hat er sich eingelebt in Cottbus, wohnt direkt in der Innenstadt und schwärmt von den Schönheiten der Stadt und ihrer Umgebung, wie es Cottbuser selbst nur selten tun. „Aber ich nehme die Stadt und die Menschen insgesamt anders wahr, als ich es nach Schilderungen erwartet hatte.“ Einen selbstbewussten, fast trotzigen Charme attestiert er den Lausitzern, außerdem eine gewissen Ungeduld.

Pückler als Ideengeber für den Strukturwandel

„Ich habe in den Unterlagen gelesen, dass Bundespräsident Köhler zu seinem Amtsantritt in der Stadt war und vom dringend notwendigen Beginn des Strukturwandels gesprochen hat.“ Das war 2005. „Jetzt erwarten die Menschen zurecht, dass etwas passiert.“

Die Stadt brauche Mut zum Aufbruch, Branitz und Pückler könnten dazu die passenden Ideen liefern. „Der Gartenfürst steht für positive Veränderung, er hat aus einer wüsten Landschaft diesen unglaublich tollen Park geschaffen“, sagt Körner. Diese Geschichte immer wieder zu erzählen und die Namen Cottbus und Lausitz damit bekannter zu machen, das sieht der neue Stiftungschef als seine Aufgabe an.

Den von seinem Vorgänger begonnenen Kampf um die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste will Körner weiterführen. „Die Gespräche dazu laufen auf unterschiedlichsten Ebenen. Mit der Unesco, mit Bund und Land. „Aber die Hürden werden immer höher und wir müssen immer komplexere Begründungen liefern, warum unsere Bewerbung Erfolg haben sollte.“

Körner will dabei den Bogen weiter spannen als bisher, das Augenmerk soll nicht nur auf dem Wirken des Gartenfürsten liegen. Sein Erbe will er einbetten in die Geschichte der Lausitz, die über 400 Jahre hinweg massiv von Menschenhand geprägt und verändert wurde. Aus der einstigen Sumpflandschaft wurde der heutige Spreewald geschaffen, die Cottbuser Ödnis zum Branitzer Park modelliert, heute verwandeln sich zerstörte Bergbaulandschaften in eine touristisch reizvolle Seenlandschaft.

Neue Visionen für die Lausitz

Stefan Körner gerät ins Schwärmen, skizziert Visionen. Doch auch die harten Branitzer Fakten hat er parat. 40 Millionen Euro, die seit 1990 an Fördermitteln in Schloss und Park geflossen sind, die Schaffung der Landesstiftung, all das seien solide Fundamente, auf denen man aufbauen kann. „Die Stadt steht vorbehaltlos hinter Branitz, ich habe tolle Mitarbeiter und die Cottbuser lieben ihren Park, wie ich es noch in keiner anderen Stadt erlebt habe.“

Es habe ihn beeindruckt, wie sich die Stadtgesellschaft engagiert habe, um die Aussichten des Branitzer Parks zu schützen: Aus bürgerschaftlichem Engagement heraus hatten Unbekannte störende Banner an der alten Gärtnerei abgenommen, auf denen Investoren die Schaffung eines neuen Baugebiets gefordert hatten. „Wir sind an allen Gesprächen beteiligt, die es um diese Flächen gibt“, sagt Körner. Die Stadt bleibe bei ihrer klaren Haltung, dass es im Außenbereich des Parks nicht zu einer Ausweisung von Bauland komme.

Obwohl Stefan Körner sich erst wenige Monate mit Wohl und Wehe des Parks beschäftigt, spürt er den Druck, der auf dem Gartenkunstwerk lastet. Besiedlungsdruck, Bedrohung durch den Klimawandel, drängende Sanierungsarbeiten. Dennoch freut sich der neue Chef auf seine neuen Aufgaben. Für das erste Halbjahr 2020 hat er schon einige Highlights im Köcher. „Wir werden Kunstwerke nach Branitz zurückholen, auf die wir uns sehr freuen.“

Keine Chance für Langeweile

Mit dem Stadtmuseum arbeitet Körner eng zusammen, zur BTU gibt es ebenfalls enge Kontakte. „Und ich freue mich sehr, dass mein Vorgänger Gert Streidt weiterhin in der Stadt lebt und der Stiftung eng verbunden bleibt.“ Wenn es mal langweilig wird, dann kann Körner mit seinem Vorgänger trefflich schwärmen. Vom Weltbürger Pückler und seinen verrückten Ideen, seinem Schaffensdrang und seiner Wandlungsfähigkeit – die dann wieder direkt auf die Lausitzer Gegenwart verweist.

Bedeutender Personalwechsel in Cottbus Abschied von Schloß und Park Branitz

Cottbus

Stiftung bittet Cottbuser um Unterstützung


In diesem Jahr thematisiert die Stiftung Schloss und Park Branitz das Kriegsende 1945 und seine Auswirkungen auf das Werk Pücklers. „Wir zeigen Zerstörungen und machen sichtbar, welche Folgen die Bodenreform auf den Branitzer Park gehabt hätte“, sagt Stiftungschef Stefan Körnen. Dazu wird die Schmiedewiese parzelliert.

„Wir gehen davon aus, das zahlreiche Cottbuser Schätze aus dem Schloss bei sich zuhause vor der drohenden Zerstörung bewahrt haben“, sagt Körner. „Wir würden uns wahnsinnig freuen, wenn sie uns die Geschichte dieser Stücke erzählen würden und sie an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren können.“ Er bittet Cottbuser, die möglicherweise Gegenstände aus dem Schloss in ihrem Besitz haben, sich mit der Stiftung in Verbindung zu setzen. info@pueckler-museum.de