ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:33 Uhr

Verheerender Zyklon Idai
Cottbuserin baut in Mosambik Wasserversorgung wieder mit auf

 Annika Badorreck vor einem Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks in Cottbus.
Annika Badorreck vor einem Einsatzwagen des Technischen Hilfswerks in Cottbus. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Annika Badorreck aus Cottbus ist mit einem Team des Technischen Hilfswerks nach Mosambik geflogen, um nach dem verheerenden Zyklon Idai Brunnen wieder instand zu setzen und die Wasserversorgung Von Nils Ohl

„Ich war von dem Ausmaß der Zerstörung komplett überrascht“, sagt Dr. Annika Badorreck. Die Cottbuserin war für das Technische Hilfswerk (THW) einen Monat in Mosambik im Einsatz und ist jetzt zurückgekehrt. Im März hatte der Zyklon Idai ganze Landstriche in Mosambik, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, verwüstet. Etwa 600 Menschen kamen ums Leben.

„Zuerst kam der Wind, der hat die Dächer, meist nur aus einfachem Wellblech, abgedeckt. Dann kam der Regen und hat die aus Lehm gebauten Häuser zerstört. Selbst der Flughafen von Beira war verwüstet. Der Dreck, die Zerstörung, das überwältigt einen“, schildert Annika Badorreck ihre ersten Eindrücke nach der Ankunft.  Der Regen hatte auch alle Brunnen und Latrinen überschwemmt.

Das THW-Team von Annika Badorreck hatte daher die Aufgabe, die Trinkwasserversorgung wieder herzustellen. Der Einsatzort hieß Nhangau, ein kleiner Ort von rund 12 000 Einwohnern, zirka 120 Kilometer von der nächsten Großstadt Beira entfernt. „Weil alle Strommasten umgeknickt waren, gab es in der ganzen Region keinen Strom“, erinnert sich die Helferin.

Das Wasser kommt aus öffentlichen Brunnen

Und anders als in Europa üblich liegen die Wasseranschlüsse nicht im Haus, sondern die Bevölkerung holt sich das Wasser von öffentlichen Brunnen, die bis zu 500 Meter entfernt stehen. „Wir haben rund 25 solcher Brunnen instand gesetzt“, erklärt Annika Badorreck.  

 Auf dem Foto ist zu sehen, wie Wasserproben aus Brunnen zur chemischen und biologischen Analyse des Wassers genommen werden...Dies ist ein Brunnen in Nhangau, der mehrere Jahre nicht in Benutzung war und nun rehabilitiert werden sollte. ..
Auf dem Foto ist zu sehen, wie Wasserproben aus Brunnen zur chemischen und biologischen Analyse des Wassers genommen werden...Dies ist ein Brunnen in Nhangau, der mehrere Jahre nicht in Benutzung war und nun rehabilitiert werden sollte. .. FOTO: Annika Badorreck / THW/Andreas Balke

Die Brunnen mussten dazu von Unrat befreit sowie deren Betonfundamente oder auch mechanischen Teile repariert werden. Neben der Brunnenrehabilitation hat sich das THW-Team auch um die Aufbereitung und Verteilung  von sauberem Wasser und die Instandsetzung von Latrinen gekümmert.

Annika Badorreck erfüllte dabei die Funktion der Trinkwasserlaborantin. Sie analysierte, ob das Brunnenwasser wieder sauber genug war, um es zu trinken. Sie erfüllte aber auch eine Reihe weiterer Aufgaben, wie Tests, ob das in den Notkrankenhäusern ausgegebene Trinkwasser unbedenklich war.

„Als wir im ankamen, waren wir das zweite Seewa-Team des THW vor Ort. Und für mich persönlich war es der erste THW-Auslandseinsatz“, so Annika Badorreck. Wobei Seewa für „Schnelle Einsatzeinheit Wasser“ steht. Zu so einem THW-Team gehören, je nach Aufgabenprofil,  zehn bis 13 Leute.

Ausgleich zur Arbeit im Büro

Im „normalen Leben“ ist Annika Badorreck  wissenschaftliche Mitarbeiterin der BTU Cottbus-Senftenberg am Forschungszentrum Landschaftsentwicklung und Bergbaulandschaften.

Seit  viereinhalb Jahren engagiert sich sich beim THW und hat in dieser Zeit  etliche Lehrgänge und Ausbildungseinheiten absolviert, um sich für die Aufgabe als THW-Trinkwasserlaborantin zu qualifizieren. Arbeitnehmer müssen laut Gesetz für THW-Schulungen und für  die Einsätze vom Arbeitgeber freigestellt  werden. „Trotzdem bin ich froh, dass mein Arbeitgeber da sehr kulant ist. Denn wenn ich, wie jetzt, vier Wochen im Ausland bin, müssen das meine Kollegen ja abpuffern“, sagt Annika Badorreck.

Zum THW sei sie gegangen, um einen eine Ausgleich zu ihrer alltäglichen Arbeit im Büro, im Labor und der Lehre zu suchten. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen und Menschen helfen.“

Durchweg freundlich

Mit den Mosambikanern selbst hat Annika Badorreck leider nur eingeschränkt reden können, da dort nur wenige Englisch beherrschen und die Helfer kein Portugiesisch verstanden.

„Aber die Menschen waren durchweg freundlich und neugierig“, erinnert sich Annika Badorreck. So habe bei den Brunnenarbeiten immer eine Menge Kinder zugeschaut. Trotz der großen Armut gab es keine Kriminalität oder Diebstähle. „Wir hatten ja eine teure Ausrüstung dabei. Aber es ist nicht ein Schraubenschlüssel weggekommen“, sagt Annika Badorreck. Und so einen THW-Auslandseinsatz würde sie jederzeit wieder machen.

 Annika Badorreck nimmt als THW-Helferin eine Wasserprobe aus einem Brunnen in Mosambik. Dieser Brunnen besteht nur aus einem gegraben Erdloch, das oberirdisch mit Autoreifen befestigt wird.
Annika Badorreck nimmt als THW-Helferin eine Wasserprobe aus einem Brunnen in Mosambik. Dieser Brunnen besteht nur aus einem gegraben Erdloch, das oberirdisch mit Autoreifen befestigt wird. FOTO: Annika Badorreck / THW/Savalin Thiemann