(dsf) Viel Applaus für „KRG“ gab es in den vergangenen Wochen und Monaten. „KRG“, das „Skandalstück“ aus dem Piccolo-Theater, das die AfD zu einer Kleinen Anfrage im Landesparlament bewogen hat, mit der die Partei nichts anderes erreichen wollte als klarzustellen: Wir wollen den Rotstift ansetzen – bei der Kultur. Vor allem bei der Kultur, die sich politisch und gegen die Linie der AfD zeigt. „KRG“ tut das. Es geht um Krieg, in Deutschland. Es geht um Flucht, von Deutschen in fremde Länder. Regisseur Matthias Heine hat den Spieß umgedreht, die AfD ganz unabsichtlich offenbar empfindlich getroffen, und eben diesen großen Applaus eingefahren. Fürs Stück, für den Umgang des Piccolo-Theaters mit der AfD-Anfrage.

Aufklären und Demokratie fördern

„Es wird mir eine Freude sein, die Entsiffung des Kulturbetriebs in Angriff zu nehmen.“ Mit einem Zitat des AfD-Bundespolitikers Marc Jongen startet der frühe Nachmittag im Piccolo-Theater am Freitag. Bettina Jahnke, Intendantin des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, sagt den Satz, der seinerzeit – noch weit vor dem Wirbel um „KRG“ – für Wirbel in der deutschen Kulturlandschaft gesorgt hat. In Berlin schließen sich daraufhin Kultureinrichtungen zusammen, veröffentlichen gemeinsam eine „Erklärung der Vielen“. Damit verpflichten sie sich zu einem „offenen, aufklärenden kritischen Dialog über rechte Strategien“ (...), um „unsere Gesellschaft als eine demokratische fortzuentwickeln“.

Ein Podium für völkisch-nationale Propaganda gebe es an den teilnehmenden Häusern nicht, ebenso keine Instrumentalisierung durch Rechtsnationale. „Wir verbinden uns solidarisch mit Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden“, heißt es in der Berliner Erklärung weiter.

Es folgen ähnliche Erklärungen aus ganz Deutschland – Bayern, Nordrhein-Westfalen, Frankfurt, Halle, Hamburg ... Und nun auch aus Brandenburg. Das Piccolo-Theater als Ort der zentralen Pressekonferenz, eines Treffens der Akteure hinter der Erklärung – nach dem „KRG“-Wirbel alles andere als ein Zufall. Wohl deshalb zeigt Theaterchef Reinhard Drogla der Runde auch den aufwendigen Trailer zum Stück. Es gibt wieder Applaus.

Nicht einsam, sondern gemeinsam

Es sei menschlich für ihn wichtig, dass er wisse, nicht allein dazustehen, sagt Drogla. Der Angriff der AfD auf sein Theater laufe ab wie jeder derartige Angriff: Isolation und Attacke. Das mit der Isolation allerdings soll künftig nicht mehr allzu einfach sein. Die Solidarität der Brandenburger Kulturschaffenden ist sichtbar im Piccolo-Foyer. In verschiedenen Sprachen ziert der Spruch „Wir sind viele“ goldene Passepartouts in Bilderrahmen. Ganz ähnlich sehe es in den anderen Einrichtungen aus, die sich hinter die Erklärung stellten, sagt Bettina Jahnke.

Dabei allein dürfe es allerdings nicht bleiben, sagt Sergé Mund, Geschäftsführender Direktor am Cottbuser Staatstheater. Wichtig sei auch, was die Einrichtung biete. Er nennt den Leseclub seines Theater als Beispiel, der Interessierten die deutsche Kultur näher bringen soll. Matthias Heine nennt das Kolabor, bei dem Geflüchtete und Deutsche im Piccolo gemeinsam Bühnenerfahrungen sammeln.

Ulrike Kremeier, Direktorin des Brandenburgischen Museums für moderne Kunst, gehört ebenfalls zu den Unterzeichnern der Erklärung. Aus anderen öffentlich geförderten Museen habe sie gehört, dass aus den jeweils zuständigen Verwaltungen eine Unterzeichnung untersagt worden sei. Interessant, sagt sie, seien also nicht nur die Institutionen, die unterzeichnet hätten, sondern auch die „weißen Flecken“ auf der Karte. Drogla, auch Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung Cottbus, habe dem Parlament von der Erklärung berichtet. Von dort und aus der Verwaltung habe er keine Vorbehalte vernehmen können.

Im Mai wollen Kunst- und Kulturschaffende der Erklärung mit einer Demonstration in Berlin Nachdruck verleihen. Mehr zum Thema auf: www.dievielen.de