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| 12:27 Uhr

Nach dem Messerangriff im Jobcenter
Cottbuser Jobcenter erhöht die Sicherheit

 Im Gebäude der Arbeitsagentur Cottbus gelten seit dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.
Im Gebäude der Arbeitsagentur Cottbus gelten seit dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Nach dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin verstärkt die Agentur für Arbeit in Cottbus die Zusammenarbeit mit der Polizei und sichert das Gebäude weiter ab. Das bekommen auch die Kunden zu spüren. Von Peggy Kompalla

Nach dem Messerangriff auf eine Mitarbeiterin des Cottbuser Jobcenters Ende Juni hat sich in der Agentur für Arbeit der Dienstbetrieb weitestgehend normalisiert. Die beiden direkt betroffenen Mitarbeiterinnen befinden sich auf dem Weg der Besserung, wie Sandy Hauke in Vertretung der Geschäftsführung informiert. Der Bereichsleiterin zufolge wurde gleichzeitig im Gebäude die Sicherheit erhöht. Das bekommen auch die Kunden zu spüren.

Nach dem verhängnisvollen 28. Juni hat sich in der Agentur für Arbeit in der Cottbuser Bahnhofstraße bereits einiges geändert. „Wir haben sofort unseren Sicherheitsdienst verstärkt“, erklärt Sandy Hauke. Zuvor sei dieser nur im Eingangsbereich und im Erdgeschoss im Einsatz gewesen. Seither sind die Mitarbeiter auf allen Etagen des Jobcenters regelmäßig unterwegs. Darüber hinaus seien sie mit speziellen Handys ausgestattet worden. Wenn sie darüber ein Notruf erreicht, wissen sie sofort, wo dieser herkommt.

Hinweise auf Waffenverbot und Taschenkontrollen

„Wir haben im Kundenbereich in der Agentur und im Jobcenter gut sichtbar Hinweise angebracht, dass wir das Mitführen von Waffen nicht tolerieren“, erklärt Sandy Hauke. Im Wortlaut steht auf den Schildern: „Sehr geehrte Kundinnen und Kunden, das Mitführen von Hieb-, Stoß- und Schusswaffen sowie spitzen Gegenständen deren Verwendung einer Stichwaffe gleich kommt, ist in diesem Gebäude nicht gestattet. Zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit kann es daher vereinzelt zu Taschenkontrollen durch den örtlichen Wachschutz kommen. Wir danken für Ihr Verständnis.“ Das sind klare Ansagen.

Der Zugang zum Gebäude ist für Kunden zudem nur noch über den Haupteingang möglich. „Dort müssen die Kunden am Sicherheitsdienst vorbei“, sagt die Bereichsleiterin. Darüber hinaus steht die Tiefgarage nicht mehr für Kunden zur Verfügung. Früher konnten sie dort parken und direkt die Aufgänge ins Haus nutzen. Die Tiefgarage steht nun nur noch Mitarbeitern der Agentur offen.

 Die Tiefgarage im Gebäude der Arbeitsagentur ist seit dem Vorfall nicht mehr öffentlich zugänglich.
Die Tiefgarage im Gebäude der Arbeitsagentur ist seit dem Vorfall nicht mehr öffentlich zugänglich. FOTO: Peggy Kompalla

Panikknopf und Polizeistreifen

Als weitere Sofortmaßnahme seien alle Mitarbeiter des Jobcenters mit einem Alarmstift ausgestattet worden. „Den kann jeder bei sich tragen“, erklärt Sandy Hauke. Bei Auslösen gibt er ein lautes Signal von sich. Das funktioniert wie eine Art Panikknopf.

Neben diesen schnellen Reaktionen, setzt die Agentur auf weitere längerfristige Maßnahmen. „Alle Mitarbeiter werden noch einmal in Deeskalation geschult“, sagt die Bereichsleiterin. Die Geschäftsführung überprüft in Zusammenarbeit mit der Polizei das hausinterne Sicherheitskonzept. „Dabei werden beispielsweise die Büros auf Fluchtwege geprüft und gegebenenfalls optimiert.“ Die Polizei werde künftig mit ihren Streifen auch bei der Agentur für Arbeit vorbeischauen.

Vertrauliche Kundengespräche sind weiterhin möglich

Sandy Hauke versichert trotz all der Vorkehrungen: „Wir sind weiter ein offenes Haus. Aber wir sind eben auch für die Sicherheit aller verantwortlich.“ Es werde auch künftig vertrauliche Kundengespräche unter vier Augen geben.

Messerangriff beim Einzelgespräch im Büro

Der Angriff am 28. Juni hatte sich bei einem solchen Gespräch ereignet. Ein 38 Jahre alter Cottbuser war ohne Termin ins Jobcenter gekommen. Eine Mitarbeiterin kümmerte sich in ihrem Büro um sein Anliegen. Das Gespräch artete allerdings in Streit aus. In dessen Folge zog der Mann plötzlich ein Messer, stach zu und verletzte die 36-Jährige. Eine Kollegin bemerkte die gefährliche Situation und eilte zu Hilfe. Dabei wurde sie nach Schilderungen der Agentur von einem Kunden mit Migrationshintergrund unterstützt. Er half demnach wesentlich, den aggressiven Mann zu überwältigen und fixieren. Der Sicherheitsdienst konnte den Täter schließlich so lange festhalten, bis die Polizei eintraf. Nach dem Messerangriff kamen beide Frauen zur Behandlung ins Krankenhaus – die eine mit Schnittwunden, die andere mit einem Schock.

Nach dem Messerangriff wurde gegen den mutmaßlichen Angreifer von der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen eines versuchten Tötungsdeliktes erlassen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.