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| 02:33 Uhr

Mysteriöser Grundstückskauf am Branitzer Park

Reste alter Gewächshäuser, dazwischen Abfall. Die Stadt hat bereits ein ordnungsrechtliches Verfahren zur Sicherung und Beräumung eingeleitet.
Reste alter Gewächshäuser, dazwischen Abfall. Die Stadt hat bereits ein ordnungsrechtliches Verfahren zur Sicherung und Beräumung eingeleitet. FOTO: RUNDSCHAU
Cottbus. Für den bisherigen Eigentümer ist es eine erfreuliche Wende. Vor wenigen Wochen kaufte ihm eine Firma das rund 125 000 Quadratmeter große verfallene Gärtnereigelände am Rand der Branitzer Siedlung ab. Simone Wendler

Beim Grundbuchamt liegt ein entsprechender Antrag auf Eigentumsumschreibung zur Eintragung vor, wie Amtsgerichtsdirektor Michael Höhr bestätigt. Der Kaufpreis soll knapp eine halbe Million Euro betragen, also wenige Euro pro Quadratmeter.

Das ist angemessen, denn auf dem Gelände stehen Reste alter Gewächshäuser, lagern Abfälle. Die Stadt hat bereits ein ordnungsrechtliches Verfahren zur Sicherung und Beräumung eingeleitet. Das Areal liegt außerdem im Außenbereich des denkmalgeschützten Branitzer Parks. Hier darf nicht gebaut werden. Nur die alte Gärtnerei hat noch Bestandsschutz.

2015 war die Cottbuser CDU-Fraktion mit einem Vorstoß gescheitert, dort Baurecht zu schaffen, um Wohnhäuser zu errichten. Daran hat sich nach Auskunft der Baubeigeordneten Marietta Tzschoppe (SPD) bis heute nichts geändert: "Wir werden im September einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan in die Stadtverordnetenversammlung einbringen mit dem Ziel, das Denkmal Schloss und Park Branitz zu schützen und alles zu vermeiden, was die Aufnahme in den Weltkulturerbe-Status gefährden könnte." Wohnbebauung sei da nicht vorgesehen.

Wer kauft in dieser Situation in diesem Bereich über zwölf Hektar Land und wozu? Die Suche nach Antworten ist schwierig. Käufer der Fläche ist eine Branitz Garden GmbH mit Sitz in Berlin. Anschrift der Firma ist laut Handelsregister die Berliner Wohnadresse einer 28-Jährigen. Sie ist Geschäftsführerin und gemeinsam mit einem Münchener Gesellschafterin der Firma. Eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse, unter denen die Geschäftsführerin oder die Branitz Garden GmbH zu erreichen sind, konnte die RUNDSCHAU bisher nicht in Erfahrung bringen. Deshalb war bisher auch eine Nachfrage nicht möglich.

Der RUNDSCHAU liegen indes Hinweise vor, wonach die Käufer darauf spekulieren könnten, doch noch eine Bebauung der Fläche mit Eigenheimen auf den Weg bringen zu können. Eine entsprechende Kalkulation geht davon aus, dass trotz des erheblichen Aufwandes für Beräumung, Erschließung, Schaffung von Baurecht dabei ein Gewinn in Millionenhöhe zu erzielen wäre.

Der Gesellschaftervertrag der Branitz Garden GmbH wurde erst Anfang Juni beurkundet. Und das geschah bei einem Cottbuser Notar, nicht in Berlin am Firmensitz. Zweck der GmbH sind laut Register ausschließlich Immobiliengeschäfte und Vermögensverwaltungen. Einen Hinweis, dass die Branitz Garden GmbH gärtnerisch oder landwirtschaftlich tätig werden will, gibt es nicht.

Zum Thema:
Zu DDR-Zeiten wirtschaftete auf diesem Gelände eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG). Nach der Wende kaufte es ein holländischer Investor. Es gelang ihm jedoch nicht, den Gartenbau an dieser Stelle wieder in Gang zu bringen. Seit Jahren liegt das Gelände ungenutzt.