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Aus dem Gericht
Mutmaßlicher Fälscher lässt Richter sitzen

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Cottbus. Der Angeklagte soll 98 Plagiate erstellt und über das Internet verkauft haben. Von Stephan Meyer

Ursprünglich war das Verfahren gegen Martin W. gegen Auflagen eingestellt worden. Diesen kam er jedoch laut Staatsanwaltschaft nicht nach. Deshalb sollte der Fall am Dienstag vor dem Landgericht Cottbus erneut verhandelt werden. Martin W. sollte sich wegen gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke verantworten. Doch er erschien nicht.

Die Tat, um die es in diesem Verfahren geht, liegt inzwischen knapp zehn Jahre zurück. Von Februar 2007 bis Mitte August 2009 soll Martin W. gemeinsam mit einem bereits verurteilten Buchhändler in 98 Fällen ohne Erlaubnis der Autoren und Verlage Fachbücher sowie eine CD illegal kopiert haben, um sie zu Geld zu machen. Laut Anklage wurden die Plagiate über das Internet verkauft. Martin W. war damals in einer Werbefirma tätig und soll die Technik des Unternehmens für sein kriminelles Handeln genutzt haben.

Sein bereits verurteilter Mittäter, der jahrelang in Cottbus eine Buchhandlung führte, hat seine Strafe von zwei Jahren und acht Monaten inzwischen bereits verbüßt. Das Gericht hatte ihn der Steuerhinterziehung und des Verkaufes von Buch-Plagiaten schuldig gesprochen. Sein Revisionsantrag gegen das Urteil aus dem Jahr 2014 blieb erfolglos.

Bei den Raubkopien soll es sich um teure Lehrbücher zur höheren Mathematik und Physik sowie Baufachliteratur gehandelt haben. Gutachter bescheinigten in dem ersten Prozess den Fälschungen eine recht gute Qualität. Manchmal seien sie in Farbe und Form von den Originalen abgewichen, hätten aber sonst hochwertig gewirkt.

Weil es etwa drei Jahre dauerte bis die Justiz bemerkte, dass Martin W. seinen gegen verhängten Auflagen nicht nach kam, zeigte sich die Staatsanwaltschaft bereit das Verfahren gegen ihn erneut gegen Auflagen einzustellen. Doch da W. nicht vor Gericht erschienen war, scheiterte das zunächst. Versuche des Gerichts im Oktober 2017 von dem Angeklagten eine aktuelle Einkommenssteuererklärung zu bekommen, verliefen ebenfalls erfolglos.

Auch der Pflichtverteidiger konnte dem Gericht nichts über die wirtschaftlichen Verhältnisse seines Mandanten mitteilen. Der Anwalt erklärte, das der Angeklagte auch mit ihm die Kommunikation scheue. Das Landgericht Cottbus hat nun eine neuen Verhandlungstermin am 20. März angesetzt. Sollte der Angeklagte dann erneut unentschuldigt fehlen, kann das Gericht auch mit Zwangsmitteln dafür sorgen, dass er erscheint. Es könnte ein Vorführungs- oder ein Haftbefehl erlassen.

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