| 02:33 Uhr

Mutmacherin und überzeugte Europäerin

Maria Elikowska-Winkler (Mitte) im Gespräch mit den Sprachschülerinnen Beatrice Zumpe (l.) und Astrid Schramm.
Maria Elikowska-Winkler (Mitte) im Gespräch mit den Sprachschülerinnen Beatrice Zumpe (l.) und Astrid Schramm. FOTO: Elsner
Cottbus. Wechsel an der Spitze der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus: Schulgründerin Maria Elikowska-Winkler verabschiedet sich in den Ruhestand. Ute Hentschel, bisher Regionalsprecherin der Domowina, soll heute in der Stadtverwaltung als neue Leiterin vorgestellt werden. Ulrike Elsner

Am liebsten schlüpft Maria Elikowska-Winkler in die Rolle der Pójsynoga (deutsch: Vagabundin) und ermuntert die Leute in den Lausitzer Dörfern, ihre sorbische/wendische Muttersprache zu praktizieren. Dabei sei sie eher Lernende als Lehrende, betont die Sprachwissenschaftlerin. Es sei ein großes Glück, dass es sie gerade in die Lausitz verschlagen hat, als sie der Liebe wegen in die DDR gekommen ist. Das kleine slawische Volk, das sie hier getroffen hat, seine Sprache und Kultur, waren entscheidend dafür, dass die junge Polin aus Poznan rasch festgestellte: "Hier fühle ich mich wohl, hier kann ich bleiben und meine Kinder großziehen." Ganz entscheidend sei das Vertrauen gewesen, das ihr die Menschen entgegengebracht haben.

Als im Jahr 1990 die Zentrale Sorbische Sprachschule in Dissenchen geschlossen wurde, hat Sorbischlehrerin Maria Elikowska-Winkler einfach weitergemacht - auch wenn anfangs nicht sicher war, ob und woher das Geld dafür kommen würde. Sie ist in Schulen und Kitas gefahren, hat Wendisch unterrichtet und Anregungen zur Traditionspflege gegeben.

Im Jahr 1991 bekannte sich die Stiftung für das sorbische Volk zu dieser Aufgabe. Im September 1992 wurde die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur eine Einrichtung der Stadtverwaltung Cottbus. Das ist fast ein viertel Jahrhundert her. Das Jubiläum steht im kommenden Herbst an.

Die Niedersorbische Sprachschule bietet Kurse, Vorträge und Werkstätten zu Sprache, Geschichte, Kunst und Kultur für alle Generationen an. Im Mittelpunkt steht die Förderung der sorbischen/wendischen Sprache und ihrer alltäglichen Anwendung.

Auch Polnischkurse und vielfältige Begegnungen mit den Menschen des Nachbarlandes gehören zum Programm. Maria Elikowska-Winkler ist eine überzeugte Europäerin und wird nicht müde, die Gemeinsamkeiten zwischen den Nationen in den Blickpunkt zu rücken.

Besonders wichtig ist es der 65-Jährigen, dass die Jugend die wendische Sprache und Kultur als einen Schatz begreift. Ihren eigenen drei Kindern hat sie diese Werte vermitteln können und ist stolz auf das, was sie leisten - als Lehrer oder als Komponist.

Doch auch das Interesse anderer Kinder und Jugendlicher am Sorbischen/Wendischen freut die scheidende Schulleiterin. Gerade jetzt, in den Winterferien, bereiten sich in der Villa neben dem Niedersorbischen Gymnasium (NSG) Grundschüler in einem Crashkurs auf die künftigen sprachlichen Anforderungen am NSG vor, während Zehntklässler ihre sorbischen Grammatikkenntnisse aufpolieren.

"Für Cottbus und die Lausitz ist die Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Identitäten eine große Chance", ist eine der wichtigsten Botschaften, die Maria Elikowska-Winkler vermitteln möchte. Dafür will sie sich weiterhin einsetzen, auch wenn Naturerlebnisse, das Radfahren mit der Familie sowie die Eltern und Geschwister in Polen künftig einen größeren Raum in ihrem Leben einnehmen sollen.

Vor allem aber freut sich die 65-Jährige darüber, dass sie sich künftig mehr Zeit für die originale noch lebendige Sprache und die Menschen, die sie sprechen, nehmen kann. Wendische Nachmittage mit Maria Elikowska-Winkler sind jedenfalls auch im neuen Semesterprogramm der Sprachschule fest eingeplant.