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| 01:38 Uhr

Mutmacher nach schwerem Schicksalsschlag

Der schwere Schicksalsschlag von Michael Hannusch (Mitte) hat die Familie zusammengeschweißt. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben, haben Birgit und Andreas Hannusch den Verein „Lebens-Schritte“ mit weiteren Mitstreitern ins Leben gerufen. Foto: Adelheid Floß
Der schwere Schicksalsschlag von Michael Hannusch (Mitte) hat die Familie zusammengeschweißt. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben, haben Birgit und Andreas Hannusch den Verein „Lebens-Schritte“ mit weiteren Mitstreitern ins Leben gerufen. Foto: Adelheid Floß FOTO: Adelheid Floß
Als Sohn Michael sich auf einer Rolltreppe das Genick gebrochen hatte, hat sich das Leben von Familie Hannusch aus Turnow schlagartig völlig verändert. Im Verein „Lebens-Schritte“ wollen die Eltern jetzt Menschen helfen, die mit ähnlichen Schicksalsschlägen fertig werden müssen. Von Adelheid Floß

Seit dem Jahr 2005 ist der 22-jährige Michael Hannusch gelähmt. "Er kann nur noch den Kopf bewegen", erzählt seine Mutter Birgit Hannusch. Zu den gravierenden körperlichen Einschränkungen des jungen Mannes, die die Familie unerwartet forderten, seien unzählige behördliche Probleme hinzu gekommen. "Zum Glück hatten wir viele Bekannte, die uns dabei unterstützt haben", sagt sie. Die Versicherung habe nicht zahlen wollen. Ein Prozess habe durchgestanden werden müssen, der letztlich mit einem Vergleich endete. Bauliche Veränderungen in der Wohnung galt es zu finanzieren. Ein Anbau am Haus ermögliche, dass der Sohn zu Hause leben könne. "Ins Pflegeheim wollten wir ihn nicht geben", erklärt die Mutter. Rund um die Uhr betreuen den Schwerbehinderten Pflegerinnen. "Michael absolviert weiterhin seine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Cottbus", berichtet die Mutter. Ein behindertengerechter Arbeitsplatz sei eingerichtet worden. "Michael bedient den Computer mit dem Mund", erklärt sie. Mit Unterstützung des Cottbuser Integrationsamtes sei die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben organisiert worden. Finanzielle Hilfe habe die Landesinvestitionsbank geleistet. "Wir haben einen zinslosen Kredit erhalten", sagt Birgit Hannusch. Das Schicksal, mit dem Familie Hannusch fertig werden muss, hindert sie nicht daran, anderen Betroffenen Hilfe anzubieten. Im Gegenteil: "Man kann alles lösen, wenn man weiß, wohin man sich wenden kann", betont die Buchhalterin. Deshalb habe sie sich gemeinsam mit ihrem Mann dazu entschlossen, einen Verein zu gründen, um ihre Erfahrungen weitergeben zu können. "Wir sind sieben Mitglieder, und weitere sind willkommen", sagt Birgit Hannusch. Erste Aufgabe sei es, einem behinderten Mädchen und seiner Mutter in Beeskow zu helfen. "Wir suchen Badebücher aus DDR-Zeiten", erzählt die Turnowerin. Dabei handele es sich um Plastebücher mit Motiven, die für dieses Kind einen Wiedererkennungseffekt hätten. "Ihre Badebücher gehen langsam kaputt", erklärt Birgit Hannusch.