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| 14:44 Uhr

Vorsicht, Satire!
Weihnachtsmänner sterben einfach nicht aus

Stefan Klucke und Dirk Pursche (v.l.) verzapfen „Schwarze Grütze“.
Stefan Klucke und Dirk Pursche (v.l.) verzapfen „Schwarze Grütze“. FOTO: Jürgen Weser
Musikkabarett „Schwarze Grütze“ sorgt für bitterböse Bescherung auf Gut Saathain. Von Jürgen Weser

Zur Adventsveranstaltung der besonderen Art hatte der Förderverein Gut Saathain (Elbe-Elster-Kreis) am Sonntag in den Festsaal eingeladen. Zum Jahresfinale waren die beiden Vollblutmusiker und Kabarettisten Dirk Pursche und Stefan Klucke als „Schwarze Grütze“ zu Gast. Alle Jahre wieder heißt es bei ihnen „Endstation Pfanne – was bleibt, ist Gänsehaut“. 320 Besucher lockten die Potsdamer mit ihrem Kultweihnachtsprogramm nach Saathain.

Statt eine Gänsehaut zu bekommen, geriet das Publikum schnell in einen Dauerlachmodus, obwohl „Schwarze Grütze“ wirklich schwarzen, bitterbösen Humor am laufenden Band produzierte. Da blieb nichts übrig vom zuckersüßen heimeligen Weihnachtsfest mit Lametta und Besinnlichkeit. Gemeinsam mit den „mittelprächtigen“ Hausbewohnern ihres „opulenten“ Bühnenbildes hielten Dirk Pursche und Stefan Klucke dem Publikum den Spiegel eines verlogenen besinnlichen Weihnachtskitsches vor. Dabei jagten sie die Zuhörer von einer Pointe zur nächsten und ließen kaum einen makabren Weihnachtsabgrund in ihrer postchristlichen Konsumweihnacht aus.

Die „Lobeshymne“ an den Weihnachtsmann endet für ihn im Goldfischteich. Pech, wenn Papi im Weihnachtskostüm steckt. Aber es gibt ja neue Papis, und Weihnachtsmänner sterben nie aus. So kann das Kabarettduo auf der Bühne vergnügt mit dem Publikum singen: „Ich hab den Weihnachtsmann erschossen.“

Nach dem Einkauf sinnloser Geschenke wie Parfüm mit Boris Becker Schweiß für die Frau sorgt „Das Lied von der Bescherung“ mit fetter Weihnachtsgans im Dunst widerlicher Räucherkerzengerüche für Heiterkeitsausbrüche, bevor die auf den Weihnachtstermin trainierten Kinder und die gepeinigten Eltern neben Lachsalven auch Nachdenklichkeit über unsere atheistische Weihnachtszeit mit Völlerei erzeugen. Jede Menge makaber-komischen Geschichten und Erlebnisse prasseln auf die Besucher ein. Das harmonische Weihnachtslied von „Maria durch den Dornwald geht“ wird zum Kampflied, Fremdgehen in der Weihnachtszeit zur künstlerischen Pop-Art und die Liebesbeziehung von Maria zum echten Kindsvater wird humorvoll aufgedeckt.

Beschenke dich selbst, da kann man nichts falsch machen. Sorge statt Gänsebraten für einen Waschbrettbauch und lass deine Frau nur zum Schönheitschirurgen gehen, wenn du sie los werden willst, sind ganz praktische Vorschläge für den Mann in der Vorweihnachtszeit.

Nicht der reiche Mann sondern Rudolph ist der einzige vernünftige Bewohner des fiktiven Hauses auf der Bühne, obwohl er vor dem Haus leben muss. Trotz allen schreienden Humors lässt „Schwarze Grütze“ auch nachdenken. Und trotz aller Weihnachtshäme versöhnen Stefan Klucke und Dirk Pursche die 320 „Saathainer Spatzen“ zum Schluss im gemeinsamen Gesang samt Gymnastik, denn „Weihnachtszeit macht das Herz so weit“! Daran ändert auch der „Schwarze Grütze“ Abschiedsblues nichts.

Für den Förderverein Gut Saathain um seinen Vorsitzendem Joachim Pfützner schließt die ausverkaufte Weihnachtsveranstaltung ein erfolgreiches Jahr ab. Als engagierter Kulturmacher der Region konnte der Verein den Besuchern den Veranstaltungsflyer 2019 mit 15 hochkarätigen Angeboten vom Neujahrskonzert am 6. Januar mit Startrompeter Mathias Schmutzler über eine Fontane-Veranstaltung mit Annekathrin Bürger und scharfzüngiger Kleinkunst mit Anne Folgner bis zum Weihnachtskonzert mit den Octavians aus Jena als A-capella-Preisträger mit nach Hause geben.