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| 01:04 Uhr

Müllpreise steigen in gut zwei Jahren

Der Kostensprung bei den Müllgebühren ab 2006 wird nach Einschätzung des Landratsamtes knapp unter 25 Prozent liegen. Damit würden die Gebühren pro Jahr und Person auf maximal 32 bis 33 Euro klettern. Ursache ist die ab Juni 2005 bundesweit vorgeschriebene Behandlung von Hausmüll. Von Jürgen Scholz

Am Mittwoch unterzeichneten Vertreter der Märkischen Entsorgungsanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (Meab) und des Landkreises den Vertrag zur Abfallvorbehandlung in Forst. Damit sollen die gesetzlichen Vorgaben auch für den Bereich des Landkreises Spree-Neiße gesichert werden können. Der Hausmüll aus dem Kreisgebiet soll dann zu einer Umladestation in Forst gebracht und von dort nach Schöneiche bei Berlin gebracht werden. Dort werden verwertbare Bestandteile wie Holz und Metall aussortiert und teilweise vermarktet. Der Rest wird zu Brennstoffen verarbeitet, die hauptsächlich an industrielle Abnehmer verkauft werden sollen. Das restliche Drittel wird kompostiert und anschließend auf der Deponie Schöneiche gelagert.
Der Standort für die Umladestation in Forst stehe noch nicht fest, erklärten die Meab-Vertreter. Im Gespräch ist unter anderem ein Gelände an der Forster Deponie. Den Transport von Forst nach Schöneiche soll das Berliner Entsorgungsunternehmen Alba übernehmen, eventuell mit Hilfe regionaler Unternehmen. Das sei aber eine Entscheidung von Alba, so Meab-Geschäftsführer Werner Brücklmeier. Die Umladung werde ohne Geruchsbelästigung geschehen, versicherte Brücklmeier, der davon ausgeht, dass täglich maximal sechs Transporte von Forst aus in Richtung Schöneiche fahren werden.
Der Vertrag hat eine Dauer von zehn Jahren und sieht vor, dass zwischen 25 000 und 50 000 Tonnen Siedlungsabfälle jährlich an die Meab zur Vorbehandlung gehen. Die Menge werde wesentlich davon abhängen, ob gewerbliche Abfallverursacher wieder über den Kreis entsorgen.
Die Kostensteigerung durch die Vorbehandlung bezifferte Dr. Wolfgang Thamke, Leiter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft im Kreis, mit „maximal unter 25 Prozent“ . Das würde bedeuten, dass pro Person ab dem Jahr 2006 etwa 32 bis 33 Euro Abfallgebühren fällig würden. Allerdings wollte Thamke nicht ausschließen, dass durch Preisgleitklauseln in anderen Bereichen die Gebühren höher steigen, wenn beispielsweise Treibstoff- und Personalkosten nach oben gehen. Landrat Dieter Friese (SPD) betonte allerdings, dass die Abfallgebühren im Landkreis Spree-Neiße in den vergangenen Jahren die günstigsten in Brandenburg gewesen seien und auch alle anderen Gebiete von den Kostensteigerungen bei der Vorbehandlung betroffen wären. Mit der Ausschreibung und dem Beschluss, keine eigene Anlage zu bauen, habe der Kreistag die kostengünstigste Variante für die Bürger gewählt.
Da die Stadt Cottbus aus der anfangs geplanten gemeinsamen Ausschreibung ausgestiegen ist, um eine eigene Abfallvorbehandlungsanlage zu errichten, schloss Friese auf RUNDSCHAU-Nachfrage aber nicht aus, dass bei einer Regionenbildung mit Cottbus die Spree-Neiße-Abfallpreise steigen. Meab-Geschäftsführer Brücklmeier warb während der gestrigen Pressekonferenz unverhohlen auch um Cottbuser Abfälle. Es sei fraglich, ob in der gesetzten Frist die Stadt noch eine Abfallvorbehandlung organisieren könne. Landrat Friese verwies außerdem auf die fehlende Abdichtung der Deponie Saspow, die Cottbus ab Mitte 2005 nicht mehr nutzen könne.

Hintergrund Meab hat zwei Bundesländer als Gesellschafter
 Die Märkische Entsorgungsanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (Meab) hat im Rahmen einer Ausschreibung das günstigste Angebot für die Abfallvorbehandlung gemacht - und das einzige, das formell richtig war. Hinter der Meab verbergen sich zu gleichen Anteilen die Länder Berlin und Brandenburg. Am Standort Schöneiche verfügt sie über eine langfristig zugelassene Deponie, eine thermische Sonderabfall-Behandlungsanlage sowie eine Anlage zur Herstellung von Sekundärrohstoffen. Im nächsten Jahr soll eine mechanisch-biologische Müllvorbehandlungsanlage gebaut werden.