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Ausbildung
Schnitzeljagd als Azubi-Motivation

Cottbus. Zu einem besonderen Motivationsworkshop lud die Cottbuser IHK am gestrigen Dienstag Azubis in Cottbus ein. Von Stephan Meyer

Mit Tablet-PCs ausgestattet meisterten die Jugendlichen eine Stadt-Rallye, bei der sie verschiedene Aufgaben und Rätsel zu lösen hatten. „Mir ist bei Gruppenarbeit wichtig, dass die Jugendlichen nicht nur über soziale Kompetenzen reden, sondern auch erleben worauf es im besonderen ankommt“, erklärt Karin Blank (Beraterin für Aus- und Weiterbildung) den neuen Ansatz. Die IHK bot in den vergangenen Jahren bereits ähnliche Workshops an, die jedoch ausschließlich in Seminarform abgehalten wurden. Nicht jeder teilnehmende Azubi wurde dadurch erreicht. Aus diesem Grund verfolgt man dieses Jahr einen Ansatz mit Mitmachangeboten. Im Kammerbereich Oberspreewald-Lausitz durften Azubis am Montag in Teamarbeit den Kletterpark des Familiencampus Lausitz meistern. Für Lehrlinge in Dahme-Spreewald gibt es heute ein Angebot in der Erlebniswelt Blossin und in Elbe-Elster dürfen Auszubildende Aufgaben im Elsterpark – Blauhaus bewältigen. Die Azubi-Workshops werden gefördert vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Vor der Schnitzeljagd durch Cottbus sollten die teilnehmenden Azubis in einer Begrüßungsrunde äußern, was sie sich für eine erfolgreiche Ausbildung wünschen. Auf verschiedenfarbigen Papierstreifen wurden Begriffe wie Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungsfähigkeiten und Teamfähigkeit zusammengetragen. Die Auszubildenden stammen dabei nicht nur aus unterschiedlichen Betrieben. Sie lernen auch alle verschiedene Berufe. Unter den jungen Erwachsenen befanden sich unter anderem angehende Köche, Restaurantfachleute, Industriemechaniker und Polsterer. „Das war uns wichtig“, sagt Karin Blank. „Die Auszubildenden sollen sich nicht über ihren gemeinsamen Ausbildungsberuf austauschen. Bei dem Workshop soll es um die Eigenschaften gehen, die jeder Azubi benötigt.“ Nach der Eröffnung ging es in die Gruppenbildung, bei der die Teilnehmer ihre Komfortzone verlassen mussten. Die Teams wurden gemischt, damit niemand mit einem seiner bekannten Mitauszubildenden zusammenarbeitet. Karin Blank: „Die Lehrlinge sollen erleben, wie es ist mit völlig unbekannten Personen zu kommunizieren. In ihren Betrieben gehen die Azubis in der Regel durch viele verschiedene Abteilungen und lernen ständig neue Leute kennen.“ Innerhalb der Gruppenarbeit sollen die Auszubildenden lernen, ihren Platz im Team zu finden. Schwierigkeiten die Betriebe von dem neuen Konzept zu überzeugen, hatte Karin Blank nicht. Bewusst wurden vor allem kleinere und mittelgroße Unternehmen angesprochen.

Nach einer kurzen Einweisung durch Mitarbeiter der Escape Room Cottbus GmbH begann für die Teams die Schnitzeljagd durch die Innenstadt. Bei der Rallye standen die Teams im Wettbewerb und mussten Cottbus retten. Aufgabe war es, die Stadt vor dunklen Mächten zu befreien und ein magisches Portal zu öffnen. Dafür mussten mit Hilfe eines Tablet-PCs und verschiedener Werkzeuge innerhalb von circa zwei Stunden eine Reihe von Rätsel und Test in der Altstadt gelöst werden.

Die Rallye führte die jungen Erwachsenen unter anderem zum Spremberger Turm, zum Apothekenmuseum und der Sonnenuhr. Am Nachmittag ging es dann in einen Escape Room, bei dem die Gruppen in Teamarbeit erneut Rätsel lösen mussten. Diesmal jedoch mit dem Ziel einen geschlossen Raum wieder verlassen zu können.

Am Ende des Tages fiel das Fazit zu dem Tag jedoch sehr unterschiedlich aus. „Es war zum Teil schwierig, die Gruppe zu begeistern“, gibt Karin Blank zu. Die gemeinsame Auswertung ergab, dass das Interesse der Azubis an dem Stadträtsel nicht sehr groß war. Die Escape Rooms hingegen kamen sehr gut an. Der Transfer sozialer Kompetenzen durch die Mitmachangebote sei hingegen gelungen. Die Gruppen hätten sich große Mühe dabei gegeben sich gegenseitig einzuschätzen. „Die Lehrlinge wissen jetzt, woran sie an sich noch arbeiten müssen und wo sie bereits selbstbewusster an Dinge herangehen können“, sagt Karin Blank.