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Mord, Totschlag und gutes Essen

Die Krimi-delikat-Truppe bringt ein mörderisches Dinner nach Cottbus, Lübbenau, Spremberg und Großräschen. Matthias Schreve (l.) hat sein erstes Krimi-Stück geschrieben. Es spielen außerdem: Katharina Riedel, Pauline Cordes, Yvonne Ciupack, Philipp Hoffmeister und Karoline Leder (v.l.).
Die Krimi-delikat-Truppe bringt ein mörderisches Dinner nach Cottbus, Lübbenau, Spremberg und Großräschen. Matthias Schreve (l.) hat sein erstes Krimi-Stück geschrieben. Es spielen außerdem: Katharina Riedel, Pauline Cordes, Yvonne Ciupack, Philipp Hoffmeister und Karoline Leder (v.l.). FOTO: Patrick Niegsch
"Mörderische Nobelpreisverleihung". Was, wenn die Nobelpreisverleihung in der Lausitz stattfände? Wenn es nach dem Cottbuser Theatermacher Matthias Schreve ginge, gäbe es vor allem Mord und Totschlag. Und starke Frauen. Und gutes Essen. Daniel Schauff

Cottbus. Es ist eine Erfolgsgeschichte - wenn auch eine noch sehr junge. Sechs Jahre alt ist das Cottbuser Krimi-Dinner der Truppe "Krimi delikat" um Matthias Schreve mittlerweile alt. Über Zuschauermangel können sich die Amateur-Mimen nicht beschweren. Ausverkauft - gleich mehrfach taucht das Wort in der Liste der nächsten Auftrittstermine auf.

"Krimi ist der kleinste gemeinsame Nenner", sagt Matthias Schreve und erklärt damit, warum gerade Mord und Totschlag so gut zu einem feinen Essen passen. Eine Art Tatort-Phänomen sei der Erfolg seiner Truppe. So wie sich regelmäßig fast zehn Millionen Zuschauer vor den Fernsehern versammeln, wenn am Sonntagabend der ARD-Krimi über den Bildschirm flackert, sind auch die Säle regelmäßig voll, in denen "Krimi delikat" auf die Bühne geht.

Wobei - Bühne ist das falsche Wort. "Wir reißen die vierte Wand ein", sagt Yvonne Ciupack, Ensemblemitglied bei der Dinnertruppe. Krimi delikat will ohne die Schaukastenbühne auskommen, das Publikum Teil des Stücks werden lassen. Ihr Auftrittsort ist immer der, in dem die Gäste speisen.

"Wir haben ein Gespür dafür, wen wir ansprechen können und wen nicht", sagt Yvonne Ciupack. Keiner müsse Teil des Stücks werden - aber jeder könne.

"Mörderische Nobelpreisverleihung" heißt Matthias Schreves erster Gehversuch als Regisseur und vor allem Autor eines Krimi-Dinners. Die Ausgangssituation ist denkbar einfach - es geht um den Nobelpreis, der allerdings neuerdings in Cottbus verliehen wird. Das Problem: Ein Erpresser dezimiert nach und nach die Preisträger. Mit Detektivin Inga aber hat er nicht gerechnet.

Um starke Frauen ging es Matthias Schreve, als er das Stück geschrieben hat - Yvonne Ciupack hat eine der starken Frauenrollen übernommen, Karoline Leder die andere. "Ich weiß nicht, ob mir das alles geglückt ist", sagt Matthias Schreve - ob seine Frauen tatsächlich stark wirken. Aber mit dem gesellschaftlichen Bild der Frau zu spielen und zwischen Klischee und Realität hin und her zu springen, das habe ihm Spaß gemacht.

"Krimi delikat" unterscheidet sich nur auf den zweiten Blick von den vielen anderen Krimi-Dinner-Truppen in der ganzen Republik. "Wir müssen nicht davon leben", sagt Matthias Schreve. Entstanden ist die Dinner-Idee vor sechs Jahren an der Studentenbühne "Bühne acht" in Cottbus. Eine Art Geschenk sollte es sein für die Schauspieler, die - im Gegensatz zu den Aufführungen an der Bühne - bei den Krimi-Dinner-Auftritten tatsächlich ein paar Euros verdienen. Nicht viel, aber mehr als nichts, sagt Schreve. Bühne-acht-Koordinator und Theatermacher Mathias Neuber wollte seine treuesten Mitspieler für ihren Einsatz belohnen. Das Ergebnis: eine Menge Stress und viel Freude für die Mitglieder der Krimi-delikat-Truppe. Und ein voller Terminkalender. "Krimi delikat" ist auch über die Cottbuser Grenzen hinaus unterwegs. Im Spreewald in Lübbenau, in Spremberg, in Hoyerswerda, neuerdings auch in Großräschen. Auch dort wird eine "Mörderische Nobelpreisverleihung" stattfinden. Und die Säle gut gefüllt sein.

Zum Thema:
Die nächste "Mörderische Nobelpreisverleihung" findet in der Dörrwalder Mühle in Großräschen-Dörrwalde am 10. April statt. Weitere Termine in Cottbus, Lübbenau und Spremberg sind geplant. Aktuelle Informationen gibt es unter www.buehne8.de. Die Preise bewegen sich je nach Veranstaltungsort zwischen 40 und 60 Euro für Menü und Theateraufführung.