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| 06:16 Uhr

Moderne Straßenbahn
Zwei Wege durch die Stadt

Liniennetzvariante
Liniennetzvariante FOTO: LR / Quelle: Cottbus Verkehr
Cottbus . Länger oder kürzer, über den Bahnhof oder direkt in die City? Der Nahverkehr ändert sich. Von Andrea Hilscher

Die Rathausspitze hat schnell reagiert: Kaum war die Diskussion um eine Verkürzung der Straßenbahnlinie 1 hochgekocht, wurde das Thema des anstehenden Bürgerdialogs geändert: Statt über den Strukturwandel wurde am Dienstagabend im Stadthaus über den  Nahverkehr in Cottbus diskutiert. Ralf Thalmann, Chef von Cottbusverkehr, hatte dazu brandaktuelle Neuigkeiten mitgebracht: Aus zehn verschiedenen Varianten, wie die Straßenbahn künftig durch Cottbus fahren könnte, haben sich letztlich zwei Möglichkeiten herauskristallisiert, die in puncto Wirtschaftlichkeit und Effizienz fast gleichauf liegen.

Variante 1: Die Linie 1 führt von Schmellwitz/Anger bis zum Bahnhof, die 2 von  Madlow über den Bahnhof nach Sandow und die 3 von Ströbitz zur Jessener Straße. Die Linie 4 fährt von Sachsendorf über den Hauptbahnhof nach Neu Schmellwitz statt wie bisher alle 15 künftig alle zehn Minuten. Vorteil: Höchste Nutzung des neuen Verkehrsknotens am Bahnhof. Nachteil: großer Aufwand, hoher Fahrzeugbedarf und längere Fahrzeit von Madlow ins Stadtzentrum.

Variante 2: Die Linie 1 bleibt wie oben. Die 2 führt von Sandow über den Bahnhof zur Jessener Straße. Die 3 von Madlow übers Stadtzentrum nach Ströbitz, die 4 bleibt. Vorteil: Keine längeren Reisezeiten, gute Umsteigebeziehungen für Fahrgäste zum Bahnhof aus Groß Gaglow und Kiekebusch, Stärkung der Umsteigeanlage Madlow durch Busanbindung zum Hauptbahnhof. Nachteil: Keine direkte Bahnhofsanbindung für die Madlower. Ralf Thalmann: „75 bis 80 Prozent aller Fahrgäste aus Madlow wollen nach unseren Erkenntnissen ins Stadtzentrum und nicht zum Bahnhof. Daher wäre diese Variante sinnvoll.“

Markus Möller, Sprecher des Finanzgerichtes, gab zu bedenken: „Es wäre schade, wenn die rund tausend Beschäftigten am Südeck und die zahlreichen Besucher der Gerichte nicht mehr direkt vom Bahnhof zu uns kommen könnten.“ Denis Kettlitz empfiehlt, in die Entscheidungsfindung auch die Meinung der Madlower einzubeziehen. „Es bringt nichts, nur die aktuellen Fahrgäste dazu zu befragen. Man müsste auch mit Menschen reden, die bisher den ÖPNV nicht nutzen, sich vielleicht durch bessere Linienführung zum Umsteigen bringen lassen.“

Die rund 80 Zuhörer im Saal waren unentschlossen, freuten sich aber über die scheinbar gesicherte Zukunft der Linie 1. Zu früh: Weiterhin gilt die Ansage, dass nach der Eröffnung des Bahnhofs die Auslastung der Linie geprüft wird und dann eine Entscheidung fällt, ob der Anger weiter über die Bahn oder besser doch über kleine Busse bedient wird.

Zukunftsmusik ließ Thalmann dann beim Thema Netzerweiterung erklingen: Durch ein milliardenschweres  Förderprogramm des Bundes könnte in einigen Jahren die Chance bestehen, die Straßenbahn bis zum Ostsee, zu Herzzentrum und CTK, BTU und Lausitzpark zu führen. Denis Kettlitz, Chef des Ostsee-Fördervereins: „In dem Zusammenhang ist es sehr gut, dass die Stadt die Fläche der alten Bahntrasse Richtung See erworben hat. So halten wir uns alle Optionen offen.“ Jens Krause (IHK Cottbus): „Es ist weitsichtig, über eine Erweiterung nachzudenken.“

Der nächste Bürgerdialog am 18. Dezember behandelt das Thema Gesundheitsversorgung. Über den Strukturwandel soll im kommenden Jahr gesprochen werden.