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| 16:54 Uhr

Kirche
„Wir haben keine tote Hülle gebaut“

 Pfarrerin  Dr. Vera von der Osten-Sacken und Dieter Löbens vom Gemeindekirchenrat der Lutherkirchengemeinde im neu gestalteten Altarraum der Kirche.
Pfarrerin Dr. Vera von der Osten-Sacken und Dieter Löbens vom Gemeindekirchenrat der Lutherkirchengemeinde im neu gestalteten Altarraum der Kirche. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Die Lutherkirche von Cottbus beeindruckt nach ihrer grundlegenden Sanierung mit moderner Architektur. Von Nils Ohl

Im klaren, fast blendenden Weiß des Kirchenschiffes der frisch sanierten Lutherkirche bleibt der Blick nahezu automatisch an dem großen, aus dunkelbraunem Holz geschnitzten Kruzifix am Ende des Raumes hängen.

„Diese scheinbare Kahlheit ist das bewusste architektonische Konzept“, erklärt Ines Küchler vom Gemeindekirchenrat. „Es gibt keine Ablenkung, alles ist auf das Kreuz ausgerichtet.“

Ein Kreuz, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Wie alte Fotos belegen, schmückte es die Lutherkirche schon 1912 zu ihrer Einweihung. Allerdings war es damals außen am Giebel angebracht. Im Februar 1945, als die Lutherkirche beim Bombenangriff auf Cottbus zerstört wurde, blieb das Kreuz wie durch ein Wunder nahezu unversehrt.

Kreuz steht für Kontinuität und Wandel

Nun hängt es im Zentrum der Kirche und steht für die Kontinuität der christlichen Botschaft im Wandel der Zeiten und zugleich für die spezifische Geschichte dieser Cottbuser Kirche. Um zu unterstreichen, dass täglich eine neue Seite des Lebens aufgeschlagen wird, ist das Kreuz an einer stilisierten, riesigen Buchseite angebracht.

Der Innenraum der Lutherkirche ist von September 2018 bis August 2019 saniert worden. Am 1. September 2019 fand der erste Gottesdienst in der erneuerten Kirche statt, zugleich mit der Einführung der neuen Pfarrerin Dr. Vera von der Osten-Sacken. Insgesamt wurden rund 700 000 Euro verbaut. „Dazu kommen noch viele Eigenleistungen“, sagt Dieter Löbens. Er ist ebenfalls im Gemeindekirchenrat und hat die Baumaßnahmen koordiniert.

Altar, Kanzel und Taufbecken neu

Dabei wurde gemalert, eine Fußboden- und Sitzheizung installiert, der Fußboden ausgetauscht, die Beleuchtung, Lautsprecher sowie Elektrik und Verkabelung modernisiert und die Kirchenbänke gekürzt, um bessere Wege zu erhalten. Vor allem aber wurden die „Prinzipalstücke“ erneuert – das sind der Altar, die Kanzel und das Taufbecken. Als Material kam helles Travertin zum Einsatz. „Die Formensprache zwischen rund und eckig, die dabei gefunden wurde, mit dem scharfkantig geschliffenem Stein, der durch seine Einschlüsse fast lebendig wirkt, finde ich sehr gelungen“, meint Pfarrerin von der Osten-Sacken.

Mit der erneuerten Kirche will die Gemeinde verstärkt nach außen wirken. „Wir haben keine tote Hülle gebaut“, sagt Dieter Löbens dazu. Die Pfarrerin denkt an Kunstprojekte, Diskussionsrunden, Musikveranstaltungen und lebendige Gottesdienste. Konkrete Ideen hat sie auch schon für ein Kirchenkabarett. Und natürlich bietet die sanierte Kirche auch neue Möglichkeiten für das Gemeindeleben: vom Weihnachtskrippenspiel über die Arbeit der Jungen Gemeinde bis hin zum Kirchenchor.

Erinnerungsstätte des Friedens

Wichtig ist der Luthergemeinde auch, mit ihrer Kirche als Erinnerungsstätte des Friedens zu wirken. So nimmt ein Triptychon mit dem Titel „Werden - Bestehen - Vergehen“ des Künstlers Erich Grün, der bei dem Bombenangriff auf Cottbus seine Frau und drei kleine Kinder verloren hat, einen Ehrenplatz ein. Auch das im Krieg zerschossene, originale Ziffernblatt der alten Turmuhr soll bald einen Platz in der Kirche finden.

Eine Kirche, in der sich die neue Pfarrerin Vera von der Osten-Sacken „pudelwohl“ fühlt. Und das nächste Bauprojekt steht auch schon an. Die Orgel ist durch die schroffen Temperaturwechsel der früheren Heizung in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt läuft ein Antrag auf Fördergelder, um dieses Instrument zu sanieren.